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Dem Altbauer sein Weihnachten

Eine kleine, literarisch-besinnliche Spurensuche, die zu Sepp Kahn nach Itter führt

@Kerstin Joensson1

‚Sie hat an Adventkranz bunden. Blaue Kerzn hats heuer drauf tu, obwohl ma sonst immer rote g’habt habn. I hab ihr’s eh g’sagt: „Wieso nimmst heuer blaue?“ – „Weil ma sonst immer rote ghabt haben“. – „Und heuer hätten rote nimmer getan?“ – „Na, heuer nehm’ ma amal blaue“. – „Habns koane roten nimmer g’habt?“ – „Doch, g’habt hätten’s es scho“. – „Wieso hast dann die blauen g’nommen?“ … Und so geht es zwischen ihm und ihr noch einige Zeit hin und her, bis er schließlich sagt: „Und i hab sie angschaut. Und so richtig Advent is aufamal gwesen“. Dieser Kampf der Geschlechter ist Teil der Erzählung ‚Da Adventkranz‘ aus der Feder des sogenannten ‚Bauernliteraten‘ Sepp Kahn aus Itter, dem schmucken Örtchen an der Hohen Salve, auf einer Terrasse über dem Mühl- und dem Brixental. Diese und andere lustige Weihnachtsgeschichten lese ich am Heiligen Abend gern der Familie oder Freunden vor.

„Wie reich war ich doch, als ich arm war“

Schon vorherige, lange, dunkle Dezember-Nächte eignen sich bereits, früh das Kaminfeuer anzuzünden, sich in einen bequemen Sessel fallen zu lassen und ein weihnachtliches Buch zur Hand zu nehmen, das uns der Hektik der Zeit entreißt und uns dem wahren Sinn von Weihnachten näherbringt. Vielleicht eines von Peter Rosegger, dem steirischen Schneidersohn, der dreimal für den Literatur-Nobelpreis nominiert war. „So kam ich, als es schon dämmerte…“, schrieb er, „…glücklich hinauf, wo das alte Haus, schimmernd durch Gestöber und Nebel, wie ein verschwommener Fleck stand, einsam mitten in der Schneewüste“. Wenn wir es lesen, sehen wir den Knaben im Lodenmäntelchen durch den meterhohen Schnee stapfen.

Auf Tourenskiern Richtung Almhütte

@Kerstin Joensson

„Wie reich war ich doch, als ich arm war“ - die Erkenntnis Roseggers passt auch gut zum Sepp Kahn. Auch er hat sich schon viele Gedanken zu Weihnachten gemacht, die in seinen Büchern zu finden sind, oder die er bei Lesungen vorträgt. „I tua nit weiß Gott was dichten“, meint er bescheiden, „I tua erzählen“. Heuer hat er gar die Ehre, erstmals durch eine Fernsehsendung zu führen – ‚Weihnachten mit Sepp Kahn‘, zu sehen am 18. Dezember im Hauptabend von ‚Servus TV‘. Darin steigt der Landwirt zeitig in der Früh auf Tourenskiern in Richtung seiner Almhütte auf und blickt auf den Autoverkehr hinunter, der im Tal schon Hektik verbreitet, noch ehe die Sonne aufgeht. Da wird ihm schon beim Zusehen ein wenig schwindlig, wie wohl auch so manchem Autofahrer selbst, der kreuz und quer und hin und her braust - schneller noch als sonst, denn Zeit ist im Advent Mangelware. Sein Gedicht über die ‚Zeit‘ schrieb Kahn in Mundart. Zur allgemeinen Verständlichkeit verhochdeutschen wir seine Erzählweise in diesem Artikel ein wenig: „Allwei eilig und nie koa Ruah, amal aufhalten – kommt ma dazu? S’Leben is so schön, wenn man’s begreift, wenn man sieht, was alles wächst und reift. Wenn man nit grad hetzt durch die Jahr. Die Welt war ja gschaffn so wunderbar, a ganzes Menschenleben, oft so viel Zeit, is nur ein Tropfn in da Ewigkeit“.

