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Penningberger G’schichten

Der Weitwanderweg „KAT-Walk“ führt quer durch die Kitzbüheler Alpen von Hopfgarten bis nach St. Ulrich am Pillersee. Dabei trifft der Wanderer auf viel Natur, so manches Getier – und auf interessante Menschen, die uns ihre Geschichte erzählen und damit Einblicke in ihre Seele gewähren.

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Los geht’s in Hopfgarten, hinauf auf den Penningberg. Für mich ist er ein Zauberberg. Mit jeder Kehre, mit jedem Höhenmeter fühle ich mich leichter, dem Alltag enthoben. Eine Wunderwelt tut sich auf, eine, die vom Tal unten weder zu sehen noch zu erahnen ist. Sonnenverwöhnte Plateaus breiten sich unerwartet aus, die Hohe Salve bekommt von hier aus ein neues Gesicht, der Horizont verändert sich. Kühe und Pferde grasen auf großen Weiden, die alten Bauernhöfe tragen Blumenschmuck in verschwenderischer Pracht. Wie sind die Menschen, die in einer so wunderschönen Gegend leben? Wissen Sie um ihr Glück?
Ich will es herausfinden und treffe mich mit Pepp Nissl, dem „Palvner“-Pepp und seiner Kathi, die nah am KAT-Walk wohnen. Ihr Haus steht direkt an der Straße, aber mit Straßenlärm haben sie wohl wenig Erfahrung. Ruhig ist es hier oben. Die beiden bitten mich in die Küche. Sie erinnert mich an jene daheim bei meinen Eltern, die sich seit 46 Jahren nicht verändert hat. Dass ich das Diktiergerät einschalte, ist besonders Kathi etwas unheimlich. „I weiss’ nit, i mag da gar nichts sagn, wenn des alles aufgenommen wird,“ meint sie zweifelnd. Aber das Gerät ist schnell vergessen.

Ein „Wüdling“

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Pepp erzählt von seiner Kindheit. Er wuchs am Penningberg auf einem kleinen „Bauerneaschtl“ auf und ging hier zur Schule. Der 1933er Jahrgang erinnert sich an so manche Begebenheit. Das Fräulein Jessacher, das ihn damals unterrichtet hat, hat heuer den 100. Geburtstag gefeiert. „Ja, de hat uns schon ein wenig dressiert,“ meint er.
Ein „Wüdling“ war der Pepp, so sagte man. So tragisch hat es der Pepp mit der Schule nicht genommen. Einmal, berichtet er, muss er mit seinem Freund nachsitzen. Das Fräulein sperrt die beiden mittags in der Klasse ein, um essen zu gehen. Doch die Lauser flüchten – kaum ist der diktierte Satz hundertmal geschrieben – aus dem Fenster. Im Garten liegt ein Schlauch, aus dem Wasser rinnt. Damit sollen an dem trockenen Sommertag die Blumen gegossen werden.
Am nächsten Tag nimmt das Fräulein die beiden gleich wieder in die Mangel und unterstellt ihnen, sie hätten den Schlauch in den Keller geleitet.
Das war aber nicht so, oder, frage ich nach. „Ja, mia haben den Schlauch schon gesehen,“ grinst Pepp spitzbübisch. „So haben wir halt Wassertragen miassn.“ Im Prinzip hat das Fräulein den Pepp und seinen Freund aber nicht „ungern mögn“ und fragte de beiden, ob sie nicht bleiben wollten, als der Wechsel in die höhere Klasse anstand. Dem Pepp war es recht, denn so sparte er sich das viele Lernen, das dort zu erwarten war. Kathi lacht herzlich auf. Ihr Mann ist ein guter Geschichtenerzähler, und er bringt sie auch nach 56 Ehejahren immer noch zum Lachen.

Wie das ist mit dem Zündeln

Als Pepp ausgeschult ist, verdingt er sich als Knecht, absolviert dann noch die Schule in Rotholz und geht darauf für zweieinhalb Jahre in die Schweiz. Auch dort arbeitet er als Knecht. „Des war damals a so da Brauch. Durchs Umwechseln hat ma gut verdient.“ Die Schweizer waren keine faden Leute, meint Pepp. Er hatte keine Probleme mit ihnen, auch nicht damit, dass seine Gastfamilie evangelisch war. „Das habens mir gleich gesagt: A katholisches Würstel kannst in an evangelischen Pfandl sieden.“ „Kannst deine Sprüch’ wieder zum Besten geben,“ tadelt ihn Kathi und lacht über das ganze Gesicht.

