Urlaub in

Wählen Sie Ihren gewünschten Urlaubsort

Kitzbühel

Wilder Kaiser

Wählen Sie Ihr Anreisedatum

Wählen Sie Ihr Abreisedatum

  • 1 Nacht

  • 2 Nächte

  • 3 Nächte

  • 4 Nächte

  • 5 Nächte

  • 6 Nächte

  • 7 Nächte

  • 8 Nächte

  • 9 Nächte

  • 10 Nächte

  • 11 Nächte

  • 12 Nächte

  • 13 Nächte

  • 14 Nächte

Wählen Sie die gewünschten Zimmer / Appartements

1 Erwachsener
2 Erwachsene
Familie & mehr
Auswahl übernehmen

Anreisetag

Suchen

Alaska-Feeling am Pillersee

Und wie "Dänische Nomaden", die mindestens zehn Mal im Leben umziehen, in St. Ulrich hängen geblieben sind.


Jeder, der schon einmal in St. Ulrich am Pillersee war, weiß dass das wirklich ein idyllischer Ort ist. Aber wie kommt man ausgerechnet von Dänemark hierher? Diese Frage stelle ich dem Leiter des Schlittenhundecamps, Eddy Nutz, den ich im Café Birnbacher treffe. „Es war reiner Zufall“, erklärt der gebürtige Deutsche, „ich kannte den Ort vorher überhaupt nicht und wusste nicht einmal, wo er sich auf der Landkarte befindet“. Und dann erzählt er, wie eins zum anderen führte und wie „Nuarach“ letztlich zur neuen Heimat wurde.
Ein bewegtes Leben
Eddy Nutz wuchs auf einem Bauernhof im fränkischen Altmühltal in Bayern auf und hatte zu Tieren schon von klein auf Bezug. Die Vierbeiner waren ihm oftmals lieber als die Zweibeiner, denn der Bub kam mit seinem aggressiven Stiefvater überhaupt nicht klar. Als er 16 Jahre alt war, spitzte sich die Lage so zu, dass er, obwohl er als Judoka für die Olympischen Spiele 1972 in München trainierte, von heute auf morgen von zu Hause durchbrannte und sich per Anhalter nach Dänemark absetzte. Dort fuhr er drei Jahre zur See. „Auf dem Schiff lernte ich Konflikte zu lösen“, erzählt er. „Man hat wenig Platz, kann nicht davonlaufen und muss sich der Situation stellen“. Zu Hause wurden Probleme niemals angesprochen. Auch wenn es brodelte, gab es keine Aussprache und die Aggression stieg. „Es gibt nichts Schlimmeres, als Konfliktscheuheit“, sagt Eddy, der seine Lehren daraus gezogen hat.

Nach der Zeit auf dem Schiff machte der Jugendliche eine kaufmännische Ausbildung und erfüllte sich mit der Anschaffung seiner Schäferhündin einen Kindheitstraum. Der Tierfreund hatte eine Riesenfreude, als die ersten Welpen kamen und beschloss, sich mit der Hundezucht zu befassen. Wenn Leute ein Jungtier kaufen wollten, war er äußerst wählerisch und vergab die Hundebabys nur an einen wirklich guten Platz. Außerdem achtete er darauf, dass der Charakter von Hund und Herrchen zusammenpasste.

Weil die Tiere natürlich auch etwas zu fressen brauchten, importierte Eddy Hundefutter und baute schon als 21-Jähriger einen Vertrieb auf. Doch die Qualität dieses Futters war nicht optimal, deshalb produzierte er selbst schon wenige Jahre später Hunde- und Katzennahrung mit einem hohen Fleischanteil. Eddy hatte wohl ein gutes Gespür für‘s Geschäft, den nötigen Hausverstand, lernte schnell und wusste, wie wichtig es ist, sich ein Netzwerk aufzubauen. „Mir hat keiner was geschenkt. Ich habe mir alles selbst beigebracht. Es ist wichtig für eine Sache zu brennen, dann bringt man viel Geduld dafür auf und ist gut in dem, was man tut“, erzählt der Mann, der sich als Kind seine Bestätigung durch sportliche Erfolge holen musste, weil er den Satz „das hast du gut gemacht“ bei ihm zu Hause nie zu hören bekam.

Das Geschäft lief gut. Eddy wurde der zweitgrößte Tierfutterproduzent in Dänemark, kam dadurch mit Schlittenhundeführern in Kontakt, sponserte sie und wurde 1995 zu einem Schlittenhunderennen in den Salzburger Pongau eingeladen. Er sah so ein Event das erste Mal. Doch das Drumherum gefiel ihm nicht so besonders. Da hatte er die Idee, selbst so eine Veranstaltung zu organisieren – eine, wo die Musher (Schlittenhundeführer), die Huskys, das Camp und der Wettbewerb mehr im Mittelpunkt stehen sollten.

