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Der Seebär, die Forelle und die Kramerin

Vom Leben am und im wunderschönen Pillersee


An den Pillersee zu fahren, war und ist für mich einfach immer nur schön. Einer, der mit dem See verbunden ist, wie kaum ein anderer, ist Michael Seeber. Nomen est omen. Die Faszination für das Naturidyll, aber auch für das Angeln war dem „Seebär“, wie ich ihn nennen will, wohl in die Wiege gelegt. „I bin oana der fleißigsten Schwarzfischer g’wesen, und a oft dawischt worden. Aber als Kind is dir damals nit viel passiert“, sagt der Ex-Obmann und Aufsichtsfischer des Fischereivereins, der auch drauf zu achten hatte, dass niemand schwarzfischt! Wasser, Berge, eine Feuerstelle, das hat den St. Ulricher von klein auf begeistert. „Nach der Schule haben wir jeden Tag die Schultasch ins Eck g’fotzt, nit amoi Zeit zum Essen, und glei wieder umi zum Wasser“, um barfuß im eiskalten Bach eine Forelle zu fangen. „Mit der Hand unter den Fisch, a bissl kitzelt“, und Schwupps! – herausgelupft.

Der Fischschwanz im Gummistiefel
Am Weg zurück mussten die Lausebengel jedoch am Berufsfischer vorbei. Der war von der Kirche angestellt, weil der See einst ihr gehörte. „Wir haben die Fisch in die Gummistiefel einigsteckt. A diam hat ein Schwanz aussagschaut“. Wenn der Aufseher sie entdeckte, flüchteten sie in den Wald. „Aber er hat unsere Fahrradln g’funden, und wir haben sie bei ihm holen müssen“. Den Zusammenschiss nahmen sie in Kauf, denn zuvor hatte ihnen die Oma mütterlicherseits die Fische schon schmackhaft abgebraten.

Viel von dem, wie ihn der See als Kind, Jugendlicher und Erwachsener geprägt hat, vermittelt Michael auch gern interessierten Gästen, mit denen er eine Seewanderung unternimmt. Da erzählt er, dass der Pillersee seine Entstehung einem Bergsturz vor ca. 15.000 Jahren verdankt. Der Legende nach geht sein Name auf das sogenannte ‚Pillern‘ zurück. „Gewisse Wettererscheinungen erzeugen im Eis des zugefrorenen Sees eine Spannung. Bei einem Riss tut’s auch heute noch manchmal ‚Huuaaiiihh!‘“, summt der Seebär. „Wenn du da am Eis stehst, wird dir schon a bissl anders“. Auch so ein See kann sich wie ein riesiges Lebewesen gebärden.
Den Gästen demonstriert Michael, wie das Fliegenfischen funktioniert, denn der Pillersee ist ein erstklassiges Fliegenfischerrevier. Kontrolliert lässt er die sorgfältig ausgewählte
Insektenimitation durch die Luft schwirren, ehe er sie gezielt da aufs Wasser purzeln lässt, wo er zuvor eine Forelle gesehen hat. Die steigt oft gleich auf, und Zack! - der Anschlag, die Rute biegt sich halbförmig, und schon zappelt die Salmonide am Schonhaken. Das Glück des Fischers! Vorsichtig drillt er den Fisch zu sich, befeuchtet die Hände, um das schöne Tier nicht zu verletzen, und zeigt es seinen Mitwanderern. Dann setzt er die Forelle sanft ins Wasser zurück. „Das gibt mir wahnsinnig viel“, sagt er, „Wenn du siehst, wie der Fang wieder davonschwimmt.“

