Ihr Urlaub in

Wählen Sie Ihren gewünschten Urlaubsort

Kitzbühel

Wilder Kaiser

Wählen Sie Ihr Anreisedatum

Wählen Sie Ihr Abreisedatum

  • 1 Nacht

  • 2 Nächte

  • 3 Nächte

  • 4 Nächte

  • 5 Nächte

  • 6 Nächte

  • 7 Nächte

  • 8 Nächte

  • 9 Nächte

  • 10 Nächte

  • 11 Nächte

  • 12 Nächte

  • 13 Nächte

  • 14 Nächte

Wählen Sie die gewünschten Zimmer / Appartements

1 Erwachsener
2 Erwachsene
Familie & mehr
Auswahl übernehmen

Anreisetag

Suchen

Interview mit einem „Peaschtl“

Martin Krainthaler erzählt vom Brauch des „Peaschtl-Laffns“.

Perchten@Barbara Moser (1)

Ein schwarzer Nachthimmel spannt sich über dem Pilgerhof in Mariastein, Nebelfetzen ziehen entlang der Kirchenmauern. Nur sparsames Licht im Altarraum und ein offenes Feuer, über dem ein Kessel mit Glühwein an schweren Eisenketten hängt, erhellen die Szenerie. Einheimische und ein paar Besucher aus den Nachbarorten stehen beisammen, wärmen sich mit Glühwein und lassen sich die gegrillten Würstl schmecken, ihr Atem dampft in der nasskalten Nacht. Sie warten. Der Nikolaus mit dem Teufel und den beiden Engerln war schon da. Jetzt sollen die „Peaschtlpassen“, die Perchten-Gruppen kommen. Von ferne ist jetzt Getrommel zu hören, der Ton des Bockhörndls schallt durch die Nacht. Ein kleines Mädchen zieht die Wollmütze tiefer ins Gesicht steckt sich ganz nah an die Mama. Dann öffnet sich das Tor und sie kommen herein, die Perchten. Angeführt wird die Gruppe von der Hexe, sie ist in Lumpen gehüllt und trägt ein Kopftuch, in der Hand hat sie einen Besen, mit dem sie den Weg kehrt und dabei wilde Luftsprünge und Purzelbäume vollführt. Die Perchten selbst bewegen sich nur langsam, denn ihre Gewänder sind so dicht mit Bratschen besetzt, dass sie sich kaum rühren können. Dafür sind sie umso lauter und trommeln auf ihren alten Autotanks, die sie vor sich umgeschnallt tragen, einen schnellen, treibenden Rhythmus. Tam tara tam, tam tara tam,… Die Larven (Masken) mit ihren aufgerissenen Mäulern und den schielenden Augen werfen furchterregende Schatten an die Mauern des Turmes. Die Wände, die den Hof umgrenzen, werfen den Schall zurück und steigern das Getrommel zum Getöse. Unter dem Kommando der Hexe formiert sich die Pass in der Mitte des Pilgerhofes zu einem Kreis. Der Rhythmus der Trommler wird immer schneller und das Getöse immer lauter. Das kleine Mädchen hat sich längst hinter Mamas Mantel versteckt. Dieses wilde Treiben jagt selbst den Mutigeren unter den Kindern Angst ein, aber zugeben tun sie es natürlich nicht. Schließlich hebt die Hexe den Besen in die Höhe, und der Trommelwirbel hat ein Ende. Die Zuschauer applaudieren, und die jungen Burschen nehmen die schweren Masken ab. Sie schwitzen unter dem Gewicht der Larve und des Gewandes, sie wischen sich über die rußverschmierten Gesichter und greifen sich gerne ein Bier.

Perchten@Barbara Moser (3)

An die 6 bis 8 verschiedenen Passen kommen jährlich am 5. Dezember nach Mariastein in den Pilgerhof und führen ihren Tanz vor. Seit fast 20 Jahren lebe ich selbst in Mariastein und bin natürlich meistens dabei. Wir Zuschauer sehen nicht, wie die meisten Passen mit dem Traktor „angeliefert“ werden, denn das Gehen ist in den schweren Gewändern unmöglich. In den letzten Jahren sind die Masken immer „grausiger“ geworden, die Hörner immer länger und der Trubel immer mehr. „Des is eben a richtige Show“, sagt Martin Krainthaler. Er ist Schnitzer, ein echter Mariasteiner und selbst Mitglied der „Seppn-Pass“. Aber diese Pass orientiert sich an den alten Traditionen und bleibt auch dabei. „Mia mechtn unser Brauchtum bewahren, und zwår so, wia mas von unseren Vorfahren glernt hobn.“ Und weil ich davon so gut wie nichts weiß, klärt Martin mich „Zuazochne“ in einem Gespräch bei mir zuhause am Küchentisch über die Perchten auf.

