Ihr Urlaub in

Wählen Sie Ihren gewünschten Urlaubsort

Kitzbühel

Wilder Kaiser

Wählen Sie Ihr Anreisedatum

Wählen Sie Ihr Abreisedatum

  • 1 Nacht

  • 2 Nächte

  • 3 Nächte

  • 4 Nächte

  • 5 Nächte

  • 6 Nächte

  • 7 Nächte

  • 8 Nächte

  • 9 Nächte

  • 10 Nächte

  • 11 Nächte

  • 12 Nächte

  • 13 Nächte

  • 14 Nächte

Wählen Sie die gewünschten Zimmer / Appartements

1 Erwachsener
2 Erwachsene
Familie & mehr
Auswahl übernehmen

Anreisetag

Suchen

Vom Schnapsbrennen und zahnigen Bienen

Gidi Treffer und ein Leben mit fünf Frauen unter einem Dach.


Als ich vor dem wunderbar gelegenen Gaßoidhof in Fieberbrunn aus meinem Auto steige, mustern mich zwei Augen, als wollten sie wissen: „Was is jetzt das für oana?“. Der Edelbrandsommelier Gidi Treffer fragt: „Ham wir was ausg’macht?“ „Ja“, sag ich, „Wir haben gestern Nachmittag telefoniert“. Und er: „Au weh! Muasst entschuldigen, dass i di vergessen hab. Aber gestern war Cäcilien-Sonntag, und des is a bissl a Hucker-Tag“. Was für ein Auftakt für eine Schnapsgeschichte! Auch wenn es Rotwein war, der Gidi gestern gut schmeckte. Sein Kater ist verflogen, der vierbeinige, schwarzhaarige hockt vorm Hof, und wir gleich an der Bar seiner „Genusswerkstatt“. Diese Schaubrennerei eröffnete er am 10.10.2010 um 10 Uhr 10 – was für eine Schnapszahl! „Schnapsbrennen ist hier in der Region mit den uralten Streuobst-Wiesen schon lang der Brauch“, erzählt der 55jährige. „Früher ließ die Familie den Schnaps aus ihrem Obst noch bei umliegenden Bauern brennen. „I bin praktisch mit Schnaps aufgewachsen“. Klein-Gidi half in den Ferien auch oft beim Nachbarbauern, auf der Alm, beim Füttern und bei der Holzarbeit.

Da erwischt ihn peitschenschlagartig das Schicksal. „Mit 14 hat’s mir beim Holzschleppen durch ein gerissenes Seil den Hax abg’haut“. Es gibt Komplikationen, Gidi weiß im Krankenhaus St. Johann vier lange Wochen nicht, ob er sein Bein behalten kann. „I hab a bois um mei Leben gekämpft“. In der Klinik Innsbruck hört er von einem Arzt „Sofort abnehmen!“, ehe Gidi eine Woche lang ins Koma versetzt wird. Sein starkes Herz hält ihn am Leben. Ob mit „abnehmen“ sein Fuß oder nur Blut gemeint war, weiß er bis heute nicht. Er durfte den Fuß behalten, die Schmerzen aber blieben. Gidi absolvierte ein Jahr nach dem Unfall seine Schlosser-Lehre bei der Firma Valenta. Dort sieht ihm der Chef eines Tages an, dass er noch permanent Weh hat und rät ihm, um die Rente anzusuchen. Und die wird ihm gewährt.
Was tun, mit 46 Jahren in der Rente?
„Aber was tu ich mit 46 Jahren in der Rente?“ Einer, der ein Leben lang gearbeitet hat? Weil er Holz liebt, baut Gidi sich eine kleine Tischlerei. Und er träumt davon, wovon schon sein Vater träumte: Schnapsbrennen! „2004 hab ich den Schritt gewagt“. Gidi kauft eine gebrauchte Brennanlage, und bald der große Moment: „Die Maische aus unseren Eigesbacher Birnen und Lederäpfeln vergoren und destilliert“, schwärmt er, „Und dann rinnt das erste Mal der Schnaps ocha!“
Der Fieberbrunner besucht Brennkurse, beantragt das Brennrecht. 2008 dann eine Chance, die es bislang in Tirol nicht gab: die Ausbildung zum Edelbrandsommelier. Und als der darf er sich nach abgelegter Prüfung bezeichnen. Bald spricht sich herum, dass es in Fieberbrunn nun diesen Sommelier gibt. „Und so ist der Schnaps immer besser und sind die Kundschaften immer mehr geworden“. Schließlich stellt Gidi die oft wenig ertragreiche Viehwirtschaft ein und investiert in die Schaubrennerei, die schnell gut ankommt. „Nit zum reich werden, aber ma hat eine sinnvolle Beschäftigung“. Und weil Gidi auch liebend gern bei der Musikkapelle und den Bramauer Weisenbläsern spielt, ist von Langeweile und Pensionsschock keine Rede.
Im Zuge der Tiroler Schnapsroute bucht man in Gidis Genusswerkstatt Brennereiführungen, wo der Edelbrandsommelier viele Einheimische und auch Touristen in die Produktion und Geheimnisse des hoch geistigen Tiroler Kulturproduktes Schnaps einweiht. „Ich lass sie in die Fassl einischaun, zeig ihnen die Obstbäume“. Gidi profitiert vom eigenen „Bründlwasser“:
„A guats, ganz weiches Wasser, und nur das nimm i für meine Schnapsei her“.

