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Der Nasner Franz

Woher die schönsten Blondinen des Ortes kamen und warum Franz Grander früher jeden Tag stapelweise Briefe zur Post brachte.

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Was war das für ein wunderbarer Tag. Der Aufstieg zum Kitzbüheler Horn war nicht ohne, aber wie reich wurde ich belohnt am Weg hinunter nach St. Johann, speziell an der Nordwestseite. Einfach spektakulär, das Gestein, der Blick in die Ferne. Nun bin ich am Etappenziel angelangt.
Ein wunderbares Platzerl ist das in St. Johann, hier am Gasthof/Hotel „Schöne Aussicht“. Wer immer den Namen gewählt hat, viel Phantasie hat es dazu nicht gebraucht. Die Aussicht von der Terrasse aus ist wirklich phantastisch. In den Ort hinunter sind es zu Fuß nur ein paar Minuten, und doch ist hier die Welt eine ganz andere. Ich genieße die „blaue Stunde“, schaue zu, wie sich ein dunkler Schleier über das beeindruckende Massiv des Wilden Kaisers gegenüber legt, wie unter mir die Lichter angehen, wie sie in der Dunkelheit blinzeln wie tausende Sterne.
„Ja“, sagt Elisabeth Grander, die Juniorchefin des Hauses neben mir, „der Blick håt a für mi nu immer was Magisches.“ Sie führt mich in die „Jaga-stube“, der ältesten Stube des Hauses, die so erhalten ist, wie sie vor vielen Jahrzehnten gebaut wurde. Elisabeth musste dem Papa versprechen, hier nie etwas zu verändern. Das geschnitzte Tafer, so „Lisi“, würde heute wohl niemand mehr so anfertigen, das wäre gar nicht finanzierbar. Im Herrgottswinkel hängt ein „Kastl“, in dem der „Kåschtala“ drin ist, der Schnaps für den Besuch. „Und der Herrgott passt auf,“ lacht Seniorchef Franz Grander, der „Nåsner Franz“, wie ihn alle kennen. Er gesellt sich zu uns. Warum heißt es hier oben eigentlich „z’Nåsn“, frage ich ihn. „Mia lieg’n da ja auf am Gelände-Vorsprung. Friarah håt unser Haus noch in a andere Richtung g’schaut, und des håt vo unt’n ausg’schaut wia a Nås’n“, klärt er mich auf. Aha.

Unbeschwerte Kindheit
Die Familie Grander, erzählt er, ist schon seit dem 16. Jahrhundert in St. Johann ansässig. Franz’ Großeltern machten aus dem Bauernhof 1928 ein Wirtshaus. In den folgenden Jahrzehnten wurde immer wieder um- und angebaut. Franz verbrachte auf dem elterlichen Bauern- und Gasthof eine unbeschwerte Kindheit. Im Sommer mussten er und seine 8 Geschwister für die Gäste die Kinderzimmer räumen und in der Tenne im Heu schlafen. Eine Strafe war das aber nicht. Ganz im Gegenteil. Die Kinder freuten sich das ganze Jahr über auf diese Wochen im Heu, auf das „Heuhupfen“ und Herumtollen. Auch die Gästekinder hätten am liebsten bei ihnen in der Tenne übernachtet, viel lieber als in den gebuchten Zimmern.

Am Hof lebten damals noch viele Tiere: Kühe, Schafe, Pferde, Hühner, alles, was ein Bauernhof so hat und braucht. Franz erinnert sich noch, wie das erste Pferd auf den Hof kam. Der Vater hatte es zu Fuß aus der Wildschönau abgeholt, war mit ihm über den Grafenweg und das Brixental nach St. Johann gekommen. „Mia sand oi vor’m Haus g’stånden und håb’n g’wårt auf ihn und håb’n a Riesengaudi kåbt wia er kemma is mit’n Ross.“ Der Vater entpuppte sich als „Rossnarrischer“. Wenige Jahre später standen nämlich die besten Haflingerstuten zu Nas’n im Stall, darunter auch die Siegerstute der Weltausstellung in Ebbs. So berühmt war die Zucht schließlich, dass eine der „Nasner Stuten der Königin von England zum Geschenk gemacht wurde, während sie sich auf einem Staatsbesuch in Wien befand. Die Siegerstute ging später an die Cousine der Königin. Mit Stolz betrachtet Franz das Foto und den Bericht dazu. Die Übergabe der Pferde an „Ihre Majestät“ sorgte damals für viel Presserummel und war keine schlechte Werbung für den Gasthof.

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Das „Jagan“, eine Leidenschaft
Schon als Kind wusste Franz, was er einmal werden wollte: Koch und Wirt. So war es keine Frage, dass er die entsprechende Ausbildung machte und dann den elterlichen Betrieb übernahm. Mit seiner Maria, einer Steirerin, fand er eine Frau, die ihn dabei nach Kräften unterstützte. 42 Jahre sind die beiden schon verheiratet. „Glücklich und zufrieden,“ wie Franz verrät. Auch Franz hielt lange Jahre Tiere am Hof, doch irgendwann waren Bauernhof und Gastbetrieb nicht mehr unter einen Hut zu bringen.