Nach seiner Rückkehr pachtete Pepp ein kleines Bauerngut und hatte von da an bis letztes Jahr immer ein paar Stück Vieh im Stall. Und dann ist die Kathi „grecht kemma“. Kathi erzählt nicht viel von ihrer Kindheit, es war keine gute. Eines Tages besuchte sie die Großmutter am Penningberg und übernachtete bei ihr.
Der Pepp ist ganz in der Nähe beim Füttern beschäftigt. Im Folgenden sind sich die beiden nicht ganz einig. „ Sie ist mit a Latern zu mir gekommen“, behauptet Pepp. „Is aber gar nit wahr“, sagt Kathi. „Woi, so iss g’wesen, du hast’s vergessen,“ antwortet ihr Pepp und wendet sich wieder mir zu.
„Sie hat um Zündhölzer g’fragt.“ Pepp hat keine Zündhölzer, weiß aber damals schon von den Pfadfindern, dass man auch ohne Zünder Feuer machen kann. „Da muasst an Knüppel irgendwo reiben,“ – schildert Pepp und reibt zwischen seinen Handflächen das imaginäre Holz. Kathi lacht laut auf. „Des hab i ma gemerkt, und dann hab’n ma probiert und auch so gerieben“, – a geh, sagt Kathi – „und ihr hat des a g’fallen, und heiß iss schon wordn, aber Feuer habn wir keins damacht.“ Und weil das der Kathi gar so gefallen hat, sagt der Pepp, ist sie wieder gekommen und sie haben das Feuermachen wieder und wieder probiert.
Kathi schüttelt nur noch den Kopf. Als Pepp viele Anzündversuche später, als es ums Heiraten geht, mit dem Pfarrer spricht, meint der milde: „Ihr habt schon ein Feuer angezündet, das Feuer der Liebe.“ Und da haben auch die beiden endlich gewusst, was passiert war. „ Mia waren ja nit aufgeklärt damals“, zwinkert Pepp mir zu. Ja, ja, so war das damals am Penningberg.

Das junge Paar heiratete, baute sich ein Haus und Pepp wurde Holzknecht bei der Gemeinde Hopfgarten. Bei der Arbeit hast du die Finger verloren, mutmaße ich mit Blick auf seine rechte Hand. Der Ringfinger ist nur noch ein Stummel, auch Mittel- und Zeigefinger sind arg beschädigt. Nein, die hat sich Pepp erst in der Pension beim Holzspalten gequetscht. „Alles ein Brei,“ erinnert sich Pepp, „weh tu hat’s gar net recht, aber gelacht hab i nimmer.“ Ehering kann der rüstige Anfangachziger keinen mehr tragen. Macht nichts, auch Kathi hat ihren nicht am Finger, weil er zu unpraktisch ist. Am Anfang ihrer Ehe, meint Pepp, hätten beide ihre Ringe noch getragen. „Aber wenn da denkst, jetzt kann eh nix mehr passieren, hamman runter getan.“

Pepp macht den „Abflug“

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Ein Lebtag lang war Pepp mit Holzarbeiten beschäftigt, da war die Gefahr immer groß, dass er sich schwer verletzt. Er hatte immer „Reim“. Kathi erinnert sich aber, dass sie einmal ein ganz schlechtes Gefühl hatte, so, als wäre ihrem Mann etwas passiert. Und wirklich erzählte Pepp beim Nachhausekommen, dass es an diesem Tag knapp zugegangen wäre. Er schildert die Begebenheit:
Es passiert drüben auf der anderen Seite des Tales. Er ist gerade mitten in seiner Arbeit beim Holzen, als sich ein Stamm über ihm in Bewegung setzt, auf ihn zurast und ihm zwischen die Beine fährt. „Der hat mi aufgehoben und i bin d’rauf g’sitzt und dahin is’s gegangen. Aber die Landung unten, die wird grausig sein, hob i ma denkt.“ Der Stamm knallt schließlich an einen Holzhaufen, er schnellt hinten auf und katapultiert Pepp in die Höhe und im Flug über den Holzhaufen, dahinter schlittert er bäuchlings im Schnee, landet direkt zwischen zwei Baumstumpfen, mit dem Kopf in einem großen Ameisenhaufen. Der Erzähler grinst breit. „An Reim muasst hab’n, sonst überlebst des net.“