Gidi plädiert für eine gehobene Trinkkultur:
„Nit ex und hopp aus einem alten Schnapsstamperl, aus dem du nix aussariachen kannst, sondern langsam, genussvoll aus einem schönen Grappa-Glas oder Cognacschwenker. Oder einige Tropfen des regionalen Top-Produkts auf Bitterschokolade oder auf gutem Käse. „Ein Wahnsinn, was sich da für Geschmacksgefühle auftoan!“, sagt der Mann mit der besonders feinen Nase. „Und wer nicht genießen kann, wird ungenießbar“.

Sich mit den Bienen unterhalten
2010 erfüllt sich Gidi einen zweiten Traum. „Zum 50iger hab i mit den Bienenstöcken angfangen“. Heute hat Gidi, für den das Honigmachen ein beruhigender Ausgleich ist, schon zwölf Völker. „Es ist viel Arbeit, aber bei den Bienen sein, is wirklich was Schöns“. Die summenden Stacheltiere sind auch für die Bestäubung seiner Obstbäume wichtig. „Die mögen mi, kommen sogar zum Hof uma Wasser trinken. Dich mit den Bienen unterhalten, das brauchst“. Gidi sucht die Königin: „Ja, wo is sie denn? - Ah, da ist s’Mutterl!“ Meistens verzichtet der Imker sogar auf die Schutzbekleidung, kommt in kurzen Hosen. Nur manchmal sind seine Lieblinge, vielleicht wetterbedingt, aggressiv. Wenn er die Ernte einfährt, fällt viel von dem sogenannten Verdeckelungswachs an. Als er dieses mal interessehalber einem Weißapfelschnaps beimengt, entsteht eines seiner Highlights: Gidis Zigarrenbrand, benannt nach der schönen, goldenen Farbe, die von der Holzfass-Lagerung stammt. Wunderbar wohlig rinnt mir der 65%ige die Kehle hinunter.

