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Heimat verbunden

Thomas Scholl zeigt uns, wie es geht, Tradition und Moderne locker unter einen Hut zu packen.

Wohl schon hundert Mal bin ich an den Schildern in Hopfgarten vorbeigefahren, die den Weg auf den „Gruberberg“ und den „Glantersberg“ weisen. Wohl 50 Mal hab ich mir gedacht: Wie mag es dort oben wohl aussehen, ob die Anfahrt weit ist? Heute endlich führt mich ein Interviewtermin hinauf auf den Gruberberg. Ich werde den Thomas Schroll treffen, bei ihm zuhause am Oberau-Hof. Er ist Jungbauer und zugleich Skilehrer und wird mir ein wenig von seiner Welt erzählen. Eine schmale Straße windet sich in Kurven hinauf auf den Berg, durch den Wald, und schneller als gedacht bin ich schon oben am Gruberberg. Es tut sich ein kleines Hochplateau auf, Wiesen und Weiden, wohin das Auge reicht, umrahmt von Berggipfeln, deren Spitzen jetzt im Herbst schon weiß angezuckert sind. Einzelne Bauernhöfe stehen da, verteilt wie auf einem Spielbrett. Ich muss gleich links abbiegen, hat Thomas mich angewiesen, an drei Höfen vorbei und noch einmal ein kleines Stück durch den Wald. Da steht er schon vor mir, der Oberau-Hof, stattlich und wunderschön eingebettet in die herrliche Natur. Bevor ich an die Haustüre klopfe, gönne ich mir eine Minute des Schauens. Der Gruberberg liegt direkt der Hohen Salve gegenüber. Die Lifte, die Abfahrten, ja jede einzelne Schneekanone: Thomas hat von hier aus alles im Blick. Wie eine riesige reale Ski-Panoramakarte. Zu meiner Rechten schweift das Auge hinüber zum Skigebiet Westendorf. Thomas muss nicht telefonieren, um zu wissen, ob viele Leute auf der Piste sind. Er braucht nur hinüber zu schauen. Praktisch für einen Skilehrer.
„Ja, schon“, grinst er, als er mir öffnet und mich in die Küche bittet. Der Oberau-Hof ist Jahrhunderte alt. Das sieht man ihm aber nicht an, alles ist „sauber beinand“. Seit Generationen schon bewirtschaftet ihn die Familie Schroll, Thomas ist jetzt der Jungbauer. Da er zwei Schwestern hat, machte er sich über seine Berufswahl nie wirklich Gedanken. Für ihn stand immer schon fest, dass er den Hof übernehmen würde. Hätte ihn denn nicht vielleicht auch ein anderer Beruf gereizt? „Na, eigentlich nit“. Also hat Thomas den Landwirtschafts-Facharbeiter in der Weitau gemacht.

Thomas Schroll
Thomas Schroll

20 Jahre ist er alt, ein fescher junger Mann, für den die Welt – so wie sie ist – in Ordnung scheint. Eine seiner beiden Schwestern ist Fliesenlegerin, die andere hat gerade ihr Medizinstudium beendet und beginnt jetzt die Fachausbildung zur Neurologin. Die Bandbreite ist groß in der Familie Schroll. Und so selbstverständlich, wie die Schwestern ihren Weg gehen, geht ihn auch Thomas. „I bin gern’ in da Natur und bei de Viecha“, sagt er. Diesen Sommer hat er als „Alminger“ auf der Niederkaseralm im kurzen Grund in der Kelchsau verbracht. Gemeinsam mit einem Kollegen hat er 90 Kühe und 42 Almschweine versorgt. Die Milch wird direkt an Ort und Stelle zu Käse verarbeitet.
Als 20jähriger den ganzen Sommer auf einer Alm, „weit vom Schuss“, geht ihm da nicht etwas ab, will ich wissen. „Na, då bist alloa in und kust hibsch toa wiast mågst, muasst hoit de Arbeit erledigen, ...“ Langweilig ist es auf der Alm nie. Die Kühe versorgen, melken, die Zäune instand halten, die Schweine füttern, ausmisten, … „bis Jågåssen“ iss eher stressig,“ erzählt der Jungbauer. Ab dem 25. Juli wird es langsam etwas ruhiger, weil dann Kühe, die trächtig sind, nach und nach trocken gestellt, also nicht mehr gemolken werden. In der zweiten Hälfte des Sommers findet Thomas manchmal dann Zeit für eine kleine Bergtour. Anschauen genügt ihm also nicht, er muss auch hinauf auf die Gipfel.

Kurze Auszeiten vom Almleben nimmt sich Thomas aber schon. Zum Ausgehen am Samstag lässt er die Alm schon einmal Alm sein und mischt sich unters junge Volk in Hopfgarten. Er ist nämlich Ausschuss-Mitglied bei der Landjugend in Hopfgarten, und da ist immer wieder etwas zu tun und zu organisieren. Überhaupt ist Thomas gerne unterwegs, das ganze Jahr über. „A diam oft fåst zvü,“ meint er schelmisch.

„Nix iss mit Schihaserl“

Thomas als Skilehrer
Thomas als Skilehrer

Zwischen 70 und 80 Mitglieder hat die Landjugend. Da wird sich dann schon einmal eine Jungbäuerin finden, oder gibt es gar schon eine? „Na, des gramb mi amoi nu går nit,“ schüttelt er den Kopf. Hat er gar keine Bedenken, dass es einmal schwer sein könnte, eine Frau zu finden, die mit ihm den Hof bewirtschaften wird? So schön es hier ist, abgelegen ist es auch. Thomas schaut mich etwas verständnislos an. „Des is woi koa Problem, is jå sche då herobn, då gibt’s låbane Easchta.“ Da hat er natürlich Recht. „Bauer sucht Frau“ wird für Thomas wohl nie ein Thema sein.

