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Alex rennt!

Oder wie man aus härtesten Schicksalschlägen durch die „Reise des Helden“ erblühen kann.

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„Wenn ich euch besiegt habe, werden eure Häuser brennen und eure Frauen zu Witwen.“, drohte Philipp II. den Mächtigen der lakonischen Hauptstadt Sparta am griechischen Peloponnes. Trockene Antwort der Spartaner: „Wenn.“ Der Ruf der spartanischen Krieger war weitum bekannt. Schon bei Kindern wurden in härtesten Wettkämpfen Ausdauer, Wagemut und Ehrgeiz getestet. Letztes Jahr fand in Oberndorf ein internationales Spartan Race statt, und als ich hörte, dass bei den Damen eine St. Johannerin gesiegt hat, wollte ich sie treffen. Alexandra Hauser wurde gerade auch Gesamtzweite der Vertical-Up-Tour, bei der die LäuferInnen jene Pisten hinaufrennen, auf denen im Skiweltcup unsere Heroen hinunterrasen. Als sie mich begrüßt, traue ich meinen Augen nicht. „Alex“ ist kein muskelbepackter Zehnkampfriese, sondern ein zierliches Wesen, fast ein Porzellanpüppchen, mit schönem, blondem Haar und strahlendem Lächeln. Das war nicht immer so. Und ausgerechnet ein harter Schicksalsweg hat sie zu einem beinah neuen Menschen gemacht.

Beim Spartan Race, bei dem Seele, Geist und Körper hart geprüft werden, mitzutun, da hat Alex gezögert: „Lauf’n ku i, aber i hab ja koa Kraft“, sagte sie. Doch dann will sie „oamoi bei einem Rennen zoagen, was i ku!“ Sie beginnt, zu trainieren, denn neben 17 Kilometern Laufdistanz warten 20 härteste Kraftprüfungen. Gesportelt hat das 1995 geborene Sonnenscheinkind immer schon gern. Als Baby will sie fliegen, lernt mit nur zweieinhalb Jahren Schwimmen und Skifahren, und ist im Langlauf beim Koasalauf mit nur 5 Jahren jüngste Teilnehmerin. Sport wird in ihrer Familie immer schon großgeschrieben. Papa Manfred war einst auch als Schuhplatter topfit, als er seine Elfriede bei einem Tiroler Abend im Eifersuchtstanz schicksalhaft in die Arme geschubst bekam. Mit 13 fängt Alex an zu Laufen, erst nur 200 Meter, weil ihr danach die Luft ausgeht. Manfred traut ihr letztes Jahr auch keine besonderen Leistungen zu, doch bei einem Vorbereitungs-Laufrennen werden sie und ihr Freund zweite. „Da hab i auf oamoi g’sech’n: eigentlich bin i gar nit so schlecht!“

Das Spartan Race sieht sie eher als Gaudi, weil sie sich die Tortour nicht wirklich zutraut. Vor allem die Hindernisse, die man im Vorhinein nicht kennt. Schafft man eine Aufgabe nicht, heißt es zur Strafe jedes Mal 30 „Burpees“ machen, das sind je ein Strecksprung und eine Liegestütz, 30 mal!

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Langsam starten und aufholen
Dann der große Tag im September: Nach zwei Kilometern einlaufen mit den andern „Elite“-Teilnehmern der freie, gemischte Start. Alle stürmen los und gleich links und rechts an Alex vorbei. Erst als es bergauf geht, kann sie ihre Qualitäten ausspielen. „Dann bin i bei alle vorbei!“ Langsam starten, dann aufholen, das ist Alex. Bald geht’s runter, im Schlamm unter einem Stacheldraht hindurch. Alex bleibt mit der Hose hängen und fragt Zaungäste, ob sie noch ganz ist. „Wenn i da mit offener Hos’n umalaf“, das wäre mehr zum Gaudium der Zuseher als zu ihrem.