Ungewisse Vergangenheit
Mariastein gilt gemeinsam mit den Gemeinden Angerberg und Breitenbach als “ Wiege des Perchtentums“. Seit wann es den Brauch des Perchtentums genau gibt, von wo er kommt und was er eigentlich bedeutet: Darüber wurden zwar viele Nachforschungen angestellt, handfeste Ergebnisse gibt es jedoch nicht. Aus alten Archiven, datierend mit Ende des 16. Jahrhunderts, ist zu erfahren, dass man im Ostalpenraum in den Wintermonaten „perchtlweis“ gelaufen ist. Und dass es immer wieder verboten wurde, weil „dabei aller hanndt grosse Sündt und allerlai Übels fürgeet“ (Landgericht Berchtesgaden 1601). In diesen Archiven steht auch, dass die Perchten mitunter in die Häuser eingedrungen sind und Krapfen, Schnaps, etc. erbettelt haben und anschließend rauschig durch die Gegend gekugelt sind.* Einiges ist aus den alten Traditionen doch geblieben …
Martin glaubt am ehesten an die These, „dass das Perchtengehen ein alter Brauch ist, der in vielen Gegenden bekannt war, sich aber am „Angerberg“, so heißt der Bergrücken, der sich von Kramsach über Breitenbach und Angerberg bis nach Mariastein spannt, erhalten hat. Seiner Meinung nach soll der Brauch die Fruchtbarkeit des kommenden Jahres fördern. „Je mehr Leit sich der Pass uschlieassn, und je lauter sie sand, umso besser.“
Perchten@Barbara Moser (7)

Die Seppn-Pass
Laut ist sie deshalb schon auch, die Seppn-Pass. Aber sonst unterscheidet sie sich von vielen anderen Perchten-Gruppen. Das Wichtigste: Martin und seine Pass, die aus zirka 8 Männern besteht, gehen zu Fuß. Sie haben viel weniger Bratschen - so nennt man die getrockneten Blätter von Maiskolben - an ihrem Gewand befestigt und daher kaum Gewicht, das sie mit sich herumschleppen müssen. Und sie tragen kleinere Masken, aber fürchterlich genug sind sie. So eine traditionelle Pass setzt sich aus „Gloggingern“, Trommlern, Bockhörndlbläsern und einer Hexe zusammen. Die Glogginger haben eine große Kuhschelle um die Mitte geschnallt und hüpfen auf und ab, um Krawall zu machen und damit den Trommlern um nichts nachzustehen. Martin hat alles schon einmal gemacht, auch das Bockhörndl geblasen, nur Hexe war er noch nicht. So ziehen sie in Mariastein von einer Station zur anderen – zum Branderbauern, zum Kammerhof und noch an ein paar andere Orte kommen sie, an denen sie ihren Tanz aufführen und dafür zur Einkehr eingeladen werden. Im Pilgerhof treten sie natürlich auch auf, mitunter ein bisschen belächelt von den Kindern und Jugendlichen, denn andere Passen sind in ihren Augen viel cooler. „Da Takt muass bei uns scho a passn, da wird bei uns schon a geübt, owa mia mochn koa Musical draus, wia des sist heit fast so is.“
Martin ist heuer 50 Jahre alt geworden, seit dem 6. Lebensjahr geht er als Peaschtl. „De gånz Kloan håbn immer die Gloggn trågn miassen und hupfn, des wår scho gånz sche anstrengend. Mia wårn jå zwoa Tåg unterwegs, am 5. und 6. Dezember, in Mariastoa und in Angerberg. Då wårn ma donn ziemlich fertig danoch. Auch mit den Nerven, denn die größeren Buben haben den Kleinen immer wieder Angst eingejagt und ihnen vorgegaukelt, sie hätten den Teufel gehört oder gesehen. „Psst, hebts die Gloggn, då wår er gråd, er darf uns net sechn“, warnten sie die Kleinen. „Mia håbn uns gfiarcht, grad so ognagglt håts uns.“
Zum Fürchten war es auch, wenn man einer Pass aus dem Nachbardorf in die Quere gekommen ist. „Då is dann hibsch zum Raffn wordn“, erinnert sich Martin. Weil die Mariasteiner immer weniger waren als die Angerberger, haben sich die Buben angewöhnt, lieber einen großen Bogen um die Nachbarpass zu machen.
Die Kinder der Bauern, bei denen sie damals eingekehrt sind, die hatten von den Perchten aber nichts zu fürchten. Ganz im Gegenteil: „Da Bäckn-Sepp, der håt oft a Zuggal für die Kinder eingschobn kåbt.“

Perchten@Barbara Moser (4)

