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Von der Kuh auf's Pferd gekommen

Oder warum eine schöne Kuh nicht das gleiche ist wie ein schönes Pferd


Sie streckt mir neugierig ihre weiche Nase entgegen, schnaubt leise. Ich könnte mich verlieren in ihren großen dunklen Augen, die von ihrer Sanftmut erzählen, aber auch von ihrer edlen Herkunft. Luna, eine Anglo-Araber-Schimmelstute, hat sofort mein Herz erobert. Wie schön muss es sein, auf ihrem Rücken durch Wälder zu streifen und über Felder zu galoppieren, der Sonne entgegen, das Haar flatternd im Sommerwind, … Ups, ich hab ja kurze Haare. Egal. Im Tagtraum hab ich einen edlen Araber unterm Hintern, also kann ich auch langes, flatterndes Haar haben.

Aber Christoph ist schon weiter gegangen und zeigt mir die Haflinger im anderen Teil des Stalles beim Strasserwirt in St. Ulrich. Wir besuchen die Schulpferde und seine „Schätze“, die Sportpferde. „Rock n’ Rose“, eine sehr vielversprechende junge Stute mit bester Abstammung, bekommt gerade eine Magnettherapie. Christoph wird sie nach unserem Gespräch noch reiten. 5 Stunden lang sitzt er im Schnitt täglich im Sattel, um seine Pferde zu trainieren und die „Jungspunde“ auszubilden. Den Reitunterricht für die Gäste übernimmt meist die Reitlehrerin.

Vor 25 Jahren waren es noch Kühe
Der Strasserwirt ist das älteste Wirtshaus im Bezirk Kitzbühel, seit 700 Jahren gehen hier Gäste ein und aus. Jahrhunderte lang eine Pferde- und Fuhrwerk-Wechselstation, stehen heute an die 35 Pferde im Stall. Das war aber nicht immer so. Denn lange waren es Kühe. Und zwar einige der schönsten im Lande.

Davon erzählt mir Josef Nothegger, Christophs Vater und Chef des Hauses. Dessen Vater wiederum, einem Landwirt aus Leidenschaft, war nicht nur wichtig gewesen, dass seine Kühe viel Milch gaben. Nein, auch hübsch mussten sie sein. Und so lernte Josef schon früh seinen Blick zu schärfen für die tierische Schönheit im Stall. Unzählige Preise hat er mit seinen erstklassigen Rindern gewonnen, auch als Braunviehzuchtobmann war er sehr erfolgreich. Und warum stehen jetzt Pferde statt der Kühe im Stall?

„Glegn is es eigentlich an die Melcher“, erzählt Josef. Selbst als Wirt und Bauer voll ausgelastet, war er immer auf einen Melker angewiesen. Die waren teilweise so unzuverlässig, dass er sich nach Alternativen umsah. So kam er auf Pferde, die zwar gefüttert, gemistet und rausgelassen werden müssen, aber wenigstens nicht zweimal täglich gemolken. Und die Pferde konnten sogar mehr Gäste bringen. „Då kust 50 vo de schensten Kiah im Stoi håm, des interessiert koan. Owa wegn de Pferd kemman de Leit.“

Heute verfügt der Strasserwirt über eine der modernsten Reitsportanlagen des Landes. Das Team des Strasserwirts bietet Unterricht für Anfänger und Fortgeschrittene im Dressurreiten und Springen an, Ponyreiten, Ausritte und Kutschenfahrten mit Haflingern stehen ebenfalls am Tagesplan. Auch große Reitturniere veranstaltet die Familie Nothegger immer wieder, dafür ist Christoph verantwortlich. „Der håt des mit’n Sport ugfånga.“
Der Vater ist eher fürs Züchten. „I bin hoit a Viechermensch“, verrät er. Deshalb leben beim Strasserwirt auch ein Hund – Balou, ein riesengroßer Berner Sennen-Mischling – Katzen, Hasen, Schafe, ein Esel und Hühner. „Wenns gangat, dånn hätt da Papa a an Elefånt“, lacht Christoph.

Große Zuchterfolge
Mit der Zucht von Tiroler Haflingern und Anglo-Arabern war die Familie Nothegger viele Jahre sehr erfolgreich. Zwei der besten Anglo-Araber-Hengste in ganz Österreich standen in ihrem Stall. Josef erinnert sich noch daran, als er mit Christoph zur Hengstschau in die Steiermark fuhr. Der Sohnemann meinte: „Papa, des deafst nit mit deine Kiahausstellungen vergleichen, sei bloß nit enttäuscht.“