Jetzt aber zu den zweibeinigen Bienen im Leben des Gidi, der als Junggeselle nicht nur Spirituosen gern verkostete. „Mei Christl is a Bauernmadl und war Marketenderin“. Ah ja! Also eine die, wenn die Musi aufspielt, für das leibliche Wohl der Gäste sorgt. In Form von … Schnaps! „Sie hat allwei g’sagt: Na, den Gidi, den braucht sie nit!“. Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. „1991 hamma g’heiratet und dann drei Dirndln gekriegt“. Stefanie, Melanie und Magdalena. Dass der Papa auch gern einen Buam g’habt hätte, das spüren die Mädels. „Wenn wir uns als Kinder weh tu hab’n“, verrät Melanie, „hat’s g’hoaßen: Tua nit so mädchenhaft!“ Gidi hat ihnen von klein auf alles gelernt, „was a viele Mannerleit können“, sagt Christl. Einen Kasten zusammenbauen, Traktor oder Schneefräse fahren.
„Ins Holz samma viel gangen, und ham als Kloane scho viel vom Holzarbeiten mitbekommen“, erzählt Stefanie. „Ihm war immer wichtig, dass wir allein z’rechtkommen und viel selber machen können“, so Magdalena. Dabei war er durchaus streng. „Aber des passt a“, lacht Stefanie, „Dann is was G’scheits aussakommen!“
Bei ins dahoam - Gidi Treffer
Gidi, Christl und die zahnigen Bienen
Der Papa soll sich keine Sorgen machen
Mit 60 plant Gidi, den Hof zu übergeben. Und er hofft, dass eine seiner Töchter das hinkriegt. Wenn er fragt: „Wer nimmt denn das einmal? Für wen haben die Mama und i des alles aufgebaut?“, dann antworten die Girls: „Mach dir keine Sorgen, Papa, das machen wir scho“. Das werden sie sich schon ausschnapsen! Momentan sind Stefanie und Magdalena Krankenschwestern, Melanie arbeitet im Reisebüro. „Werd’n könnt ihr, was ihr wollt“, hatte der Papa ihnen gesagt, „Ob Tischler oder Schauspielerin“. Und im Beruf unterstützte er sie stets. „Sogar dass i Paragleiten tua, is eam gleich gwesen“, sagt Melanie. Nur beim Motorradfahren wäre ihm eine andere Maschine lieber gewesen. Ja, die Melanie ist eine „Wilde Henne“. Aber er war in jungen Jahren genauso drauf wie sie.

„Als einziger Mann mit fünf Weiberleut unterm Dach, da geht’s scho a diam zua“, sagt Gidi, der sich gern das letzte Wort vorbehält. „Ja. Und er ku manchmal a ziemlicher Sturkopf sein“, verraten die zahnigen Bienen. Wenn er etwa stante pede von ihnen was will, während sie längst verplant sind. Dann versucht Mama, zu schlichten. „Brauchst nit brummeln“, sagt sie ihm, „Vergönnen wir ihnen a was“. Oft sind die jungen Damen ohnehin clever genug. “Wir dawickeln ihn scho guat um an Finger“, lacht Magdalena. Und sie tischen dem Papa oft einen Deal auf: „Jetzt füll ma dir 50 Flaschen Schnaps an, und dafür kriegen wir, was wir wollen“. Gidi achtet drauf, dass sie nicht zu kurz kommen. Sogar wenn mal ein neuer Freund nicht so ganz seiner Traumschwiegersohn-Vorstellung entspricht, hält er sich tolerant zurück.

„Wenn du’s verstehst, wirst scho umsorgt“, lächelt er. Der Marsch wird ihm von seinen Töchtern nur geblasen, wenn er mit ihnen in der Knappen-Musikkapelle Fieberbrunn musiziert, wobei hier die Jüngste die Marketenderin gibt. Für private Probleme der Mädels ist Mama zuständig. Oder sie helfen sich untereinander. „Außer es is a Röhrl oder beim Auto was hin“, dann fragen sie den Papa. „Ma muss gemeinsam an einem Strang ziehen. Oana alloa dabandelt des nit“, sagt Chirstl, die am Hof köstliche Liköre und natürliche Marmeladen herstellt.

Gidi liebt Gesellschaft. „Dahoam, und sie belebt a das Dorfleben“. Zu viel Lebenslust verhilft mitunter das eine oder andere gute Glasl. „I bin eigentlich a verschlossener Typ“, meint er. „Was du jetzt dafragt hast, das dafragen nit viele“. Außer eine alte Weisheit bewahrheitet sich: „Trunkenen Mannes Mund schwatzt aus Herzensgrund“. Gidi nickt. „Ja, des ku mir passieren“. So wie auch gestern am Cäcilien-Sonntag. Und dann kann er ganz ehrlich verraten, dass er die schönsten Momente in seinem oft von Schmerz begleitetem Leben seiner Mama, seinen drei Töchtern und seiner Frau verdankt. Schön!

Ich verabschiede mich, als ein Auto vorfährt. Da kriegen Gidis Augen wieder diesen ungläubigen Ausdruck, und er empfängt den Neuankömmling mit den bekannten Worten: „Ham wir was ausg’macht?“
Text: Eduard Ehrlich
Fotos: Johannes Kogler, hoamat.wert

Bitte warten

Informationen werden geladen...