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Günther Aigners Gespür für Schnee

oder warum es klug ist, als Klimaforscher das Thermometer im Auge zu behalten.


„Schnee hat mich schon immer fasziniert“, erzählt Günther Aigner und hat damit etwas gemein mit Smilla, der Heldin in Peter Hoegs Bestsellerroman „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“.
Schon zuhause, in der Frühstückspension der Eltern in Waidring in den achtziger Jahren gab es nichts schöneres, als im Frühwinter die Nase an der kalten Fensterscheibe platt zu drücken und den ersten Schneeflocken zuzusehen, die vom Himmel tanzten. Schnee. Das bedeutete damals Schneemänner bauen, Höhlen graben, rutschen auf Plastiksackerl, Bob oder Rodel, und später dann Ski fahren, langlaufen, snowboarden – kurzum – eine umfangreiche Palette an Möglichkeiten. Denn das Tolle ist doch – im Schnee ist es nie langweilig.
Als er älter wurde, ging Günther Aigner daran, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden: sein erstes Geld verdiente er sich als Skilehrer. Und im Rahmen seines Wirtschaft- und Sportstudiums verfasste er eine Diplomarbeit zum Thema „Zukunft des Skisports“. Der Job bei Kitzbühel-Tourismus war der nächste logische Schritt, wo er – eh klar - im Winter-Marketing tätig war. Und wie ist es heute?
Bei ins dahoam Günther Aigner (c)peterperktold
Schnee von gestern
„Heute ist der Schnee mehr Programm denn je, und zwar, so verrückt das klingt, vor allem der Schnee von gestern.“ Er lacht und nickt. Offensichtlich ist ihm bewusst, dass es nun ein bisschen zu kompliziert wird.
„Es war so“, beginnt er zu erklären. Während er vor einigen Jahren für Kitzbühel Tourismus tätig war, hatten Aussagen Hochkonjunktur wie etwa „Der Schnee wird immer weniger“, „Die Winter werden immer wärmer“ oder „Skisport hört sich bald ganz auf bei uns“. Vermutlich wegen der Erderwärmung, glaubte man. „Aber glauben heißt nicht wissen“, meint Aigner achselzuckend und klappt seinen Laptop auf. „Es ist bis dahin nämlich noch niemand auf die Idee gekommen, diese pessimistischen Aussagen mittels Daten und Fakten zu hinterfragen. Deshalb hat man mich beauftragt, einmal zu schauen, wie sich die Wintertemperaturen am Kitzbüheler Hahnenkamm denn genau entwickelt haben in den vergangenen Jahren.“
Es wird kalt, und immer kälter?
Aigner wandte sich an die ZAMG, die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, forderte die Daten an und wertete sie aus. Und kam zu einem verblüffenden Ergebnis: In den letzten 22 Jahren – solange reichen die Temperaturdaten am Hahnenkamm zurück – sind die Winter nicht wärmer geworden, sondern kälter.
Aber das war doch unmöglich! Die Modelle der Klimaforscher sagen das genaue Gegenteil aus. Sofort wandte er sich neuerlich an die ZAMG und fragte, ob man ihm auch wirklich die richtigen Daten übermittelt habe. Doch, doch, hieß es, mit den Daten ist alles in Ordnung. Als Aigner jedoch sein Untersuchungsergebnis mitteilte, wollte ihm niemand glauben. Damit war klar: in diese Richtung weiter zu forschen, konnte nur noch spannender werden. Aigner beschloss, anhand der Aufzeichnungen des Hydrographischen Dienstes Tirol den Niederschlag im Winter zu studieren. „Dazu muss man wissen, dass Niederschlag in unseren Breiten von Nordwest- und Weststaulagen abhängt. Und die Staulagen wiederum von der Topografie, also dem Relief unserer Berge. Das heißt, wenn die meiste Zeit des Winters, so wie 2013/14, riesige Mittelmeertiefs wirksam sind, schneit es in Nordtirol wenig. Diese Wetterlagen kann aber niemand langfristig voraussagen und auch nicht beeinflussen. Aber wenn das Wetter von Westen und Norden kommt, dann schneit’s bei uns. Und zwar, begünstigt durch die Topografie, wie verrückt.“ Aigner lächelt. „Das heißt: Phasen von Schneearmut und Schneereichtum haben sich stets in chaotischer Reihenfolge abgewechselt. Aber der Schnee ist in den letzten Jahrzehnten nicht weniger geworden und ein heute 50jähriger Skifahrer kann keine gravierenden Unterschiede zu früher feststellen. Und ja klar: der Schnee könnte theoretisch morgen verschwinden, aber solange wir in einer Eiszeit leben, was wir per definitionem tun, wenn die Polkappen mit Eis bedeckt sind, und die Temperaturen im Winter bleiben wie sie sind oder gar weiter sinken, ist das mehr als unwahrscheinlich.“
Bei ins dahoam Günther Aigner (c)eigenesArchiv
Bild: Genaue Messdaten anstatt grauer Theorie. So gelangt Aigner zu seiner Klima-These.