Michael fängt meist auch eine See- und Regenbogenforelle, einen Saibling, eine urtümliche Koppe, eine Schmerle, und per Netz einige Elritzen, um den Gästen die Unterschiede und Eigenheiten der Arten veranschaulichen zu können. Der Seebär angelt auch eine „Bauernforelle“, wie man die Aitel früher nannte. „Die haben die Geistlichen trotz wohlschmeckendem Fleisch wegen der vielen Gräten verschmäht“. Sie blieben den Bauern, die wenn sie ihnen schon zum Hals raushingen, sich doch lieber mal ein Forellerl abzwackten. Was sich unter Wasser abspielt, bleibt dem Wanderer meist verborgen. Kürzlich brachten biologische Untersuchungen auf nur 200 Metern 450 Lebewesen zu Tage! Dank dem strengen Reglement für Angler und der ökologischen Bewirtschaftung ein unglaubliches Gütesiegel. „Wir haben jetzt wieder große Fische bis 60 Zentimeter“, sagt Michael. Ganz konnte er seine Visionen von einem guten Fischbestand wegen unterschiedlicher See-Interessen nicht umsetzen. Sowas braucht Jahre.
Michael führt seine Naturfreunde schließlich bis zum Seeabfluss, wo zwar der Wissensdurst gelöscht ist, aber der Magen nun knurrt. Und so endet die Wanderung im Gasthof St. Adolari mit dem Verzehr einer köstlich zubereiteten Pillersee-Forelle.

Der alte Kramerladen war nicht zu halten
Seebers Berufsweg begann im elterlichen Lebensmittelgeschäft, das sein Großvater einst als einziges in St. Ulrich eröffnete. Von seinem Vater übernahm Michael die Filiale in St. Jakob, doch mit dem Aufkommen der Supermärkte war ein alter Kramerladen auch hier nicht zu halten. „Aber a richtiger Büromensch bin i nie g’wesen, i muss aussi in die Natur“. Eine Bachforelle bleibt ihrem Standplatz stets treu. Und auch der Seebär ist eine „Standforelle“, eine die, wie der Fisch auch, gern gegen den Strom schwimmt. Nur bei den Damen, „Da pass i mi scho u“. Über sein Privatleben hält er sich eher bedeckt. Doch stille Wasser gründen bekanntlich tief.

Im einstigen Gemischtwarenhaus in St. Ulrich lebt Michaels 93jährige Oma väterlicherseits, Rosa. „Ein bissl vergesslich is sie manchmal, und a diam fällt si hin“, sagt er, „Aber sonst geht’s ihr zum Glück no ganz gut!“ Früher mied der kleine Fratz die gestrenge Großmutter noch, als er die Fische aus dem angrenzenden Bach direkt in die Blechwannen ihrer Waschkuchl „umquartierte“, in der nicht nur die Wäsche sondern auch die Kinder gewaschen wurden. Doch das war einmal. „I tua nix lieber, als was über die alten Zeiten dafragen“. Außer Fischen natürlich.

