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Ich bin dann mal weg...

...das dachten sich drei Freundinnen, die den Tiroler Jakobsweg auf Etappen begehen.


„Wa, es sand nur no guate sechs Wochen, schön långsam sollt i ånfangen, a bissl zu gehen“, sagt Monika Günther (Moni). Im Mai begibt sich die Fieberbrunnerin zusammen mit Angelika Hölzl (Geli) und Gundi Drunkenmöller aus Hochfilzen bereits zum dritten Mal auf eine Pilgertour in Tirol. Heuer steht der Arlberg am Programm – von Pfaffenhofen bis St. Anton. Eigentlich war es Geli, die bei einer Wanderung um die Buchensteinwand den Einfall hatte. Diese Tour führt bei St. Jakob in Haus und dem Jakobskreuz vorbei. Warum also nicht gleich auch einen Teil des Tiroler Jakobsweges begehen? Moni und Gundi fanden die Idee gut.
Bei ins dahoam - Pilgerreise (1)
v.l.n.r.: Moni, Gundi und Geli
„Der Jakobsweg beginnt dort, wo sich der Pilger auf den Weg macht“, heißt es.
Das klassische, christliche Pilgern ist heute nicht mehr das Hauptmotiv für diese spezielle Art von Wanderreise. Für die drei Freundinnen und für viele weitere Menschen ist der Beweggrund ein anderer: Ruhe finden, Kraft schöpfen und sich ein paar Tage Auszeit gönnen. Seit etwa 15 Jahren erlebt das Pilgern eine Renaissance. Auch in Österreich. Als das Buch des deutschen Entertainers Hape Kerkeling vor zehn Jahren erschien, stieg die Zahl nicht nur auf dem Jakobsweg in Spanien und Frankreich sprunghaft an, sondern auch bei uns in Tirol. Vielen Pilgern ist die Strecke rund um Santiago de Compostela mittlerweile zu überlaufen. Der Jakobsweg in Spanien war für Geli, Gundi und Moni kein Thema. Drei Tage in Tirol können die Frauen gut mit Beruf und Familie vereinbaren. Abgesehen davon, wussten die Freundinnen ja nicht einmal, ob ihnen das Pilgern überhaupt gefällt. „Mia håb’n immer g’sågt, wenn des nix für uns is, dånn fåhr’ma mit’m Zug wieder hoam“, gestehen sie.
Die Vorbereitungen
„Mia bereiten uns aufs Pilgern vor“, erzählen die Mädels. „Vorher muss man gehen - zumindest a bisserl. Der Mai ist der optimale Monat. Die Hitz’, de brauch’ma nit“, sagen sie. Informationen über Entfernungen, Höhenmeter und Pilgerunterkünfte holen sich die drei aus verschiedenen Broschüren oder aus dem Internet. Bei ihrer ersten Tour im Mai 2014 hätte ursprünglich Innsbruck das Ziel sein sollen. „Jeden Tag 40 Kilometer, das schaffen wir locker“, dachten sich die Mädels bei der Planung und lachen, als sie das erzählen. Das Packen sollte auch gut überlegt sein. Schließlich muss man das ja alles mit sich herumtragen. Mehr als sieben Kilo sollte der Rucksack nicht haben. Da überlegt man sich jedes T-Shirt, das man mitnimmt. Ein bis zwei Liter Wasser und für jeden Tag ein Apfel und ein Müsli-Riegel sind empfehlenswert. „Wichtig sind die Stöcke“, erklären sie. „Und bloß keine Bergschuhe. Trekkingschuhe sind leichter und reichen völlig aus“. Dass sie keine Selbstversorger sein wollten, das war für alle von Anfang an klar. „Mia frühstücken in der Pension. Des Mittågessen und a Kaffee am Nåchmittag gehören zur Tagesordnung. Und des Abendessen ist sowieso wichtig. Abnehmen damma då nit“, lachen die drei.