Thomas Vater ist Vollzeitbauer. Er selbst ist jetzt Landesschilehrer und wird auch heuer im Winter wieder mit Gruppen auf den Pisten unterwegs sein, vor allem mit Kindern. „Nix mit Schihaserl“, grinst er. Ich kaufe es ihm nicht ganz ab. Obwohl: Hopfgarten ist mit dem neuen Kinderland im Dorf und der neu gebauten Schernthannbahn ja eine der besten Familiendestinationen. Da braucht es schon Schilehrer, die gut mit dem Nachwuchs können...
Das Skilehrern lässt sich mit der Landwirtschaft optimal verbinden: „Ma ku spada ufånga, håt auf d’Nåcht nit z’spat Feirom.“ Es ist gut, ein zweites Standbein zu haben. Denn niemand weiß, wie sich der Milchpreis entwickeln wird. Obwohl Thomas auch hier positiv denkt: „Wenn da Preis weiter sinkt, miass’n’s vü låss’n. Und des geht jå a nit, dass ma koane Milchbauern und koa Milch mehr håbn. Oiso muass da Preis wieder auffi gea.“ Dennoch hat Thomas schon über Alternativen zur Milchwirtschaft nachgedacht. Schweine anzuschaffen kommt nicht in Frage. Und Pferde? „Na, de måg i nit“, meint er. Also würde er wohl Kühe für die Fleischgewinnung halten. „Owa des mecht i nit,“ sagt er. Warum? „Des Züchten vo de Milchkiah is interessanter.“

Gute „Haxn“ braucht die Kuh

Oberauerhof
Oberauerhof

Derzeit stehen am Oberau-Hof 18 Milchkühe im Stall, insgesamt sind es an die 35 Stück Vieh. Das Besamen der Kühe übernimmt Thomas Vater selbst. Obwohl auch Thomas schon den dafür notwendigen Kurs belegt hat. „Owa då muass ma schon danåch a nu guat Zuaschaugn, damit ma des dalernt“, ist er sich bewusst. Den geeigneten Beschäler, also von welchem Stier der Samen kommen soll, wählen Vater und Sohn gemeinsam aus. Dabei achten sie auf die verschiedensten Kriterien. Es ist also immer spannend, wenn ein Kälbchen auf die Welt kommt. „Wichtig is bei uns, dass de Haxn passn“, erklärt Thomas. Gute Beine muss das Kalb haben, denn auf der Alm ist Trittsicherheit gefragt, und am Oberau-Hof auch.
Natürlich trägt jede Kuh im Stall einen Namen. Hat Thomas eine Lieblingskuh? Er überlegt und meint dann: „Meistens iss de Älteste, die Chefin. Nu iss de Flieder. Aber die geht jetzt dånn.“ Sie geht? Wohin? Zum Metzger, erklärt Thomas. Die Kuh hat schon 7 Kälber gebracht, sie ist jetzt an die 10 Jahre alt. Ein Alter, in dem man auch vom Metzger noch angemessen Geld bekommt. Aber tut es Thomas nicht „schiach“, die Lieblingskuh „gehen“ zu lassen? „Mei, scho a bissl, owa des is hoit so. Jedes Jahr gehen a paar Stück Viech zum Metzger.“
Zur Bäuerin würde ich wohl definitiv nicht taugen. Ich hätte irgendwann den Stall voller alter „Kluawan“, die mich aus halbblinden Augen treuherzig anglotzen. Das Fleischregal wäre leer. Gut, dass es unsere Bauern gibt.

Der Heimat verbunden

Thomas auf jeden Fall liebt es, Landwirt zu sein. Mit allem, was dazu gehört. Der Sommer bringt reichlich Arbeit mit dem Heu. Die Felder am Hof sind teilweise steil und können nicht alle mit den Maschinen geerntet werden, es ist viel Handarbeit gefragt. Silage ist am Oberau-Hof kein Thema, hier duftet es im Sommer noch nach Heu wie früher. Dafür muss Thomas aber auch manchmal von der Alm kommen, um den Eltern zu helfen. Auch die Schwester springt ein, wenn sie Zeit hat.
Und auch das Skilehrern macht Thomas mit Leidenschaft. Ist er gar lieber Skilehrer als Alminger, zieht er vielleicht sogar den Winter dem Sommer vor? „Sågn ma amoi so: I mecht nit des gånze Jahr schilehrern und i mecht nit des gånze Jåhr auf da Oim sein“, meint er diplomatisch.

Thomas lebt ein Leben in und mit der Natur, mit den Jahreszeiten. Auf der Alm, im Wald beim Holzarbeiten, am Hof, auf der Skipiste. Er ist von klein auf eng verbunden mit der Natur, mit der Heimat. „Wenn’st im Winter durch an Nebl auffifåhrst in de Sunn, dånn mecht i mit niemandem tauschen.“
Mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie er „Whatsapp“ benutzt, singt er mit Inbrunst mit, wenn die Musikkapelle „Dem Land Tirol die Treue“ spielt. Lederhose und Leinenhemd sind ihm so vertraut wie die zerschlissene Jeans im „Used look“.
Er wird unsere Traditionen weiter pflegen, mit Stolz und Selbstbewusstsein. Auch wenn die Globalisierung an unsere Tür klopft: Wir müssen uns keine Gedanken machen um unsere Identität, solange junge Menschen wie Thomas so sind, wie sie sind.

Mit freundlicher Genehmigung von „Bei ins dahoam“; Text und Fotos: © Bei ins dahoam.

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