1941 als Haushälterin nach St. Ulrich
„I hu die Hörer und versteh decht nur das Halbe“, sagt Rosa, und geht gleich in medias res: „Der Michael war ein gschtiaschts Bübei. Aber wenn sie nit gefolgt haben, war i scho gern bös. Die Buam ham ja alles Mögliche im Kopf gehabt, bei die Bachei umannad“. Die St. Johannerin kam erstmals mit der Zwillingsschwester und einigen Burschen per Fahrrad an den See. „Nuarach, a kloans Dörfei. Da hu i ma dacht: da möcht i mei Lebtag nia sein“. Falsch gedacht! Denn 1941 kam sie als 19jährige Haushälterin zu den Seebers. „Wie i in den Deanst kommen bin, war i glei gern da“.
„A mein Chef hun i gern mögen“. Der war 26 Jahre älter als sie. Und seine Mutter sagte zur Rosa: „Na, wenn decht du den Seppn heiraten tatst. Da hu i ma denkt: Na, des is unmöglich“. Wieder falsch gedacht! Denn es hat schnell gefunkt. „Ja, wenn ma jung is. Er hat mir alles anvertraut, des hat mi a gfreit“. Nach einem Jahr, als Sepps Mutter starb, heirateten sie. „Und bald is der erste Bua auf die Welt kommen“. Sechs Kinder wurden es insgesamt, die ihr im Leben bis heute die größte Freude bereiten. Weil der Sepp auch als Gemeindesekretär viel unterwegs war, ging Rosa heimlich mit Freundinnen zum Tanz in den „Bräu“. „Die Nuaracher hun i glei gern mögen. Und sie mi a. Offene Leut, hauptsächlich Bauern“.
Geführt haben sie im Laden gar alles, sagt Rosa. „Lebensmittel, Zigaretten, Alkohol, Textilien“. Eine Strumpfhose kostete 30 Schilling. „Zucker und Mehl haben wir aus der Schublade aussag’schöpft“. Für die Kinder gab’s Lutscher, Stollwerk-Zuckerl und Gummibären. „Wir haben eine Bücherl-Wirtschaft ghabt, wo alles aufgeschrieben worden ist. Die Kunden haben dann alle Monate zahlt“. Als Rosa mit dem ersten Kind schwanger war, war gerade der Krieg aus. Sie erzählt uns von den netten Amerikanern und den Franzosen, die sie eher fürchtete. Im Haus waren eine Flüchtlingsfamilie und ein Lazarett untergebracht, und mit den Lebensmittelmarken konnte im Laden nur rationiert eingekauft werden.
Bei ins dahoam - der Seebär
Der Seebär beim Fliegenfischen
Die Kirche bestiehlt man nicht
Rosas Mann starb mit 72 Jahren. „Dann hat der älteste Bua des G’schäft übernommen“. Der Jüngste ging nach Berlin. Dorthin ist Rosa zur Hochzeit geflogen. Und später mal nach Mallorca. „Am Meer war’s scho schee, aber wie wir über die Leoganger Berg z’rückgeflogen sind, da hu i so a Glücksg’fühl g’habt, dass i wieder dahoam bin“. Hoamatg’fühl. Am Pillersee legte sich Rosa lieber zum Sonnen. Schwimmen konnte sie nicht. Das übrigens lernten die Nuaracher einst oft im nahen Sumpf des Ötz-Gebiets. Dort errichtete man zum Holztransport eine Wasserstraße, die auch für Forellen ein Paradies war. „Die Fisch hätt i schon gern mögen, aber die Buam haben ins ja nia oa bracht“. Was!? Michael ist perplex. „Nur weil du ins so g’schimpft hättest! Wenn du uns durchs Fenster g’sehn hast, hast g’rufen: Saufratzen!“ Aber er weiß, dass Omas Verhalten auch davon kam, dass die Fische der Kirche gehörten. Und die Kirche bestiehlt man nicht.

Früher spazierte Rosa gern um den ganzen See. „A nettes Wegei. Und manchmal hat sie den Seebär am Wasser gesehen. Zum Glück nicht an jenem Tag, an dem ein Unwetter aufzog. „I hu da an großen Fisch dru g’habt“, erzählt er. „Aber der is mir ins Kraut eini“. Und da kriegt man ihn so leicht nicht wieder raus. „I am See draußen, die Angel in der Höh, die Blitz owag’schossen und ghagelt! Bist du deppert!“ Der Fisch konnte sich befreien. „Das is mit der Kohlefaserrute scho a bissl lebensg’fährlich g’wesen. Aber wenn du den Fisch willst, bist a diam zu fanatisch“. Doch er ist eben ein richtiger Seebär! Apropos, so wie Raimund Harmstorf im Film „Der Seewolf“, versuchte auch Michael mal eine rohe Kartoffel mit der bloßen Faust zu zerdrücken. „Aber das schafft koa Mensch!“ Und außerdem, wer braucht schon eine zerquetschte Kartoffel, solang es die wunderschöne Pillersee-Forelle gibt!?
Text: Eduard Ehrlich
Fotos: Kerstin Joensson, Tourismusverband PillerseeTal

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