Weiter geht’s bergauf zur Müllneralm, wo über ein Hindernis zu springen ist, hinter dem es 2 Meter hinuntergeht. „Da springst oafach und hoffst, dass du dir nit wehtust“. Schließlich ein Balanceakt über dünne Stangen, bei überhöhtem Puls eine doppelte Herausforderung. An Papas Spruch „Aufgeben tuat ma nur einen Brief“ denkt sie, als eine schwere Kette zu schultern ist. „I hab sie nit aufdahebt!“ Alex bittet einen Streckenposten, ihr das Ungetüm auf die Schultern zu legen. Über die Lautsprecher hört sie, „Die erste Dame hat die Kette wie einen Schal uma!“ Alex kann drüber nicht lachen, „I hab auf die Schultern nit viel dru. Da hat’s weh tu auf die Knochen“.

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Wie im Rennen so im Leben
Ich frage Alex, ob sie weiß, warum sie so einen Kampfgeist entwickeln kann. „Weil i viel mitg’macht hab“, sagt sie, „Und i bin über des volle g’wachsen“. Weil ihr Vater einen schweren Unfall hatte und das auf der gesamten Familie samt den Geschwistern Sabine und Thomas schwer lastet, ist sie früh selbständig geworden. „Da hab i schaun müssen, dass i stark bleib und durchhalt“. Wie im Rennen so im Leben.

In Lebensgefahr im Heli nach Innsbruck
Am Tag, der das Leben der Familie verändert, geht’s Alex, damals 10, gar nicht gut. Papa, ein exzellenter Mountainbiker ist mit seinen Brüdern und zwei Freunden am Kitzbüheler Horn Radeln. Mama sorgt sich wegen des Schlechtwetters, und um Alex abzulenken, fährt sie mit ihr zur Schwester. Da steht plötzlich die Schwägerin in der Tür, und Elfriede ahnt Schlimmstes: „Ist er tod?“ Nein, aber: „Der Manfred ist querschnittsgelähmt!“ Schock, und Alex weiß nicht, wo ihr der Kopf steht. Sie nimmt es erst nicht als real wahr, eher als Traum, als Alptraum. „Der Papa is für mi alles“. Er war schwer gestürzt und wird in Lebensgefahr in die Klinik nach Innsbruck geflogen.
Mama und Alex fahren sofort nach. „Wir ham g’wartet, g’wartet und g’wartet“. Dann endlich die erste Nachricht. Eine Querschnittslähmung scheint ausser Gefahr, doch Manfred kämpft mit einem Schädelhirntrauma und Blutungen. Sie versuchen, zu verstehen. „I wollt’ zum Papa, einfach nur bei ihm sein“, aber erst nach weiteren unerträglichen Stunden darf Alex auf die Intensivstation. „Da hat er wahrscheinlich gemerkt, dass i da bin. Und dann is ihm eine Träne ochakemmen“. Doch sein Puls schnellt nach oben, und Alexandra wird sofort wieder rausgeschickt. „I hab volle great, und hab nimmer g’wusst, was toa“. Elfriede kommen heute noch die Tränen, als sie dran denkt, wie Alex in der Klinik hyperventilierend sagte: „Am liebsten wär i nimmer da“. Alex wird an einen Notfall-Psychologen weitergeleitet. Schließlich die erlösende Nachricht: „Heut ist er munter!“, er hat die Augen geöffnet. Und nach zwei Wochen auf der Intensiv ist Manfred aus dem Gröbsten heraussen, muss aber vom Atmen angefangen alles wieder neu lernen.

Alex sieht ihn im Aufwachraum wieder und kann sogar kurz schmunzeln. In seinen Deliriumphantasien beklagt er sich über die zu lauten „Scheiß“-Bodenleger! Sie sollen den Kompressor abschalten! Doch es ist nur das Beatmungsgerät des Bettnachbarn. Arbeiten war Manfred, der seine Tischlerei aus einem kleinen Schuppen heraus aufbaute, im Leben immer mit das Wichtigste.