Am Hahnenkamm immer kälter,
PillerseeTal: schneereichste Region in Tirol ...
Solche und ähnliche Aussagen wurden von den verantwortlichen Touristikern natürlich mit großer Freude aufgenommen und Aigner erhielt Aufträge über Aufträge. Er machte sich selbständig und erfasst seither als Sachverständiger auch die Niederschlags- und Temperaturdaten anderer Wintersportregionen, denn auf exakten Messdaten beruhende Aussagen wie diese stärken das Vertrauen der Urlauber in ein Skigebiet. „Das ist auch der Grund, weshalb ich ausschließlich auf geprüfte Daten und offizielle Quellen zurückgreife. Meine Arbeit muss absolut korrekt und nachvollziehbar sein.“ Zumal Aigner sich nicht nur in Touristiker-, sondern auch in Wissenschaftler-Kreisen bewegt. „Und die legen nun einmal großen Wert auf gründliche Quellenarbeit. Sonst hätte ich beim Forum Alpbach nicht mit meinen „Fünf Thesen zur Zukunft des alpinen Skisports“ antreten können, wo ich beim Tiroler Jungforscherpreis den zweiten Platz gemacht habe. Und meinen Studenten an den Unis von Kufstein und Krems muss ich auch mit fundierten Kenntnissen entgegen treten, denn die glauben ja auch, dass es immer wärmer wird und wir bald nicht mehr Ski fahren können. Und das, obwohl es im Winter kälter geworden ist, seit diese jungen Leute auf der Welt sind.“
Bei ins dahoam Günther Aigner
Messdaten contra Modell
Oder auch jenen, die seine Forschungsergebnisse ganz bewusst und demonstrativ ignorieren. „99 Prozent der Klimaforscher glauben lieber an Modelle als an Messdaten.“ Günther Aigner schüttelt den Kopf. „Aber das ist mir egal. Ich gehe davon aus, dass sich mein Wissen mit der Zeit auch in deren Köpfen festsetzen wird. Eine gute Handvoll Meteorologen, die jedem Tiroler und jeder Tirolerin bekannt sind, hab ich schon auf meiner Seite. Bei den anderen würde ja schon reichen, wenn sie zwischen Sommer und Winter differenzieren würden.“ Denn unsere Sommer sind tatsächlich immer heißer und trockener geworden. Wir haben heute darum mehr Badetage als in den 70er Jahren, als Rudi Carrell verzweifelt sein „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ trällerte. Und darum schmelzen auch die Gletscher. Aber die Sommer im Hochgebirge sind superkurz. 2015 tauten die Gletscher erst ab dem 1. Juli, und im September war es mit den ersten Schneefällen dort oben auch schon wieder vorbei. „Alles in allem gibt es sämtlichen Unkenrufen zum Trotz in unseren Breiten im Klima nichts, was nicht schon mal da war. Die Zukunft des Skisports ist von dieser Seite daher in keiner Weise beeinträchtigt. Schwieriger sieht es in Hinblick auf dessen Leistbarkeit aus, aber das“, schließt Günther Aigner, „ist eine andere Geschichte.“

Und die gibt es in allen Details hier nachzulesen:
www.zukunft-skisport.at

Text: Jutta Siorpaes
Fotos: privat, Salinger

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