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Völlig losgelöst

Über die Faszination des Fliegens, warum Joachim in der Luft alles vergisst und Gitti sich im Flieger selbst neu entdeckt.

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Es rauscht, kracht ein wenig. „Oskar Echo Delta Hotel Mike“, sagt die metallisch klingende Stimme. „St. Johann Flugplatz Oskar Echo Delta Hotel Mike“ antwortet Thomas Stocker knapp und formell in sein Funkgerät. Ein Flieger ist im Anflug und möchte in St. Johann landen. „Flug fortsetzen und Endteil melden“ ist quasi die Erlaubnis dazu.
Wir stehen im „Tower“. Tom sagt, es ist das Info-Büro des Flugplatzes. Tower klingt aber cooler und trifft es besser. Erster Stock, Glasfronten ringsum, mehrere Bildschirme, die Start- und Landepiste unter uns, ein wunderbarer Blick auf die Berge ringsum … unvermittelt stellt sich bei mir richtiges „Flieger-Feeling“ ein. Es „riecht“ nach Abenteuer – zumindest für mich „Nichtfliegerin“. Für Betriebsleiter Tom ist es Alltag. Seit 5 Jahren rennt er den ganzen Tag mit dem Funkgerät herum und kommuniziert mit den Fliegern, die in St. Johann landen und starten wollen. „Erbitte Landeinformation“ tönt es da gerade wieder. Es kommt noch einer.
Das Fliegen ist Toms Leben. Mit 11 Jahren ließ er noch Modellflieger in die Lüfte steigen und schaute sehnsüchtig zu ihnen hinauf. Mit 15 machte der Wörgler seinen Segelflugschein, heute ist er Segelkunstflieger – wenn er nicht gerade Dienst hat. Am schönsten ist das Fliegen für ihn gleich in der Früh, wenn die anderen am Wochenende in den Betten liegen. Dann sitzt er allein in seiner Maschine und schaut hinunter auf die noch verschlafene Welt, fühlt sich wie der König der Lüfte.

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Weltklasse-Segler
Im vergangenen Dezember feierte der Flugplatz sein 60jähriges Jubiläum, der Club blickt auf eine sehr bewegte Geschichte zurück. Schon in den Anfangsjahren wurde eine Segelfliegerschule eingerichtet, aus der international sehr erfolgreiche Segelflieger hervorgingen. Reinhard Haggenmüller ist so einer. Der heutige Fluglehrer brachte es zu Spitzenplätzen bei Weltmeisterschaften und einigen Staatsmeistertiteln. Einer seiner Schüler war der Japaner Kato, der mit dem Motorsegler von St. Johann nach Japan flog – eine Weltspitzenleistung. Aber auch was die anderen Segler leisten ist beeindruckend. „De fliag’n immer wieder amoi in die Schweiz, schaugn ochi, wås in St. Moritz gråd los is und kemman boid wieder z’ruck“, schildert Joachim Häntschel ein Beispiel. Ob es Spionageflüge für den Tourismusverband sind? Eher nicht. Alle 2 Jahre findet der Kitzbüheler Alpencup statt, bei dem die Segler ihre Künste zeigen.
Joachim ist der Obmann des Fliegerclubs und selbst natürlich auch begeisterter Pilot. „Wenn da Föhn bläst“, erzählt er, „werden die Segelflieger richtig schårf, de gehen dann auf die Föhnwelle, extrem hoch auffi, håb’n an Sauerstoff mit, låss’n sich mittrågen.“

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In der Luft abschalten
Joachim segelt nicht, er ist Motorflieger. Seine Lieblingsdisziplin sind Langstrecken. Früher, als Jugendlicher, erlebte er die Vogelperspektive mit dem Drachenflieger. „Aber mit Job und Familie wird die Zeit weniger, die ma zur Verfügung håt, und deshalb bin i umg’stieg’n.“ Dabei kam ihm die Flugerfahrung mit dem Drachen sehr zugute, gerade beim Landen. „Anfliegen, waagrecht halten, in den Bodeneffekt einigleiten, ausgleiten lassen, dann die Strömung abreißen, des is bei jedem Flieger gleich, jeder muss nach dem Prinzip landen, ob Drachenflieger oder Verkehrsmaschine“, erklärt Joachim.
Dafür braucht man viel Gespür. Das Gespür bringen übrigens auch Frauen mit, es gibt einige weibliche Pilotinnen in St. Johann. „Owa da echte Wahnsinn san Kinder,“ lacht Joachim. „Da brauchst nix sågen, die nehmen an Steuerknüppel in die Hånd, schauen instinktiv nach vorne, håb’n schnell a irres Gefühl für den Flieger.“ X-Box, Playstation und Joystick sei Dank.

Für Joachim ist Fliegen das Höchste, im wahrsten Sinne des Wortes. „Sitz i im Flieger, dånn vagiss i ois.“ Richtig abschalten, das geht nur in der Luft. Dann ist er so fokussiert auf seine Aufgabe, so konzentriert auf das Fliegen, so in seinem Element, dass daneben einfach kein Platz mehr ist für den Alltag und Probleme.