In der harten Zeit fühlt Alex sich oft alleingelassen, will erst nur mit einem Kuscheltier sein. „I hab a mit mir selber kämpft“. Papa im Spital, Mama nervlich am Ende, die Schwester krank und der Bruder zieht sich in seine eigene Welt zurück. Alex ist so verzweifelt, dass sie vom Gymnasium in die Hauptschule wechseln muss. „Bei mir is eh alles z’spat“, sagt sie deprimiert. „Aber i hab stark sein miassn“. Wie schon als Kind holt sie sich Aufmerksamkeit. „Früher war i a Giftzwerg, in der Schule der Klassenkasperl“. Nun, auch als Papa sich in der Reha langsam erholt, da verändert Alex sich, wird nachdenklich und ruhig. „I bin oafach so erwachsen geworden in der Zeit“.

Alexandra Hauser

Alex hilft als Krankenschwester
Heute strahlt sie eine total positive Stimmung aus. Ihre Geschichte, „die hat mi stark g’macht und zu der Person, die ich jetzt bin. I bin extrem g’wachsen draus“. Was uns nicht umbringt, macht uns nur stärker. Längst ist sie voll Selbstvertrauen, weiß, was sie kann und fühlt sich bärenstark. Was soll sie nun noch aus der Bahn werfen? „I hab eigentlich alles Schlimme erlebt, und i hab’s überlebt!“, und sie hat draus ihre Strategien gelernt, mit denen sie auch anderen helfen kann: sich viel mit sich selbst beschäftigen, viel sporteln und nachdenken. Eine Erkenntnis: „Sachen, die ma nit verändern kann, muss ma so lassen, und es darf so sein!“, auch Dinge anderer Menschen. Lernen, damit umzugehen.

Alex durfte auch von ihrer Mama viel lernen. Und Papa ist so um sie bemüht, dass er ihr trotz Elfriedes Widerstand eine Hündin besorgt – Luni, die ihre Freundin wird. „I bin froh, dass i a Familie hab, zwei g’sunde Haxn, und wenn sonst eppas nit passt, des is hoit oafach so. I bin g’sund!“ Als Krankenschwester sieht Alex jeden Tag leidende Leute. Die sagen ihr: „Sei oafach nur froh, und genieß’ die Zeit, in der’s dir guat geht“. Den Beruf hätte sie wohl nicht angestrebt, hätte sie nicht all das Tragische durchgemacht. Auch Mama Elfriede hat eine Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin absolviert, vorerst auch, um ihrem Mann und ihren Kindern helfen zu können.

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Mythologische Heldenreise
Was Alex mir erzählt hat, vom Spartan-Rennen und ihrem Leben, bringt mich zurück zur griechischen Heldenmythologie. Da hatten etwa auch Odysseus und Hercules ihre Dramen zu überleben, so wie Alex, und so wie auch wir alle immer wieder in unserem Leben mit unseren persönlichen „Reisen des Helden“konfrontiert sind: bei einem Unfall, einer Krankheit, wenn wir uns verlieben oder geliebte Menschen verlieren – immer wieder durchlaufen wir alle ähnliche Stationen. Sie kommen euch vielleicht bekannt vor, liebe LeserInnen, jedem von euch fällt dazu wohl eine eigene Geschichte ein. Vielleicht steckst du grad mitten drin in so einer schwierigen Phase, in der man von einem Hindernis nach dem anderen überrascht wird und immer wieder an seine Grenzen gehen muss!? Probleme oder Herausforderungen, die uns aus unserer gewohnten Welt gerissen haben, und plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Zwar sträuben wir uns zu Beginn vor der unbekannten Aufgabe, die uns Angst macht, aber ein gut gesinnter Helfer bekräftigt uns, das Abenteuer anzunehmen.

