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Krippenrarität in Hochfilzen

Eine Geschichte über prunkvolle Barockfiguren, emsige Krippenbaumeister und über die glücklichen Umstände einer kostengünstigen Renovierung.


Als Georg Aigner aus Hochfilzen vor vielen Jahren Ministrant war, konnte er sich gar nicht so recht für die Krippe in der Kirche begeistern. Sie war so anders als all die anderen, die er kannte, und dem Buben hätte so ein traditionelles, alpenländisches Gebäude mit Schindeldach und geschnitzten Figuren viel besser gefallen. Damals wusste er nicht, dass die bekleideten, prachtvollen Figuren eine echte Rarität im Alpenraum sind. Gerade einmal vier Barockkrippen gibt es in Tirol. Hochfilzen besitzt eine davon, eine ziemlich wertvolle noch dazu!

Mit zunehmendem Alter sind dem Bankangestellten die prunkvollen, bis zu 34 Zentimeter großen Figuren ans Herz gewachsen, denn er befasste sich eingehend mit deren Entstehung und Geschichte und ist nach wie vor fasziniert davon, dass sein Heimatort so ein historisches Juwel besitzt. Georg unterhielt sich auch immer wieder mit dem pensionierten Montangeologen und akribischen Hobbyhistoriker Dr. Herwig Pirkl aus Hochfilzen, dem es zu verdanken ist, dass so viele detaillierte Informationen zur Krippe vorhanden sind. Vor einigen Jahren wurde die Restaurierung bzw. Erweiterung der Krippe beschlossen und Georg mit der Koordination der Renovierung betraut. Auch Bürgermeister Dr. Sebastian Eder ist ein „Fan“ dieses Projekts und unterstützte es von Anfang an.
Geschichtliche und kuriose Details
Es war Dr. Pirkl, der nachweisen konnte, dass die Krippe aus der Zeit um 1770 und aus Weihenstephan bzw. der Gegend rund um Landshut stammt. Erst in den 1990er-Jahren fanden Erika und Peter Daborer bei der Restaurierung der Bekleidung einen Zettel, der als Gewandversteifung diente. Papier war damals sehr kostbar, weshalb ein nicht mehr benötigtes Schriftstück dafür verwendet wurde. Dieser Zettel lieferte durch Nachforschungen von Dr. Pirkl den entscheidenden Hinweis auf die Herkunft und Entstehungszeit. Wie die Krippe in die Gemeinde kam, lässt sich heute nicht mehr genau klären. Die „Hofmark Pillersee“, also die heutigen Orte Hochfilzen, Fieberbrunn, St. Jakob i. H., und St. Ulrich a. P. gehörte damals zum bayerischen Kloster Rott am Inn. Vermutlich brachte ein Benediktinerpater von dort die Krippe nach Hochfilzen, wo sie 1796 erstmals in der Pfarrkirche aufgestellt wurde.

Zwölf Jahre lang erfreuten die weihnachtlichen Darstellungen die Bewohner des Ortes, danach herrschte eine Pause von zehn Jahren wegen des „Krippenverbotes“. Die damaligen Regenten waren Anhänger der Aufklärung und wollten das kirchliche Brauchtum reduzieren. Es hieß, „eine Krippe sei kindlich und unvernünftig und stehe dem wahren Glauben im Weg“. Aber die Menschen wollten nicht auf diesen Brauch verzichten, was zur Folge hatte, dass sich die bis heute beliebten Hauskrippen entwickelten, was zuvor nicht üblich war. Erst in den 1820er Jahren erwirkte die auflehnende Haltung des Volkes eine Aufhebung des Verbotes. Die Leute konnten für etwa sechzig weitere Jahre ihre schönen Weihnachtsszenen betrachten.

1880 bekam die Hochfilzener Pfarrkirche neue Altäre. Die ursprünglich als sehr kostbar angesehene Krippe bezeichnete man in diesem Jahr in den Kirchenbüchern als „unbrauchbar“ und „wertlosen Abfall“. Vermutlich war dies der Grund dafür, dass man das Bauwerk mitsamt seinen Figuren in die Dachkammer des Kirchenvorbaus räumte. Als es dort nach etwa zehn Jahren wieder entdeckt wurde, erhielten ein Weichenwächter und seine Frau den Auftrag, die Krippe „gegen gute Worte und eine Entschädigung bestehend aus Milch und Butter“ wieder instand zu setzen. In den folgenden Jahren stieg der Wert wieder, und bereits im Jahr 1900 wurde sie laut Kircheninventarliste mit 60 Gulden bewertet und als „Krippe mit vielen, teils sehr alten und schönen Figuren“ beschrieben.

Nach dem Um- und Zubau der Pfarrkirche Hochfilzen in den frühen 1960er Jahren blieb von den alten Kirchengegenständen nicht viel übrig. Modern zu sein war angesagt. Vieles wurde verscherbelt oder verkauft, um den Bau des neuen Gotteshauses zu finanzieren. Geblieben ist zum Glück die historische Krippe mit ihrem heutigen Bestand von 100 Menschen- und 33 Tierfiguren sowie dem Tempel als einziges Gebäude.
Glückliche Umstände
Als in Hochfilzen die Krippenrenovierung im Raum stand, nahm der Pfarrkirchenrat mit dem Denkmalamt und der Diözese Kontakt auf. Eine Restaurierung der Figuren und eine Erweiterung der Gebäude wurde befürwortet, „müsse aber dem Typ einer barocken Krippe entsprechen und dürfe nur von einem befugten Restaurator gemacht werden“, hieß es. In Tirol gibt es nur zwei befugte Restauratoren. Einer davon ist Johannes Schroll aus Kirchberg. Dieser vielbeschäftigte Mann ist der Schwiegersohn von Sigi Markt aus St. Johann. Sigi wiederum ist Krippenbaumeister beim Fieberbrunner Krippenbauverein.