Bei ins dahoam - Pilgerreise (2)
Auf dem Jakobsweg zwischen Ellmau und Scheffau
Auf Wanderschaft
Wenn man nur wenige Kilometer von St. Jakob entfernt wohnt, ist es naheliegend, diesen Ort als Ausgangspunkt für die Pilgerreise auszuwählen. Begonnen haben die Frauen noch frohen Mutes mit viel Gelächter und jeder Menge Gesprächsstoff. Eigentlich wollten sie in Söll übernachten. Doch da war in der Zwischensaison alles zu. Obwohl sie schon so unglaublich müde waren, mussten sie noch sechs Kilometer weiter gehen, bis nach Itter. „Wenn einem schon alles weh tut, kann man sich gar nit vorstellen, was ma’ für a Freud’ hat, wenn’s einmal bergab geht“, erzählen die Mädels. Der erste Tag war ein Tiefpunkt für alle drei. Sie stöhnten, als ihnen die Vermieterin sagte, die Zimmer seien im zweiten Stock. In Itter waren die Wirtshäuser ebenfalls zu. Also hätten die Mädels wieder bis zur Hauptstraße zurück müssen, obwohl sie keinen Schritt mehr gehen wollten. Die Vermieterin hatte Mitleid mit den Pilgerinnen, setzte sich ins Auto, holte etwas zu Essen aus der Pizzeria und schenkte den Frauen eine Flasche Wein zur Stärkung. „Die Frau Schrettl werd’ma nia vergessen. Am nächsten Tåg hat sie uns no a Sektfrühstück g’måcht, weil sie mitkriag’ håt, dass die Gundi Geburtståg håt“.
Frisch gestärkt, machten sich die drei Pilgerinnen wieder auf den Weg. Aufgeben war kein Thema! Doch ab sofort wollten sie es etwas gemütlicher angehen. Den ersten Tag hatten sie sich schlecht eingeteilt. Und sie hatten sich selbst überschätzt. 40 Kilometer am Tag, das geht doch nicht so locker. „Den Fehler darf’ma hålt nit måchen. Mit einer bestimmten Streckenvorgabe setzt ma’ sich selbst unter Druck und håt wenig zeitlichen Spielraum“, erklären sie. Und genau die Hektik, will man beim Pilgern ja eigentlich vermeiden. Ihre erste Lektion hatten sie also gelernt.
Der Weg ist das Ziel
„Wir gehen immer in Sichtweite“ erzählen die Frauen. „Wenn eine zurückfällt, um Fotos zu machen, oder sich gerade nicht unterhalten möchte, ist das kein Problem“. Nach einer gewissen Zeit setzen sich die anderen beiden auf eine Bank und warten. Es kommt auch vor, dass eine einen Durchhänger hat. Dann motivieren sie die anderen. Beim Pilgern wird man von den Leuten immer wieder angesprochen: „Jo Dirndln, geht’s auf’m Jakobsweg?“ In Breitenbach stellte ein Mann seinen Rasenmäher ab, um mit den Mädels zu plaudern. „Då hätt’ma fast das Mittagessen verpasst, weil ma erst um fünf vor zwei zum Gasthaus kemma sand“. Was das Wetter betrifft, hatten die Frauen Glück. Einmal kamen sie kurz vor ihrem Quartier in Radfeld in ein mächtiges Hochwetter. „Die Vermieterin håt uns ång’ruafn und g’frågt, ob sie uns holen soll – so nett!“

