Bedeutung des Tourismus für regionale Betriebe
Die Bedeutung des Tourismus für die ansässigen Betriebe stellt sich als äußerst heterogen dar. Während ein Teil der Unternehmen den Tourismus als zentralen Wirtschaftsmotor begreift – insbesondere in Branchen wie Bau, Technik und Handel, die indirekt von Investitionsschüben profitieren –, nehmen andere Branchen kaum eine Verknüpfung wahr. Vor allem bei personenbezogenen Dienstleistungen mit hohem Stammkundenanteil überwiegt die Ansicht, primär von der lokalen Bevölkerung abhängig zu sein.
Wahrgenommene Chancen und Vorteile durch den Tourismus
Ein Großteil der Betriebe betrachtet den Tourismus als wesentlichen Motor für die regionale Entwicklung. Dabei werden vor allem direkte wirtschaftliche Impulse geschätzt, wie eine höhere Kundenfrequenz, steigende Kaufkraft sowie ein Zuwachs an Aufträgen und Projekten. Zudem profitieren diese Unternehmen von einer verbesserten allgemeinen Infrastruktur. Interessanterweise ergeben sich auch indirekte Vorteile für Betriebe ohne unmittelbaren Gästekontakt. Diese nehmen die positiven Auswirkungen vor allem durch eine gesteigerte Attraktivität der Region, bessere Standortbedingungen und wachsende Einwohnerzahlen wahr.
Umfrage: Die Stimmen der regionalen Unternehmen
Ein Marktforschungsprojekt in der Region St. Johann in Tirol!
Der Tourismusverband Kitzbüheler Alpen St. Johann in Tirol hat sich 2025/26 in Zusammenarbeit mit sieben engagierten Studentinnen der Fachhochschule Kufstein einem Praxisprojekt im Zeichen der Marktforschung und der Frage, wie regionale Unternehmen den Tourismus sowie die Arbeit des Tourismusverbandes wahrnehmen, gewidmet.
Zielsetzung
Das Ziel des Projekts war es, ein differenziertes Meinungsbild von Unternehmerinnen und Unternehmern zu erheben, Potenziale und Herausforderungen zu identifizieren und Ansatzpunkte für eine stärkere Einbindung regionaler Betriebe zu entwickeln.
Ablauf
Mitte Oktober erfolgte der Projektstart und die Zieldefinition. In weiterer Folge wurden ein methodischen Konzept erstellt und ein Online-Fragebogen und Interviewleitfaden bis Ende Oktober erarbeitet. Die Kontaktaufnahme und die Interviews wurden Anfang November bis Mitte Dezember durchgeführt. Bis Mitte Januar wurden die Ergebnisse analysiert und Mitte Februar wurden diese präsentiert.
Auswertung


Bewertung der Arbeit des Tourismusverbandes
Die Zufriedenheit mit dem Tourismusverband bewegt sich aktuell in einem neutralen bis leicht positiven Bereich, wobei die individuelle Bewertung massiv von der Intensität des persönlichen Kontakts beeinflusst wird. Betriebe, die in direktem Austausch mit dem Verband stehen, loben die Zusammenarbeit und heben insbesondere das Engagement sowie die unterstützende Arbeitsweise hervor.
Bekanntheit und Nutzung von Angeboten
Veranstaltungen, Newsletter, Informationsbereitstellung und Werbung für Gäste sind die bekanntesten Leistungen. Die Wahrnehmung beschränkt sich meist auf klassische Säulen wie Veranstaltungen, Newsletter, Informationsbereitstellung und Gästewerbung. Da viele Betriebe keinen direkten persönlichen Mehrwert erkennen, werden diese Angebote nur oberflächlich genutzt. In der Folge wird der TVB primär als Serviceorganisation für Gäste wahrgenommen, statt als strategischer Partner für die lokalen Unternehmen.