Dabei erwarten uns Bewährungsproben, wir treffen Verbündete, aber auch Leute, die uns im Weg stehen, und wir wissen nicht immer, wem wir trauen können. Dann nähern wir uns der Höhle des Drachen, in der der Schatz verborgen ist, der uns erwartet. Wir müssen uns der Bestie stellen. Unsere Alex weiß in ihrer fürchterlichen Angst, den geliebten Papa zu verlieren, noch nicht, welchen Schatz sie am Ende ihrer Heldenreise finden wird. Doch sie besteht ihre schwierigste Prüfung, entkommt dem Drachen, erlebt ihre Wiederauferstehung und ist schließlich als Mensch gewachsen – mit neuen, wichtigen Erkenntnissen.

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Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan
Ihr harter Weg hat Alex auch äußerlich verändert. Für Elfriede war sie einst ein bissl ein hässliches Entlein, nun ist sie zum schönen Schwan erblüht, einer der fürs Leben gelernt hat. So wie Manfred aus seiner Heldenreise mitnahm: „I bin nimmer so wie früher, dass i alles zerreißen muss“, so weiß Alex nun: „Man kann das Schlimmste erleben. Und man kann’s überleben“. Das ist ihr gefundener Schatz.

Auch das Spartan Race überlebt sie. Da steht Alex mit 180 Puls plötzlich vor einer 3-Meter hohen Wand. Ohne Tritthilfe kommt sie nicht drüber. Zwei Bauern dürfen ihr keine Räuberleiter machen. „I hu fast rean ug’fangt, war am Ende!“ Doch sie schafft die 30 Straf-Liegestütz und Strecksprünge. Sie läuft weiter, und schließlich erwartet sie ein mit Schotter zu füllender 20-Kilo-Kübel. Alex kann ihn kaum greifen und weiß nicht, wie sie damit eine Runde laufen soll. Doch ihre zitternden Hände halten. „I hab Ganslhaut g’habt“. Es ist brutal, doch gleichzeitg das Coolste, was sie je erlebt hat.

Woher kommt die Kraft?
Im Hartsteinwerk warten Fotografen, der Kommentator jubelt über die erste Frau im Anflug. Das Schwierigste fehlt noch, und zwar 3-fach! „Da hast einen Stoa aufiziachn miassn, der hat doppelt so viel g’wogen wie i“. Nur mit Einsatz ihres gesamten Gewichts kann sie das steinerne Monster bändigen. Beim Speerwerfen ist der schwere Stab 10 Meter zu schleudern, für das Porzellanpüppchen unschaffbar. 30 Burpees! Durch Schlamm und Stacheldraht zum Kletterseil. Nach 17 Laufkilometern kann sich Alex dreimal nur bis zum ersten von drei Knoten hochziehen. 30 Burpees! Sie weiß nicht, woher sie die Kraft noch nimmt. Der Dreck haftet so schwer am Körper, dass sie kaum auf die Beine kommt und auf die letzte Mauer. Mit allerletzter Anstrengung schafft sie es drüber und läuft über die Ziellinie. „Ma, endlich!“, denkt sie, „So geil!“, und kann nicht anders, als den männlichen Spartanern um den Hals fallen.

Ein Anker für Hoffnung, Halt und Stärke
Ihren Siegeswillen symbolisiert ein Zeichen, das sie als kleines Tatoo an der Hand trägt: ein Anker steht für Hoffnung, Halt und Stärke. Ein ‚E‘ auf der andern Hand steht für ihre Mama Elfriede, und ein weiteres lautet: „Don’t forget, to love yourself“. Vergiss nicht, dich selbst zu lieben. Und das funktioniert bei Alex: „Mir geht’s jetzt guat. I woaß, wia i mit die schlimmsten Sachen umgeh. I bin fürs Leben gewappnet“. Und in dem wird sie weiter rennen! Auch beim nächsten Spartan Race, wo sie ihre nächste „Reise der Heldin“ in Angriff nehmen wird.

TEXT: EDUARD EHRLICH
FOTOS: KERSTIN JOENSSON, PRIVAT, WWW.SPARTANRACE.AT

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