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Zwischen Bodenständigkeit und dem Dach der Welt

Paul Günther erzählt über seinen Werdegang, die Nepalhilfe und warum das Jakobskreuz die richtige Entscheidung war.


Als „Mann über den Dingen“ sieht sich Paul Günther nicht. So will er nicht dargestellt werden – das betont er extra. Beim Erzählen über seinen Werdegang wird klar, dass es sich bei ihm um einen am Boden gebliebenen Mann handelt, der sehr stark mit seinem Heimatort St. Ulrich verwurzelt ist. Seine Frau Burgi, seine beiden Söhne, die Liebe zum Sport und zu den Bergen, viel Fleiß, eine Portion Glück und eine gewisse Spontaneität haben dazu geführt, dass er heute da steht, wo er steht. Und als er sein Lebenswerk, Sport Günther, bedroht sieht, ergreift er erneut die Initiative. Aber nun alles der Reihe nach:
Bei ins dahoam - Günther Paul (3)
Bild: Paul mit einem Gastmädchen

Wurzeln und Berührungspunkte mit dem Tourismus
Paul wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater war Wegmacher, seine Mutter sorgte für ein gutes Zusatzeinkommen als Schneiderin und durch das Vermieten von drei bis vier Gästezimmern. Die Basis für den Tourismus und die Gastfreundlichkeit lernte Paul daheim schon von klein auf kennen. „Der Dat is bei die Gäst’ g’sessn und håt Gitarr’ g’spuit, und die Mam håt geschneidert“, erzählt er. So gut wie keine Urlauberin verlies das Haus ohne ein neues Dirndl von der Mutter. „Heut’ is die Wertschätzung gegenüber dem Gåst teilweise a Katastrophe“, sagt dar ehemalige TVB-Obmann. „Dabei vergessen viele, dass ma’ sich durch’n Tourismus a an Wohlstånd erarbeit’ håt. Die Leut’ konnten ihre Häuser leichter åbzåhlen und die gånze Infrastruktur wie Bäder und Skilfte, wås heut’ so selbstverständlich is, tät’s ohne Tourismus går nit geben“.
Der ehemalige Vizebürgermeister ist ein Dezember-Kind und wurde schon um ein Jahr früher eingeschult. Beim Ausschulen war er noch keine 14 Jahre alt und eher klein gewachsen. Als er zusammen mit seinem Vater um eine Tischler-Lehrstelle bei Elfriede und Simon Trixl in Fieberbrunn anfragte, sagte der zukünftige Lehrherr zu ihm: „Jo Buawei, iatz gehst no a Jåhr zu an Bauern, dånn kimmst wieder“. Gesagt, getan. In den zwölf Monaten bei Gottfried Herramhof in Adolari wuchs Paul ganze 14 Zentimeter. Als ihn Simon nach einem Jahr wieder sah, sagt er: „Siegst schau, iatz passt’s“. Bei der Tischlerei Trixl lernte der St. Ulricher nicht nur das Verarbeiten von Holz. Ihm wurde auch das Hobby des Lehrherrn, das Bergsteigen, schmackhaft gemacht.
Die Liebe zum Sport
Sportlich war Paul schon immer. Für Skifahren, Radfahren, Tennis und Bergsteigen konnte er sich begeistern. Einmal in den höchsten Bergen der Welt unterwegs zu sein, das war sein Jugendtraum. Er wollte gerne Sport studieren, doch das konnten sich seine Eltern nicht leisten. Um seiner Skifahr-Leidenschaft nachgehen zu können, nahm sich der junge Mann seinen ganzen Urlaub im Winter. Als er 16 Jahre alt war, wurde er Skilehrer. Später machte er auch die staatliche Prüfung inklusive Skiführer. Nach einem Tag auf der Piste trafen sich die Leute im Café Troger zum 5-Uhr-Tee. Der Chef des Kaffeehauses betrieb untertags einen kleinen Skiverleih. Eines Tages bot er Paul an, den Skiverleih zu übernehmen. Dieser sagte sofort ja und startete 1972 zusammen mit seiner Frau Burgi auf 42 Quadratmetern in einer Garage neben seinem Elternhaus. Vier Jahre später baute die mittlerweile vierköpfige Familie ein Haus in St. Ulrich mit einem Sportgeschäft im Parterre.
Plötzlich „Bergbahneler“
Um die Jahrtausendwende stand es um die Bergbahn Pillersee sehr schlecht. Das Unternehmen war konkursreif und wurde 2001 von der Raika Tirol übernommen. Sport Günther hatte in der Zwischenzeit seinen Hauptstandort direkt an die Talstation der Buchensteinwand verlegt. Das Geschäft wäre von einer insolventen Liftgesellschaft direkt betroffen gewesen, so wie auch andere Betriebe, die ebenfalls vom Tourismus leben. „Mei Lebenswerk is Sport Günther“ erzählt Paul, „des håb i ochi sausn g’sechn, dånn bin i gehend word’n“. Er hörte sich um und schaute sich um. Manfred Bader aus Waidring war 18 Jahre lang Geschäftsführer von der Steinplatte und wechselte zur Bergbahn Pillersee. Die beiden Männer hatten Glück. Die ersten Winter waren gut und die Umsätze auch. Trotzdem war das ganze Unterfangen ein Risiko. „Wenn ma im ersten Jåhr so an schneearmen Winter g’habt hätten, wie 2012/13, dann hätt’ ma z’såmmpåcken können“, sagt Paul. Doch das war nicht der Fall, ganz im Gegenteil: Nach und nach wurden verschiedene Veränderungen im Skigebiet durchgeführt. Allen voran die Verlegung des Hochleitenliftes, der die schöne, breite Piste in zwei Hälften teilte. Mit dieser Maßnahme konnte Platz für den Bobopark geschaffen werden, der besonders bei Familien und kleineren Kindern sehr beliebt ist.
Das Jakobskreuz
Trotz vieler Veränderungen im Skigebiet waren sich die Geschäftsführer einig, dass eine kleine Bergbahn nur wirklich rentabel sein kann, wenn man auch im Sommer eine Attraktivität zu bieten hat. Die Kosten für den Liftbetrieb in der warmen Jahreszeit sind überschaubar, da die Anlage ja bereits vorhanden ist und die hohen Summen für Beschneiung und Pistenpräparierung entfallen. Doch wie kann die Bahn auch im Sommer optimal genutzt werden? Einen weiteren Abenteuerpark am Berg wollten Paul und Manfred nicht.
2007 kam Toni Wurzrainer aus Kirchberg mit einer Skizze vom Jakobskreuz in der Hand auf sie zu. „Mia wåren von der ersten Sekund’ voll überzeugt, dass des des Richtige is“, erzählt Paul. „Mia wollten wås, des zu uns passt, und wås das ganz Jåhr über a Ausstrahlung hat“. Die Leute in den umliegenden Orten waren geteilter Meinung. Eine Abstimmung ging aber eindeutig positiv für das Jakobskreuz aus. Zahlreiche Handwerksbetriebe aus der näheren Umgebung arbeiteten an diesem Bauwerk, das 2014 in Betrieb genommen wurde. Schon nach kurzer Zeit hat es sich zu einem Wahrzeichen im Pillerseetal entwickelt. Dieser Kraftort mit seiner außergewöhnlichen Lage und dem traumhaften Ausblick zieht Einzelbesucher ebenso an, wie Gruppen, Hochzeitsgesellschaften und hochkarätige internationale Firmen für Seminare. „Des Kreuz wird das Überleben der Bergbåhn sichern“, sagt Paul, „und damit a das Einkommen weiterer Personen und Betriebe im Ort. Wås den Winter ånbelångt, so ist durch den Zusåmmenschluss von Fieberbrunn mit Saalbach-Hinterglemm-Leogang a gewisse Ångst vorhånden, doch wir werden sehen, wie sich des entwickelt“.
Bei ins dahoam - Günther Paul
Bild: Paul, Burgi und Gottfried Günther sowie Fred Trixl zu Besuch in Nepal