Kommunikation und Informationskanäle
In der betrieblichen Kommunikation kommt es weniger auf die bloße Frequenz als vielmehr auf die Relevanz und den persönlichen Bezug an. Unternehmen legen Wert auf gezielte, nutzbare Inhalte statt einer Informationsflut. Im Zentrum der Präferenz steht dabei der direkte Austausch: Persönliche Gespräche schaffen das nötige Vertrauen und ermöglichen einen unmittelbaren Dialog. Unterstützt wird dies durch feste Ansprechpartner, die anonyme Strukturen ersetzen und die Zusammenarbeit durch klare Zuständigkeiten vereinfachen.
Zusammenspiel zwischen Tourismus und Bevölkerung
Auf der Habenseite wird der Tourismus primär als zentraler Stabilitätsfaktor für die regionale Wirtschaft geschätzt. Er fungiert als Motor für die allgemeine Entwicklung, sichert zahlreiche Arbeitsplätze und stärkt die ansässigen Betriebe. Ohne diese touristische Dynamik, so der allgemeine Tenor, wäre die wirtschaftliche Kraft der Region deutlich geschwächt. Darüber hinaus profitiert die lokale Bevölkerung direkt von der gesteigerten Attraktivität ihres Lebensraumes: Investitionen in die Infrastruktur und ein breites Angebot an Veranstaltungen setzen kulturelle Impulse und erhöhen die allgemeine Lebensqualität.

Erwartungen und Wünsche an den Tourismusverband
Für eine zukunftsfähige Regionalentwicklung ist die stärkere Einbindung lokaler Betriebe von zentraler Bedeutung. Viele Unternehmen möchten nicht mehr nur indirekt am Tourismus partizipieren, sondern als aktiver Teil der regionalen Wertschöpfung wahrgenommen werden – und zwar unabhängig davon, ob sie primär touristische Leistungen erbringen oder nicht. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist hierbei der persönliche Kontakt: Statt anonymer Informationsflüsse wünschen sich die Betriebe feste Ansprechpartner beim Tourismusverband (TVB), um durch direkten Austausch Vertrauen und Transparenz zu schaffen.
Parallel dazu rückt der Fokus auf die Einheimischen stärker in den Mittelpunkt. Es besteht der klare Wunsch nach einem Gleichgewicht zwischen touristischem Wachstum und regionaler Identität. Angebote und Veranstaltungen sollten daher so gestaltet sein, dass sie auch die lokale Bevölkerung integrieren und deren Lebensqualität nachhaltig steigern. Damit diese Zusammenarbeit gelingt, bedarf es einer praxisnahen Information. Unternehmen fordern eine transparente Kommunikation über Abgaben und Mehrwerte sowie konkrete, branchenspezifische Unterstützungsangebote, die einen klaren praktischen Nutzen für den eigenen Betrieb stiften.

Zentrale Erkenntnisse
- Tourismus wirkt oft "unsichtbar": Direkte Profiteure erkennen den Nutzen; Betriebe mit lokalem Fokus unterschätzen den positiven Effekt auf Kaufkraft und Standort.
- Präsenz schafft Akzeptanz: Wo der TVB persönlich auftritt, wird er geschätzt. Ohne Kontakt bleibt er unsichtbar – Neutralität ist hier das Ergebnis fehlender Berührungspunkte.
- Vom "Gäste-Bespaßer" zum Wirtschaftspartner: Der TVB wird primär als Event-Organisator gesehen. Die Rolle als B2B-Netzwerkpartner muss aktiver besetzt werden.
- Nutzen sticht Bekanntheit: Newsletter allein reichen nicht. Betriebe brauchen greifbare Vorteile, um vom passiven Konsumenten zum aktiven Nutzer zu werden.
- Transparenz als Brücke: Klare Kommunikation über Abgaben und branchenspezifische Vorteile ist der Hebel, um die regionale Wirtschaft und die Bevölkerung enger an den TVB zu binden.