Josef hatte keinen Grund, enttäuscht zu sein. Seine Hengste wurden Sieger und Reservesieger. Das war eine Sternstunde für Josef, einer der ganz großen Momente in seinem Leben.
Glück hatte er beim Ankauf von Stuten. Er begeisterte sich für eine schöne Schimmelstute, bekam sie aber nur im Doppelpack mit einer anderen, die nur ein Auge hatte. „So wås tat i nia kaffn, owa de andere Stute wollt i unbedingt håbn.“ Also zog auch die Einäugige wohl oder übel im Stall ein. Sie hieß Latefa und wurde Österreichs beste Zuchtstute.
Weil die Zucht der Anglo-Araber sich finanziell nicht mehr rechnete, gaben sie die Notheggers schließlich auf.
Wenn der Nachwuchs auf der Weide tollt
Heute werden beim Strasserwirt nur noch Warmblutpferde gezüchtet. Josef war schon unzählige Male Geburtshelfer. Zuerst bei den Kühen, jetzt bei den Pferden. Die jungen Stuten fohlen vor allem in der Nacht. „I dawischs åft meistens“, erzählt er. Das heißt, er schaut in den „verdächtigen“ Nächten mehrmals nach ihnen.
Jedes Jahr gibt es ein bis drei Fohlen. „Des is des Schene, wenn jedes Jåhr de Fohlen auf da Woad san und spün, des is so schee, då kunnt i de ganze Zeit zuaschaun“, schwärmt Josef.
Er hat ein gutes Gespür dafür, welche Jungtiere sich gut entwickeln werden. „Des is bei de Pferde scho schwieriger als bei de Kiah“, räumt er ein. Aber sein Gefühl hat ihn noch nie im Stich gelassen.
Die jungen Hengste kommen nach dem Absetzen von der Mutter nach Bayern, wo sie artgerecht in einer Herde aufwachsen. Die Stuten werden bei einem benachbarten Bauern aufgezogen. Sind die Tiere drei Jahre alt, holt man sie wieder zurück – die Ausbildung beginnt. Das heißt, die Stuten werden zuerst einmal belegt und bekommen ein Fohlen. Josef besteht darauf, die Zucht auf diese Weise fortzuführen. Christoph würde meist lieber gleich mit der Ausbildung anfangen, um zu sehen, was der Nachwuchs in sportlicher Hinsicht zu bieten hat. „Nu setz i mi durch“, lacht Josef. Gemeinsam entscheiden sie, welcher Hengst auf ihre Stuten kommt und wählen den geeigneten Beschäler aus einem Katalog aus. Der Samen wird dann geliefert, der Tierarzt übernimmt den Rest. „Na, des is net romantisch, owa heit die Realität.“ Je nachdem wie sich das Pferd entwickelt, setzt Christoph es als Sportpferd oder Schulpferd am Hof ein, oder es wird verkauft. Mit vielen Käufern seiner Pferde steht er in engem Kontakt und weiß so, wie es seinen Lieblingen geht. Immer wieder kommt es auch vor, dass ein Reitschüler sich in ein Pferd verliebt, es kauft und mit nach Hause nimmt. Christoph nimmt es gelassen, denn er weiß dann, dass es dem Pferd gut gehen wird.
Aber eigentlich trennt er sich nicht gerne. Kommen seine vierbeinigen Spitzenathleten in die Jahre oder können sie der Belastung der Turniere nicht mehr standhalten, gibt er sie nur in gute Hände ab. Das ist ihm ganz wichtig.
Die ganze Familie hilft mit
Finden die Turniere beim Strasserwirt statt, helfen alle zusammen. Josefs ältester Sohn Alexander mit Maria, die das Naturhotel Kitzspitz führen, sowie auch der Zweitälteste Peter mit Jasmin aus Wien kommen, um sich nützlich zu machen.
Christoph ist der jüngste der drei Brüder. Und der einzige mit dem ausgeprägten „Pferdevirus“. Seine Pferde sind für den Springsport gezüchtete Athleten mit besonderer Begabung und Eignung. Es sind Spitzensportler, die genauso trainiert und gehegt werden wie ihre menschlichen Pendants. Ein ausgefeilter Trainingsplan, Massagen, spezielle Therapien wie die Magnettherapie, hier eine Salbe, da ein kühlendes Gel … die Betreuung der Tiere ist aufwändig und intensiv.
Christoph hat seine Ausbildung als Bereiter in Deutschland begonnen und in Österreich mit diversen Lehrgängen beendet. Er ist staatlich geprüfter Reitinstruktor und Reittrainer. Er bildet auch Lehrlinge aus. Zu seinen größten sportlichen Erfolgen zählen die mehrmaligen Siege bei den Tiroler Meisterschaften und zahlreiche nationale und internationale Siege und Platzierung, auch bei den Staatsmeisterschaften. Aber wenn es im Hotelbetrieb einen Engpass gibt, heißt es mit anpacken. Auch das ist sein Job. Unter den Gästen beim Strasserwirt sind es viel mehr Frauen als Männer, die sich in den Sattel schwingen. „I bin da Hahn im Korb“, lacht er. Seine Herzensdame hat am Hof ein Pferd eingestellt und könnte wie er den ganzen Tag im Stall bei den Pferden verbringen. Eifersüchtig auf die Vierbeiner ist sie also nicht. Das wäre nämlich schwierig …

Für Christoph ist jedes Pferd eine Herausforderung. Weil jedes eine andere Persönlichkeit besitzt. „Es is oft a reines Geduldsspiel. Da kimbt einem des Alter entgegen“, meint er grinsend mit seinen 34 Lenzen. „Je entspannter und geduldiger man in da Ausbildung mit an Pferd arbeitet, desto besser. Manche Dinge brauchen Zeit.“ Und irgendwann sollte sich dann der Idealzustand einstellen: das völlige Einssein mit dem tierischen Partner. Nur wenn Pferd und Reiter eine vollkommene Einheit bilden und sich komplett aufeinander verlassen können, sind große Erfolge zu erzielen. Dann, und nur dann, werden große Träume wahr…
Text: Doris Martinz
Fotos: Peter Neubauer, privat

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