Nepal – das Dach der Welt, das Hilfe braucht
Das Jakobskreuz ist zu einer Art Dach über dem Pillerseetal geworden. Das Dach der Welt einmal zu sehen, war der Jugendtraum von Paul, den er sich zu seinem 50. Geburtstag erfüllte. Zusammen mit einigen Freunden machte er eine Radtour über den Himalaya von Lahsa nach Katmandu. Die Männer und Frauen bewältigten in 18 Tagen eine Strecke von etwa 1.000 Kilometern und fuhren fünf 5.000er-Pässe. Während des Urlaubes lernten sie die Freundlichkeit, Gutmütigkeit und den Fleiß der Nepalesen kennen – und auch die Armut im Land.

Nach einigen Jahren kam ein britischer Gast nach St. Ulrich. Er erzählte Paul, dass er mit seiner damaligen Frau, einer Ärztin, in Nepal war. Die beiden Männer beschlossen, ein Hilfsprojekt auf die Beine zu stellen. Es wurde CEN (Child Environment Nepal) UK und CEN Austria gegründet. Den österreichischen Verein leitet Gottfried Günther, der Sohn von Paul. Durch Mitgliedsbeiträge, Vorträge, Zeitungsartikel, Aufstellern bei Firmen und einigen Großspendern kamen in Österreich schon im ersten Jahr 7.300 Euro an Spenden zusammen. Mit dem Geld, das 2008 in der Region Ashrang übergeben wurde, konnte die erste Schule gebaut und die Lehrer bezahlt werden. Das ganze Projekt und die Zusammenarbeit mit einem Komitee vor Ort hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Neben dem Bau von neuen Schulen wurde auch die Strom- und Wasserversorgung in der Region sicher gestellt. Als in Ashrang das erste Mal eine Glühbirne brannte, war Paul dabei. „Bei g’wisse Såch’n bin i sehr nachend am Wåsser baut“, erzählt er, „und des wår so a Moment“.

Durch das starke Erdbeben im Frühjahr sind auch einige Einrichtungen von CEN Austria betroffen. Drei Schulen wurden so stark zerstört, dass sie abgetragen werden mussten. In einer weiteren Schule sind von 38 Klassenzimmern nur vier benutzbar. Der Unterricht findet provisorisch in Wellblechhütten statt, mit bis zu 116 Schülern in einer Klasse.
Der Verein konnte Anfang Oktober einen Scheck über 25.000 Euro für den Wiederaufbau überreichen. Eine Spende von einem Euro entspricht einer Wertschöpfung von 10 Euro in Nepal. Der Verein und Familie Günther freuen sich über die enorme Hilfsbereitschaft in Österreich. Das Projekt CEN liegt ihnen sehr am Herzen. Es war eine Vision von Paul, die letztlich die ganze Familie umgesetzt hat. Der 67-Jährige ist einer, der auf seine innere Stimme hört und der seine Träume lebt. Deshalb passt das Jakobskreuz als ruhiger Besinnungs- und Kraftort am Berg ebenso zu ihm, wie das Nepal-Projekt, mit dem er durch seine Besuche vor Ort sehr emotional verbunden ist. Leben und Leben lassen – das dürfte wohl das Motto dieses Mannes sein, der viel bewegt hat und trotzdem den Boden unter seinen Füßen spürt.

Text: Renate Nocker
Fotos: privat, Bergbahn Pillersee

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