Da liegt das Glück, die Freude über den Bergen

Begleiten wir Sepp weiter auf seiner Skitour, hören wir den Schnee unter seinen Brettern knirschen und seine Worte durch den weißgrauen Bart klingen: „Man sagt immer: die Zeit is heut so hektisch, die Zeit vergeht so schnell. Aber die Zeit kann nix dafür! Der Mensch is hektischer. Die Zeit vergeht ja immer gleich schnell“. Er klaubt einen abgebrochenen Ast auf, schaut sich oft nach Wertlosem um, um draus was Wertvolles zu machen – z.B. ein künstlerisches Almgespinst zu schnitzen. In der Weihnachtssendung erzählt Kahn von einem, der als Kind auch nicht ganz der Norm entsprach, weil er gestottert hat – der Osttiroler Bauernsohn Sebastian Rieger, liebevoll auch ‚Reimmichl‘ genannt, wurde ein weltberühmter Literat. In seinem Kultbüchlein ‚Weihnacht in Tirol‘ schreibt er: „Schön ist das Tirolerländchen durchs ganze Jahr, am schönsten zur Weihnacht. Da liegt das Glück, die Freude über den Bergen. Freude wird nicht durch äußere Glücksumstände bedingt, sondern durch die Stimmung des Gemüts. Je höher die Berge, desto tiefer ist das Menschengemüt, und je tiefer das Gemüt, desto mehr Freude hat darin Platz“. Vom Poeten stammt auch ‚Reimmichls Volkskalender‘, noch immer ein Must unter vielen bäuerlichen Christbäumen. In dem wurde auch schon was vom Kahn abgedruckt.

Der Itterer Weihnachtspfad verzaubert

@Kerstin Joensson1

Wie Sebastian es tat, hockt auch Sepp gern im Gasthaus, um die Leute zu beobachten. Am liebsten beim Kartenspiel, in unserer Gegend noch immer einer der geselligsten Adventsbräuche. In Itter trifft man sich auch gern zum kommunikativen Weihnachtshoagascht oder zum besinnlichen Weihnachtspfad. Die Bläser der Musikkapelle und andere Volksmusikanten bringen da die wahre Weihnacht näher, und die Anklöpfler verbreiten die Weihnachtsbotschaft. Stille dringt in die Herzen der Menschen, wenn der Kerzenschein von 1.000 Fackeln den Weg verzaubert. Wirte und Vereine verwöhnen mit heimischen Schmankerln. Der Duft von Bratäpfeln und Zimtsternkeksen weckt Kindheitserinnerungen. Glühwein und Punsch mit ihren hochprozentigen Zusätzen verblasen für einige Stunden die Alltagssorgen.

Oben auf 1500 Metern erreicht Kahn auf seinen Skiern die Almhütte und reflektiert das weihnachtliche Treiben auf seine Art: „Weihnachten heißt’s ist a stillere Zeit. Ganz nett und friedlich sind da die Leut. Unterm Jahr hörst dann a diam, tun sich die Leut schon auch segiern. Was du selber tust, des i alles recht - sagt der eine das Gleiche, dann ist es schon schlecht“.

Sepp setzt sich aufs Holzbankerl, atmet bewusst, wird noch ruhiger, und genießt dann einen Apfel. „Im Winter bin i oafach ein Bauer. I hilf bei die Viecher mit im Stall“, erzählt er über sich. „Ein Altbauer bin i, weil i hu schon an die Jungen übergeben. Weil die tüchtig sind, sollen sie auch anschaffen. I arbeit zwar no gleich mit am Hof, hab aber nix mehr zum Sagen“, scherzt er. „Wir haben so 25 Stück Vieh, Fleckvieh. Die Hälfte ist Jungvieh, die Hälfte sind Kühe. Zwölfeinhalb Kühe und zwölfeinhalb … „. Sepp denkt nach. Der Advent war bei Bauern, bei Jung- und Altbauern, immer auch schon Zeit, um Innenschau zu halten. „I bin ein zufriedener Mensch, sehr zufrieden. Meine Frau und i haben fünf Kinder, drei Buben und zwoa Mädchen. Der mittlere Sohn is dahoam jetzt der Bauer, dem hab i übergeben“.