Auf dem Jakobsweg gibt es neben der Hauptroute auch Varianten. Die Varianten sind meist mit einem Umweg verbunden, doch häufig auch schöner, erklären die Freundinnen. Bei Strass im Zillertal liegt auf einer Anhöhe das idyllische Kirchlein Maria Brettfall, mitten im Wald. „Mia gehen in jede Kirch’, die ma sechn“, erzählen die Mädels. „Då zünd’ma a Kerzen an. Des gehört für uns dazu“. Insgesamt sahen die Frauen während ihrer zwei Touren nicht viele Pilger, weil ja alle in die selbe Richtung gehen. In Inzing trafen sie zwei Frauen aus Wien, so um die 30, die schon eine Woche lang unterwegs waren. „Mia håben uns gråd an Sekt bestellt, weil der Gundi ihr Geburtstag schon wieder in unser Pilgerdatum g’fållen is. Die Wienerinnen håben sich zu uns g’setzt. Denen hamma erzählt, mir sand Edelpilger, mia tan jeden Tåg a bissl sekt’ln. Des war recht lustig. Eine hat immer g’redet, die andere håt nur a bissl g’låcht“, sagt Moni. „Bei ins is des ånders. Mia reden ålle drei viel“.
Bei ins dahoam - Pilgerreise (4)
"Mia hom g*sog, mia sand Edelpilger, mia tan jeden Tog a bissl sektl'n"
Gibt’s in drei Tagen schon den „Pilgereffekt“?
„Am ersten Tag wird immer noch viel geredet und gelacht. Das wird dann weniger, obwohl immer wieder Dinge besprochen werden, die sonst womöglich gar nicht auf den Tisch kämen. Beim Gehen redet man sich irgendwie leichter. Vielleicht sind der Trott und die Langsamkeit der Grund dafür“, erzählen die drei. „Ab dem zweiten Tag denkt man nicht mehr unbedingt an zu Hause, an die Arbeit, an das, was sein könnte“, sagt Geli. Das Gehen empfinden sie alle als sehr positiv. Negative Gedanken schleichen sich da nicht ein, obwohl auch „zache“ Zeiten zur Sprache kommen, die alle drei schon erlebt haben. „Des wird so, ohne, dass man es geplant hat. Und dann låch’ma wieder nur, und hab’n mords a Gaudi“.
Das Runterkommen und Wegkommen ist für jeden wichtig, finden die Frauen. „Jede hat ihren eigenen Beweggrund“, erzählen sie. Beim Gehen fallen einem viele Kleinigkeiten auf. Die schöne Landschaft, eine nette Bank oder ein schönes Kirchlein. Man lernt die Heimat kennen, entdeckt Plätze, an denen man sonst nie vorbeigekommen wäre oder die man beim Autofahren gar nicht so wahrgenommen hätte. „Cool is a, dass ma’ so wenig mithat und trotzdem zufrieden is. Am dritten Tåg schoit der Kopf um, då denkt ma’ nimmer“.
Gute Voraussetzungen fürs Pilgern schaffen
Stefan Niedermoser ist der Geschäftsführer vom Regio Tech in Hochfilzen. Diese Einrichtung ist unter anderem der regionale Partner für EU-Förderungen. Stefan erklärt, dass die Reaktivierung des Jakobsweges ein EU-gefördertes Projekt war, als man merkte, dass die Nachfrage größer wurde. Sämtliche organisatorische Tätigkeiten rund um den Jakobsweg inklusive Beschilderung, Informationsmaterial etc. wurden vom Regio-Tech durchgeführt. Heute hat die Jakobsgemeinschaft viele Aufgaben übernommen und stellt unter anderem die Pilgerpässe aus. Das sind alleine in Tirol 600 bis 700 Stück pro Jahr. In Spanien sind diese Pässe besonders wichtig, weil man sonst weder eine Unterkunft bekommt, noch eine Pilger-Urkunde. Die technische Aufbereitung der Homepage, die Beschilderung und die Broschüren macht das Regio Tech nach wie vor. Entlang der Tiroler Pilgerroute haben sich in der Zwischenzeit einige Highlights heraus kristallisiert. Dazu gehören St. Jakob mit seinem zwei Kilometer langen Besinnungsweg und dem Jakobskreuz, die Wallfahrtskirchen in Mariastein und Gnadenwald und der Jakobsdom in Innsbruck.
Bei ins dahoam - Pilgerreise (5)
Die Kirche Maria Brettfall bei Strass im Zillertal
Die Unterschiede zwischen Spanien und Tirol
Zwischen 2000 und 3000 Individualpilger genießen die Ruhe und die schöne Landschaft in Tirol, organisierte Pilgerwanderungen nicht mit eingerechnet. Im Vergleich dazu kommen in Santiago de Compostela pro Jahr 262.000 Pilger an. Eine neue Studie zeigt, dass ein Großteil der Reisenden zwischen 45 und 50 Jahre alt ist und berufstätig. Ein Drittel der Pilger hat Matura-Niveau oder sogar ein Hochschulstudium. Die Leute sind im Schnitt zwischen einer Woche und zehn Tagen unterwegs. Während in Spanien der Pilger-anteil an Männern höher ist, liegt der Frauenanteil in Österreich bei 55 bis 60 Prozent. Männer gehen meist allein, Frauen zu zweit oder zu dritt. Viele begehen den Jakobsweg auf Etappen, bis sie in Spanien ankommen. Das Netzwerk an Wegen wird immer größer und dehnt sich immer weiter in Richtung Osten nach Tschechien und Ungarn aus. Es ist übrigens auch unser Bischof im Urlaub als Pilger unterwegs. Mit Kappe und Rucksack erkennen ihn die Leute aber meist nicht.
Ein paar Tipps von Geli, Gundi und Moni:
Falls jemand Lust bekommen hat, sich zu Fuß auf den Weg zu machen, empfehlen die Mädels, sich nicht selbst mit einer bestimmten Streckenvorgabe unter Druck zu setzen. Beim Pilgern sollte der Weg das Ziel sein! Es gibt viele schöne Plätze, die zum Verweilen einladen und nette Menschen, mit denen man ins Gespräch kommt. Den Moment zu genießen ist der Sinn dieser Wanderreise und nicht ein Zeitplan, den man unbedingt einhalten muss. Was die Route anbelangt, empfehlen die Frauen, sich auch abseits des Hauptweges zu begeben, da die Varianten häufig landschaftlich noch schöner sind.

Pilger-Broschüren können über das Regio-Tech und die Tourismusverbände angefordert werden. Sehr detaillierte Informationen gibt es auch unter www.jakobsweg-tirol.net. Wenn man die Karte etwas zoomt, können für jeden Streckenabschnitt die Höhenmeter herausgelesen werden. Geli ist übrigens die Assistentin der Geschäftsführung im Regio Tech. Sie arbeitet gerade an einer neuen Broschüre über den Jakobsweg, betreut den Pilgershop und beantwortet Fragen auch gerne telefonisch: 05359 / 90501… außer – sie ist mit ihren Freundinnen dann – mal wieder weg…
Bei ins dahoam - Pilgerreise (1)
Der Start der Pilgerreise vo der Kirche in St. Jakob in Haus.
Text: Renate Nocker
Fotos: privat

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