Eine Peaschtl-Legende
Der Bäckn-Sepp, nach dem die Seppn-Pass benannt ist, ist eine Legende in Mariastein. Er war 70 oder gar 80 Jahre lang selbst unterwegs und ein fanatischer Peaschtl, der sich sehr dafür eingesetzt hat, dass der Brauch fortgeführt wird. „I håb ihn scho nu kennt ois a Bua, da sand mia Kinderpeaschtl zu eam kemma, und des håt ihn narrisch gfreit. Im Jahr 1976 ist der Bäckn-Sepp gestorben. Aber man erinnert sich auch in der benachbarten Gemeinde Angerberg noch an ihn, einige seiner Nachfahren leben dort und führen das Peaschtlwesen weiter. Der Angerberger Bürgermeister Walter Osl beispielsweise ist ein Enkel des Bäckn-Sepp und jahrelang selbst aktiv gewesen. Jetzt setzen sich seine Söhne Larven auf und trommeln den Peaschtl-Rhythmus. Noch einen Ort weiter, in Breitenbach, liegt ein „Epizentrum des Peaschtlkults“. „Då gibt’s, moan i, an die 50 Passen, die Breitenbacher sand da ganz fanatisch“, weiß Martin. Bei 3.400 Einwohnern ist das kein schlechter Schnitt, da ist praktisch jeder dritte Mann oder Bub ein Peaschtl, denn der Brauch ist ja reine Männersache.“Bei de Kinderpassen sand scho nu Mädels dabei, wia bei uns in Mariastoa a, owa des hert sich dann auf. De gehen dann liaba zuaschaugn und låssn sich von de Teifi des Gsicht schwärzen.“
A propos Teufel: „De håbn eigentlich bei de Peaschtl nix verlorn“, meint Martin. Aber weil die modernen Peaschtl so unbeweglich sind, brauchen sie Begleiter, die ihnen beim Anziehen helfen und zudringliche „Fans“ auf Abstand halten. Das machen die felligen Gesellen natürlich gut, sie waren früher wegen ihrer rührigen Ruten gefürchtet, heute beschränken sie sich meist darauf, die Gesichter der Zuschauer zu schwärzen, besonders jener der jungen, hübschen Mädchen. Die Seppn-Pass braucht keine teuflischen Begleiter. „Peaschtl und Teifi passn net zamm, die Teifi kean zum Nikolaus.“

Ganze Dörfer stehen Kopf
Welche Faszination das Peaschtlwesen auf viele Menschen in der Region ausübt weiß ich selbst von einer Freundin. Evi ist in der Woche vor, während der beiden Peaschtltage selbst natürlich und eine Woche nach dem ganzen Trubel kaum ansprechbar. Als Breitenbacherin gibt es für sie in dieser Zeit nur das eine Thema. Wo tritt welche Pass auf, wer ist dabei, wen trifft man wo? Das ganze Dorf steht Kopf, wenn alte Autotanks im Peaschtl-Rhythmus klingen.
Und nicht nur so manchem Kind wird dabei mulmig zumute. Wie ist das, wenn der Martin in sein Gewand schlüpft, die Larve aufsetzt und sich damit in einen dunklen, „schiachen“ Gesellen verwandelt. Fühlt er sich dann irgendwie anders, verwandelt er sich in die finstere Gestalt? „Vielleicht ist des bei de Buam heit anders,“ meint Martin, „då ku scho sei, dass sie sich mords machtig vorkemman, owa i denk ma eigentlich nix dabei. Denn da Peaschtl schaugg zwår schiach aus, er setzt sich owa fürs Gute ein.“
Im September, als ich mit Martin über die Peaschtln rede, arbeiten viele junge Männer bereits an ihren Gewändern. Das Anbringen der getrockneten Maisblätter ist viel Arbeit. Die Seppn-Pass tut sich da leichter. Die paar Bratschen, die im letzten Jahr verloren gegangen sind, sind schnell wieder ersetzt. Sie werden mit einer eigenen Technik geknüpft, Martin weiß als einer der Wenigen noch, wie das geht. Und als Schnitzer macht er natürlich auch die Masken, die Larven. Unzählige hat er schon gefertigt, jetzt im Herbst bietet er auch wieder Schnitzkurse an. An Nachfrage mangelt es nicht, das Peaschtllaufen ist „in“ wie kaum jemals zuvor, mittlerweile fast überall. Viele Buben arbeiten schon in ganz jungen Jahren mit viel Fleiß und Begeisterung an ihren furchterregenden Fratzen aus Holz, die, weil selbst gemacht, natürlich am wertvollsten und schönsten sind.
Das Erfreuliche für Martin: Die Seppn-Pass ist nicht die einzige, die sich auf die Ursprünge des Brauchtums besinnt. Nach und nach gibt es weitere Passen, die auf die aufwändigen Gewänder verzichten und wieder von Haus zu Haus gehen. Der „Tattoo Paul“ mit seiner „Köglhörndl-Pass“ kommt beispielsweise zu Fuß aus Niederbreitenbach nach Mariastein, um im Pilgerhof zu läuten, zu trommeln und das Horn zu blasen. Sie ist nicht so spektakulär wie beispielsweise die „Fok'npass“, dafür authentisch, und wenn der Pilgerhof in Nebel gehüllt ist, grausige Schatten an den Mauern tanzen und der Turm das Geläute und Getrommel zurückwirft, dann läuft auch einem großen Mädchen schon mal ein Schauer über den Rücken …
Wer mehr über die Peaschtln in Breitenbach, Angerberg und Mariastein wissen will, ist gut beraten, sich das Buch: „Peaschtl laffn“ von Barbara Moser anzuschaffen (bei Interesse E-Mail an die Redaktion von Bei ins dahoam)
•Quelle: Dr. Gunter Bakay, Volkskundler aus Innsbruck, Auszug aus dem Buch „Barbara Moser: „Peaschtl laffn in Breitenbach“

Bitte warten

Informationen werden geladen...