Damit sich der Kreis schließt, kommt nun auch noch Georg Aigner in seiner Funktion als Pfarrkirchenrat ins Spiel: Georg besuchte schon einige Male einen Krippenbaukurs, kennt sämtliche Vereinsmitglieder und kam deshalb mit Sigi ins Gespräch. Man einigte sich darauf, dass die neue Krippe vom Fieberbrunner Krippenbauverein unter Aufsicht von Restaurator Schroll errichtet werden sollte. Ganz nebenbei sparte man sich durch diese glückliche Verkettung der Umstände nicht nur eine lange Wartezeit auf den vielbeschäftigen Restaurator, sondern auch viel Geld.

Die Krippenbaumeister am Werk
Krippen zu basteln ist eine Leidenschaft! Das wissen alle, die diesem Hobby frönen, nur zu gut. Nicht umsonst besteht der Fieberbrunner Krippenbauverein bereits seit 20 Jahren und zählt rund 150 Mitglieder. Andere Vereine beneiden Obmann Michael Döttlinger um das Engagement seiner Truppe und um die hohe Dichte an Krippenbaumeistern (neun Männer und zwei Frauen). Jahr für Jahr stellen sie ihre Kompetenz und ihr Können bei den Kursen unter Beweis.

Drei dieser Krippenbaumeister sollen hier ganz besonders im Mittelpunkt stehen, denn sie opferten von Ende Februar bis Mitte Juni sage und schreibe 420 Stunden, um das riesige, barocke Krippendorf zu bauen und damit einen passenden Rahmen für die wertvollen Figuren zu schaffen. Es handelt sich hierbei um den schon erwähnten Sigi Markt aus St. Johann i. T., einem pensionierten Vizeleutnant des TÜPl Hochfilzen, um den pensionierten, sport- und bastelbegeisterten Postenkommandanten Manfred Neumayer aus Fieberbrunn sowie um den „Jungspund“ in diesem Dreiergespann Josef Kapeller aus Hochfilzen, einem gelernten Tischler und Zimmerer und Handwerker aus Leidenschaft. Diese drei bauten schon vor einigen Jahren die Fieberbrunner Kirchenkrippe und sind seither ein eingespieltes Team.
Die Besonderheiten der Krippe
Bei der neuen Hochfilzener Krippe handelt es sich um eine Jahreskrippe. Diese stellt nicht nur „die Geburt Christi“ dar, sondern auch weitere Szenen aus dem Leben und Wirken Jesu, wie „die Beschneidung im Tempel“, „die Heiligen Drei Könige“, die „Hochzeit zu Kanaa“ und „die Zimmermannswerkstatt des Heiligen Josefs“. Bei Barockkrippen erfolgt die Anordnung der Figuren nach festen Vorgaben und ähnelt dem eines Theaters.

Die verschiedenen Darstellungen sind der Grund dafür, dass es so viele Figuren gibt, von denen sich 29 noch im Originalzustand befinden und deshalb als besonders wertvoll gelten. Sie wurden von einer Bekleidungs- und Textilrestauratorin in Salzburg fachkundig restauriert. Neben den Originalfiguren sind beispielsweise die Spalierengel mit feinen Klosterarbeiten sehenswert, ebenso das rare und kostbare Prunkpferd oder die mittlerweile ausgestorbene „bayerische Landsau“, die erst vor wenigen Jahren von einem pensionierten Tierarzt als solche erkannt wurde. Aus Aufzeichnungen weiß man, dass es früher auch Kamele gab. Diese sind jedoch leider verschwunden. Warum sich ein Panther unter den Tieren befindet, konnte noch nicht herausgefunden werden.

Zur Weihnachtszeit wurden früher sämtliche Figuren aufgestellt. Doch insgesamt war der vorhandene Raum für die vielen Figuren zu knapp. Um für die neue Barockkrippe einen großen, geeigneten und ganz besonderen Platz in der Kirche zu schaffen, wurde der Beichtstuhl von seinem früheren Standort entfernt, verkleinert und auf der gegenüberliegenden Seite wieder aufgebaut. So schuf man für das neue Kulturdenkmal die beachtliche Fläche von 4,2 mal 1,5 Metern. Wir alle dürfen auf diese Neuheit in der Hochfilzener Kirche gespannt sein, die ab dem ersten Adventsonntag jederzeit besichtigt werden kann. Und falls nun noch jemand Bedenken haben sollte, ob ihm denn die Krippe gefällt – wer weiß – womöglich wird aus ihm letztendlich doch noch ein richtiger Barockkrippen-Fan? Bei Georg Aigner war es schließlich auch so…

Und für den Rest von uns gilt:
Auf nach Hochfilzen! Zum Krippe-Schauen!
Text: Renate Nocker
Fotos: Peter Salinger

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