Die Tochter der beiden Penningberger, Gerda, wohnt nebenan. Auch der Enkelsohn hat sich schon in der Nachbarschaft ein Haus gebaut. Das Foto der kleinen Urenkelin hängt an der Wand hinter mir. Ein entzückendes Mädchen, auf das die Urgroßeltern sehr stolz sind.

Pepp erzählt von seinen Jahren auf der Kühlbrunnalm, 23 an der Zahl. Nur in zwei Sommern in all den Jahren schneite es nicht mindestens einmal. War länger als einen Tag alles zugeschneit, hieß es „stad sein“ oder „davu gehen“, sonst hätten die Kühe Radau geschlagen. Also ging Pepp „davu“, zur Gamskogelhütte, um dort mit der Wirtin Karten zu spielen. So gut sie selbst das Spiel beherrschte, so schlecht war der Sohn der Wirtin. „Des hat der nie dalernt. Oba gekocht hat a guat.“

Der „Stierkampf“

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Und weil wir gerade bei der Alm sind, fällt dem Pepp natürlich noch eine irre Geschichte ein. Sie trägt sich zu, als er einmal mit einer Kalbin auf die Baumgarten-Alm kommt, um sie dem Stier zuzutreiben. Der Alminger, „a letz’ Mandl“, bringt den Stier heraus. Er ist „a weach zritt“, geht auf den Pepp los und schleudert ihn über den Asphalt am Vorplatz der Almhütte. Schon will er sich wieder auf Pepp stürzen und ihn „mugeln“, also am Boden angreifen, da kommt jener auf die Beine, läuft davon und springt in seiner Not in einen großen, mit Beton befestigten Trog. Der Stier wild hinterher, springt ebenfalls in den Trog. Das schwere Tier bleibt aber am Rand hängen, kann nicht mehr vor und nicht zurück. Es wippt hilflos hin und her, wild strampelnd. Jetzt droht der Bulle zu ertrinken, denn vorne am Kopf ist er ja schwerer und taucht immer wieder ins Wasser ein. Die zwei Senner der Alm hängen sich schließlich an seinen Schwanz und treten auf seine Knie, während sie Pepp anweisen, sich rückwärts unter die Brust des Tieres zu stellen und es mit seinen Schultern nach oben zu drücken. „I hab a narrische Kraft gehabt, und hab des schwere Viech, es wird 1.500 kg gehabt habn oder a bissl weniger, hinaufgestemmt.“ Dabei muss Pepp immer wieder untertauchen, aber: „Durch des, dass i an Taucherkurs gemacht hab, hab i gewusst, wia mit der Luft umgehen, und plötzlich ist er herausgestürzt.“ Der Stier bleibt unverletzt, Pepp trägt allerdings Schürfwunden im Gesicht davon.
Ja, so hat es sich zugetragen auf der Alm.
„Da hätt’ i tot sein können,“ meint Pepp. „Ob’s jetzt genau so war“, meint Kathi schmunzelnd und wiegt den Kopf. „Genauso is’s g’wesen“, beharrt Pepp und lacht.

Pepp berichtet noch von einem weiteren Unfall, bei dem er von schnellenden Ästen in die Luft geschleudert wurde und unverletzt blieb. Viel Glück hatte er. Doch nicht alles im Leben der beiden Penningberger war Licht und Freude. Über die Schatten jedoch wollen wir heute nicht reden, sondern Pepps Geschichten lauschen, den alten Zeiten ein wenig nachspüren. Bevor ich mich wieder auf den Weg mache über den Penningberg hinauf Richtung Hagalm, nicht ohne zurückzublicken auf das Haus am Straßenrand, aus dessen Garten mir der begnadete Erzähler, der „Palvner-Pepp“, und seine Kathi nachwinken

Mit freundlicher Genehmigung von „Bei ins dahoam“; Text und Fotos: © Bei ins dahoam.

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