„I bin dem Himmel näher“

So idyllisch weihnachtlich, fast unwirklich kitschig verschneit es da auf der Alm jetzt auch ist, so steigt im Herrn Kahn doch Heimweh auf: „I gfrei mi schon wieder auf den nächsten Juni“. Da kommt er dann wieder mit dem ganzen Vieh herauf und wird hier schon seinen 27. Almsommer verbringen, etwa 100 Tage lang. „I mach Butter und Käs, no auf ganz althergebrachte Weise“ - im großen Kupferkessel. „I bin einfach so gern da heroben. I hu da alles. Es ist hier einfach, aber i bin dem Himmel näher“. Ganz im Himmel gelandet ist eine Figur des dritten Literaten, den der Sepp in seiner Weihnachtsfernsehsendung vorstellt, der ‚Engel Aloisius‘, erfunden vom bayrischen Förstersohn Ludwig Thoma. In seiner ‚Heiligen Nacht‘ verlegte er die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium in die tiefverschneite bayrische Landschaft und deutete die biblische Welt in eine Dorfwelt um. Da heißt es etwa, als die ermüdete Maria und Joseph auf dem Weg nach Bethlehem sind: ‘Der Schlitt'n, der kemma is, war vom reich'n Manasse. „Halt a weng! Sei do so guat!“ schreit da Joseph. „Gang's net, daß sie mit kam, de mei'?“ Der aba, der gibt gor nit acht, er schnallt mit da Goaßl, und d' Ross', de schiaß'n voro, und er lacht. Wer so eppas tuat, der is mit eahm selba scho gschlag'n, und selle Leut geht's nit so guat‘.

Ein Schritt zurück bringt den Menschen wohl weiter

In seiner schlichten Almhütte zündet Sepp eine Kerze an und nimmt einen Schluck wärmenden Tee. „Die Einfachheit muss man schätzen“, sagt er. „Der Mensch muss sowieso einen Schritt zruckmachen. Nit allwei nur mehr wollen. A Schritt zruck bringt ihn wahrscheinlich weiter“. Wie einfach Maria und Joseph einst unterwegs waren, kann Kahn sich lebhaft vorstellen. „Weihnachten is für mi erst richtig, wenn wir Anklöpfeln gehen“. Das tun sie in Itter jedes zweite Jahr. Da stellen sie die Herbergssuche nach, gehen von Haus zu Haus, und Sepp spielt den Joseph, der an der Seite Marias an die Tür klopft. „Da is scho alles voll!“, motzt der Hausbesitzer, „Beim Waldrand is a kloana Stall. Da is leicht Platz gnuag für euch Gsindl!“ Als sie mit andern mit Fackeln durch den Schnee zur Krippe gehen, denkt Sepp dran, wie sich die Geschichte der Quartiersuche heute bei hunderttausenden Flüchtlingen wiederholt. Nachdenklich blickt er dann auf das Christkindl in der Wiege. In die Stille hinein singen die Anklöpfler des Itterer Chors Soalteba das Lied ‚Advent is a Leuchten, a Liacht in der Nacht‘. Einer spricht: „Wir wünschen ench seinen Segen, für Haus und Hof und Stall, die Gsundheit und an Frieden, die Weihnachtsfreud für alle“. Und beim gefühlvollen Jodler weiß Sepp: “Näher kann man Weihnachten nicht kommen“.
Mit freundlicher Genehmigung von „Bei ins dahoam“; Text und Fotos: © Bei ins dahoam.

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