Dafür blieb ihm die Jagd, seine ganze Leidenschaft, wie er sagt. Als Jäger weiß er, dass man den Wildbestand regulieren muss, um die Schäden im Wald in einem Rahmen zu halten. Er setzt sich aber auch für die Tiere ein. „Durch den Tourismus toan mia des Wild in de Grab’n einidruckn, weil wir Platz brauchen für Skipisten und Wege. Und da kus passieren, dass an Schåden anricht, weil irgendwo muass a leben a, a Ruhezone haben.“ Franz ist Gastronom mit Leib und Seele, lebt für den und vom Tourismus, und doch sagt er: „Es söt nit ois a de Leit gehören, mia miass’n unsan Lebensraum teilen mit de Tiere.“ Gute Abschüsse wia „an bärigen“ Rehbock oder „an teiflischen“ Hirsch, das sind Glücksmomente fürs Leben, die er gerne mit seinen Jagdkollegen teilt. Doch zum Jagdglück gehört für ihn auch die Hege und Pflege. Früher hatte er beim Jagen immer einen Hund an seiner Seite. An einen seiner ersten Jagdausflüge mit „Dixie“, einer Bracke, erinnert er sich lachend. Franz schoss ein „Manggei“, ein Murmeltier. Der junge Hund, der beim Rucksack „abgelegt“ war, erschrak beim Schuss dermaßen, dass er Reißaus nahm und vom Horn den weiten Weg alleine zurück nach Hause lief. Später war „Dixie“ dann aber ein sehr guter Jagdhund, stellt Franz klar.

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Wie es früher war
Die Jagd ist und war das einzige Hobby, das sich Franz Grander leistete. Der Rest war Arbeit. Von 7 Uhr morgens bis weit nach Mitternacht wurde „geschuftet“. „Owa mia håbn’s lustig g’håbt“, sagt Franz. Die Jahrzehnte, in denen er am meisten arbeiten musste, waren seine schönsten. Wie kann das sein?

„Mia håm Tag und Nacht gearbeitet, owa mia håm a nu was verdient damals, heit iss schwieriger, mei liawa Schwan.“ Wie kompliziert es damals war, einen Gast zu bekommen, haben wir alle fast schon vergessen. 4 Briefe brauchte es für eine einzige Reservierung: Der Gast schrieb eine Anfrage ans Haus, Maria machte das Angebot. Der Gast buchte, und Maria bestätigte. Das alles dauerte Wochen. Jeden Tag brachte Franz zig Briefe zur Post. Und doch war das Haus schneller belegt als heute in Zeiten des Internets. Wenn sie dann am Bahnhof ankamen, die Gäste, holte man ihr Gepäck und im Winter die Schi mit dem Pferdegespann ab, die Kinder durften „aufsitzen“. Und die Erwachsenen? Die gingen natürlich zu Fuß. Am Bahnhof standen damals bis zu 50 Gummiwagerl der Privatzimmervermieter, mit denen sich die ankommenden Gäste zu ihren Vermietern auf den Weg machten. Und heute? Heute kommt kaum ein Gast mit dem Zug, und zu Fuß gehen würde wohl auch niemand mehr.
„A schöne Zeit war des,“ sinniert Franz. Er erinnert sich an die große Sprungschanze, die Wilder Kaiser Schanze, die damals ganz in der Nähe des Gasthofes stand. Die Springwettbewerbe zogen ein Riesenpublikum an, fast wie die Hahnenkammrennen in Kitzbühel. Franz ist es unverständlich, dass die Schanze nicht gehalten werden konnte.

„So iss hoit“, sagt Elisabeth. „Ja,“ nickt Franz. Manche Dinge laufen eben nicht so, wie man es sich vorstellt. Aber er ist glücklich, dass seine Tochter bereits den Betrieb übernommen hat. Auch die beiden Enkel, 11 und 14 Jahre alt, sind brav und helfen schon fleißig mit. Wie für den Vater, stand auch für die heute 40jährige schon bald fest, dass sie den elterlichen Betrieb übernehmen würde. Bereut hat sie es noch nie. Die Familie, ihr Zuhause, das Hotel mit seiner wunderbaren Aussicht, die vielen Stammgäste, das alles erfüllt sie mit Zufriedenheit.

Freunde. Heimat.
Für Franz Grander war es immer wichtig, seine Heimat aktiv mit zu gestalten. In seinen Positionen im Tourismusverband und bei der Bergbahn konnte er das tun. Und zwar im Kreise von Freunden und Wegbegleitern, die mit ihm die Weichen legten für das touristische St. Johann von heute.

Jeden Mittwoch trifft er sich mit seinen besten Freunden daheim am Stammtisch, so mancher von ihnen drückte mit ihm schon die Schulbank. Es wird geplaudert und diskutiert „und geblödelt“, wie Elisabeth lachend hinzufügt. Kommen alle zusammen, sind sie ein Dutzend. Seit 40 Jahren treffen sie sich, machen Ausflüge. Auch ihre Frauen haben sich inzwischen zusammengetan, treffen sich ihrerseits. Und bei gewissen Anlässen, wie zum bevorstehenden 70igsten Geburtstag von Franz, kommen alle 12 Paare zusammen. Dann werden sie wahrscheinlich gemeinsam auf der großen Terrasse stehen, den Ausblick genießen und spüren, wie wichtig diese zwei Dinge sind, gerade in unseren Zeiten: eine Heimat haben und Freunde, die uns durchs Leben begleiten...

TEXT: DORIS MARTINZ
FOTOS: PRIVAT, BERGBAHN, MUSEUM ST. JOHANN

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