Wo bitte liegt St. Ulrich?
Noch am selben Tag rief Eddy bei Bernhard Prem in Fieberbrunn an, den er von Hundezüchter-Treffen im Ausland kannte, und fragte, ob dieser irgendwo einen geeigneten Platz für eine Schlittenhunde-Veranstaltung wüsste. Der Fieberbrunner Metzgermeister nannte den Ort St. Ulrich. „Wo bitte liegt St. Ulrich?“, wollte der Däne wissen. Diese Frage wurde mit einer kurzen Erklärung gelöst. Jedenfalls erkundigte sich Bernhard bei der dortigen Gemeinde und gab grünes Licht für ein Treffen. Schon am nächsten Tag fuhren Eddy und seine Lebensgefährtin Lisbeth Jensen erstmals ins Pillerseetal. Als das Paar in „Nuarach“ ankam, hörte der Schneesturm auf und der Himmel wurde blau. Vor ihnen lag das verträumte Dorf mit der Kirche, den herrlichen Bergen und dem malerischen Pillersee. „Es war eiskalt, aber wunderschön“, schwärmt Eddy. Der Geschäftsmann gehört zu den Menschen, bei denen der erste Eindruck und das Bauchgefühl stimmen müssen. Und das passte sowohl bei St. Ulrich als auch bei der Vorstellung seines Konzeptes. Der damalige Bürgermeister Leo Schlechter besiegelte die Abmachung mit einem Handschlag – und so etwas schätzt Eddy!
Die Schlittenhundeveranstaltung
Nach wenigen Wochen kam der Kopenhagener wieder nach Tirol, diesmal zusammen mit einigen Schlittenhundeführern, um die Strecke zu testen – und diese war einfach perfekt! Nun konnte die Organisation so richtig losgehen, und bereits ein Jahr später, 1996, fand die erste Schlittenhundeveranstaltung statt. Eddy leitete das Camp und war begeistert von der Atmosphäre und vom familiären Verhältnis, das unter den Mushern herrschte. „Jeder ist mit jedem per du, soziale Unterschiede merkt man hier nicht“, erzählt er. „Vom ganz normalen Arbeiter bis hin zum Millionär kommen die Teilnehmer aus allen Schichten“. Und Eddy liebt während des Camps das „Alaska-Feeling am Pillersee“ – die kalte Winterluft, die verschneite Landschaft, die vielen Huskys und Schlittenhundegespanne und natürlich das Rennen selbst, mit dem freudigen Hundegebell, bevor es losgeht.
Während der Veranstaltung beobachtete der Campleiter immer wieder, dass die Besucher den Huskys sehr zugetan waren. „Diese Rasse ist nicht für Menschen geeignet, die nur ein bisschen mit dem Hund spazieren gehen wollen, da wären die Tiere arm“, warnt er. „Huskys müssen ihre Kraft und ihren Bewegungsdrang ausleben können“. Aus diesem Grund wurden und werden Musher-Kurse veranstaltet. Dabei sollen die Teilnehmer alles mitmachen. Sie sollen einen respektvollen und freundschaftlichen Umgang mit den Tieren lernen und erfahren wie es ist, bei Minusgraden draußen zu sein, die Hunde zu versorgen und das Gespann vorzubereiten. Erst dann kann die Ausfahrt mit dem Schlitten genossen werden.

Die Dänen sind „Nomaden“
Das Schlittenhundecamp wurde auch in den Folgejahren wieder organisiert. Eddy und seine Lisbeth kamen mehrmals im Jahr für mehrere Wochen nach St. Ulrich. Irgendwann einmal fragte sie der Bürgermeister: „Warum zieht‘s denn nicht überhaupt her, ihr seid eh so oft da?“. Und dann ging alles sehr schnell: Schon nach drei Monaten zog das Paar nach St. Ulrich. Eddy hatte seine Tierfutterfirma in der Zwischenzeit verkauft und konzentrierte sich auf den Handel mit Schutz- und Berufskleidung, und Lisbeth konnte als selbständige Intensiv-Krankenschwester auch weiterhin in Norwegen arbeiten. Früher flog sie von Dänemark aus zur Arbeit, nun fliegt sie von Salzburg oder München. „Die Dänen sind Nomaden“, erklärt Eddy, „sie ziehen in ihrem Leben bestimmt zehn Mal um, weil sich beruflich oder familiär eine andere Situation ergibt. Das ist ganz anders als hier in Tirol, wo man sich ein Haus baut, das man für den Rest seines Lebens bewohnt“.

Lisbeth und Eddy lieben an St. Ulrich die Berge, die vielen Sonnenstunden – auch im Winter, die gute Luft und das gute Wasser. Trotzdem vermissen sie das Meer sehr. Und manchmal auch die Offenheit der Dänen. „Die Leute hier sind sehr nett“, sagt Eddy, „aber wenn es um etwas Neues geht, reagieren viele zuerst einmal mit Zurückhaltung“. Auch wenn es nicht bei allen gut ankommt, wenn Eddy seine Meinung sagt, sind Menschen dabei, mit denen „die Chemie absolut stimmt“. Das Paar hat in St. Ulrich tiefe Freundschaften geknüpft, was einen großen Anteil daran hat, dass „die Nomaden“ nach 14 Jahren immer noch an Ort und Stelle sind. Und das Schlittenhunderennen, das sich inzwischen mit über 1.000 Hunden und 130 bis 140 Startern zu einem der größten in Europa entwickelt hat, trägt natürlich auch dazu bei – denn Eddy „brennt“ für dieses Projekt noch immer! www.huskys.at

Wer das „Alaska-Feeling“ oder einen 3-tägigen Musher-Kurs erleben möchte, ist von 10. bis 25. Jänner 2015 herzlich eingeladen nach St. Ulrich zu kommen!
Text: Renate Nocker
Fotos: TVB PillerseeTal, privat

Bitte warten

Informationen werden geladen...