Bilderbuch-Pilotin
Gerade schneit Gitti Blasisker herein. Lange braune Locken, ein strahlendes Lächeln, lässiges Outfit, .. ja, so stellt man sich eine Pilotin vor. Das weibliche Pendant von Tom Cruise in Top Gun.
Die 41jährige Osttirolerin lebt seit vielen Jahren in Kirchberg und hat sich dort als Malermeisterin selbständig gemacht. Zur Fliegerei kam sie über einen Freund, der sie einlud, einfach einmal mit ihm in den Himmel zu steigen. Neugierig, wie sie ist, sagte sie natürlich nicht nein und war sofort fasziniert.
Mindestens 100 Starts und Landungen und zig Flugstunden später saß sie selber im Cockpit und machte ihren ersten Flug alleine. Ein wunderbares Erlebnis, das sie nie mehr vergessen wird. „Da oben in der Luft, da bist einfach ganz im Moment, da zählt nur das Hier und Jetzt.“
Gitti genießt den Wechsel der Perspektive, den das Fliegen bietet. „Du siehst de Welt von einem anderen Blickwinkel, klår, aber du lernst di a selber anders kennen. Erfährst, wie dein Körper in gewissen Situationen reagiert, des is faszinierend.“ Am Boden kann man sich immer irgendwie helfen, in der Luft ist man auf sich allein gestellt. Wenn der Pilot nicht funktioniert, funktioniert auch das Fliegen nicht. Eine spannende Herausforderung für die Einen, eine beunruhigende Vorstellung für die Anderen – wie für mich.

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Auf einen Sprung „vorbeifliegen“
Der Flugplatz ist nicht nur für die Clubmitglieder wichtig, sondern auch touristisch interessant. Gar nicht wenige Urlauber kommen nämlich mit dem Flieger. Voraussetzung: Er darf nicht mehr als 5000 Kilogramm wiegen. Jets scheiden deshalb aus, die sind zu schwer. Und zu laut. Die größte Maschine, die landen darf, ist eine Pilatus PC 12 für 16 Personen. Sie bringt im Winter englische Schifahrer. Auch viele Promis landen in St. Johann und sind in einer Stunde zum Beispiel wieder zurück in Frankfurt. Manche Flieger kommen nur für einen Spaziergang vorbei – und um die Atmosphäre zu genießen. Der Flugplatz St. Johann gehört nämlich zu den schönsten in ganz Österreich, in den Alpen. Im Osten das Steinerne Meer, im Süden das Kitzbüheler Horn, im Norden der Wilde Kaiser, … der Platz eingebettet in diese malerische Bergszenerie – ich kann’s verstehen.

Im Sommer fliegen viele ein, um Bergsteigen zu gehen – wie heute der berühmte „Freestyle“ Pilot Hannes Arch. Arch ist am Flugplatz St. Johann häufig zu Gast, zeigt auf Shows immer wieder sein Können und raubt seinem Publikum mit gewagten Kunststücken den Atem.

Der Club selbst hat einige Maschinen im Hangar: 3 Motorflugzeuge, 2 Motorsegler und einige Segelflieger. Joachim erzählt mir stolz vom Neuerwerb, einer „Diamond-Irgendwas“, einem einmotorigen Motorflugzeug allerneuester Bauart. „De ku verdammt vü“ strahlt er, „a Cockpit wie a Airliner hat de.“ Ich frage mich, ob seine Augen wohl auch so leuchten, wenn er von den Vorzügen seiner Frau spricht.

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Konsens ist wichtig
Bis zu 150 Bewegungen, also Starts und Landungen, zählt der Flugplatz am Tag, bis zu 12.000 im Jahr. Gerade startet der rot-gelbe Motorsegler hinaus, zieht in einer Kurve zwischen den Häusern nach Norden. Wir schauen ihm nach. „De Kurve
fliagt er extra wegen der Anrainer,“ sagt Tom. Der Fliegerclub ist immer um ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn bemüht, und im Großen und Ganzen klappt das „Zusammenleben“ sehr gut. Dass die Interessen unterschiedlich sind, liegt in der Natur der Sache: Die einen wollen fliegen, die anderen ihre Ruhe.
Der Club sucht immer den Konsens. Deshalb werden die Zeiten, in denen theoretisch geflogen werden dürfte, nicht ausgenutzt. „Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang“ wäre von Gesetzes wegen eigentlich die Betriebszeit. In St. Johann starten Maschinen von 8 Uhr morgens bis spätestens 7 Uhr abends, von halb eins bis zwei ist Mittagspause.

Alle 4 Jahre gibt es einen Tag der offenen Tür, dann lädt der Club ein zum Schauen, Informieren, Mitfliegen. Aber auch unterm Jahr ist der Flugplatz ein lohnendes Ziel, gerade für Familien. Während die Kinder am Spielplatz herumtoben, genießen die Großen eine Tasse Kaffee im Fliegerstüberl. Und „Fliaga-Schau’n“ gehen dann alle gemeinsam. Die Clubmitglieder freuen sich immer über Interesse, lassen sich gerne über die Schulter und ins Cockpit schauen, auch Probesitzen ist drin. Und mitfliegen? Es gibt immer wieder die Möglichkeit, bei einem clubinternen Flug, auch bei einem Alpenrundflug, dabei zu sein, einfach anfragen!

Ich habe mir die Flieger selbst und den Club exklusiver oder elitärer vorgestellt. Stattdessen treffe ich hier auf ganz „normale“ Menschen, die offen und gerne über ihre Leidenschaft erzählen und mich einladen, mal mitzufliegen. Einfach so. Damit auch ich einmal abheben kann. Und die Welt vergessen.
„Start eigenes Ermessen Piste 31“ sagt Tom routiniert ins Funkgerät...

TEXT: DORIS MARTINZ
FOTOS: LOIJ, PRIVAT

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