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Hans und Annelies freuen sich auf Weihnachten

Nur wenige Kilometer vom pulsierenden Kitzbühel entfernt leben zwei „altvaterische“ Leut. Anderen mehr zu schenken als sich selbst, macht für sie den Sinn von Weihnachten aus.

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Es kommt im Leben schon mal vor, dass man sich auf eine Reise begibt, von der man irgendwie als ein bisschen ein anderer Mensch zurückkommt. So erging es mir bei den Recherchen für die TV-Sendung „Tiroler Bergweihnacht“, moderiert von unserer jodelnden ‚Alpinkatze’ Zabine Kapfinger. Nach einem Tipp vom örtlichen Tourismusverband fuhr ich nur wenige Kilometer nach Hopfgarten im Brixental. Dort, am Gruberberg, leben Hans und Annelies Gastl auf dem ‚Hallerhof’, ein wahres Schmuckstück von Bauernhof. Und die zwei sind wahre Schmuckstücke von Menschen. Links vom Hof der noch funktionierende Backofen, rechts der Holzbrunnen vor dem herrlichen Blick auf Hopfgarten und das Brixental bis hin zum Kitzbüheler Horn. Am Dachgiebel ein Kreuz und ein Tiroler Glockenturm, vor den hölzernen Hauswänden das säuberlich aufgeschlichtete Brennholz, das Hausbankerl neben der Eingangstür, und am Balkon noch die Stangen, wie sie früher für das Wäscheaufhängen nützlich waren. Da fiel mir ein alter Brauch ein: Wenn eine Bäuerin einst die Wäsche am Balkon hängen lassen hat, war das für ihren Liebhaber das Zeichen, dass der Bauer nicht dahoam ist. Annelies aber hat es nicht nötig, die Wäsche draußen zu lassen.

Denn der Hans ist mit seinen 79 Jahren noch ein fescher, kräftiger ‚Loda’. Seine großen Hände zeugen von einem Leben harter Arbeit. Zwei Hosenträger über dem karierten Hemd festigen das Beinkleid, am Haupt der unverzichtbare Filzhut. Die Annelies ist acht Jahre jünger als er, hat ihr Haar mit einer sogenannten ‚Gretl’-Frisur als Zopf über das Haupt gelegt und trägt über dem Hemd und der Jeanshose eine Kochschürze. Das Auffälligste an ihr aber sind die freudig leuchtenden Augen, die echte Warmherzigkeit ausstrahlen.

„A bissl altvaterisch, aber zufrieden.“
Das Fremdeln dauert nicht lange, und Hans bringt den Artikel „Holz wärmt’s Haus und‘s Herz“ aus der Bauernzeitung. Ein Foto zeigt die beiden vor ihrem Hof. Da ist was von einer Schnapssuppe zu lesen, und dass sie hier Selbstversorger sind. Ja, die beiden haben noch Grund und Boden zum Anbauen. Die Annelies besorgt den Garten, setzt alles an – vom Kraut bis zu den Rüben.
Der Hans melkt noch mit der Hand. Sie haben fünfzehn Stück Vieh - zwei Milchkühe, zwei Ziegen und Jungtiere. „Das ist wohl a bissl altvaterisch, aber das macht uns bescheiden und glücklich. Und zufrieden a no“.
Die ‚Goasmilch’ trinken sie lieber als die Kuhmilch, seit sie der Annelies so bei ihren Magenproblemen geholfen hat. „Die Städter, die kennen diese Heilmittel nit“, sagt Hans, „Die gehen in die Apotheke und kaufen Tabletten“.
Hans bittet Annelies, uns doch eine Schnapssuppe zu machen. „Weil die is scho was Guats. Überhaupt fürs Gemüt. Die baut dich wieder auf“.

Annelies schiebt das Brennholz in den Ofen, der im Zentrum der Küche steht. Sie zerlässt die selbstgemachte Bauernbutter, das ‚Schmalz’, wie es die Bauern nennen. Nur im Kupferpfandl macht sie die Suppe, denn da drin wird sie am besten.
Die Butter darf aber ja nicht braun werden. „Da kimmt Mehl eini, ja nit z’dick und ja nit z’dünn“, sagt Annelies. „Dann Wasser drein und a bissl aufköchln lassen“.
Hans erzählt, dass sie den Schnaps früher immer gleich in der Suppe mitgekocht haben, doch: „Des is scheinbar nit für an jeden grecht gwesen und jetzt ku si a jeder selba soviel drein toa, wie es eam passt“.
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Liebesgeschichte, wie sie nur das Leben schreibt
Und dann erzählen Hans und Annelies von ihrer Liebesgeschichte. Eine Liebesgeschichte, wie ich im Leben niemals eine Schönere gehört habe. Dabei war das Leben der beiden von sehr schweren Schicksalen gekennzeichnet. Und das musste wohl so sein, damit es ein derart berührendes Happy-End geben kann. Die Annelies hat es von Anfang an sehr schwer gehabt im Leben. Sie war ein schwerhöriges Kind mit einem Sprachfehler. Und daheim fühlte sie sich deshalb immer wie ein Mensch zweiter Klasse. Nach dem Tod der Eltern musste Annelies den Hof ganz alleine über die Runden bringen, mit nur einem Pferd und sechs Kühen, die sie per Hand gemelkt hat. Mit dem spärlichen Verkauf von Butter und Topfen musste sie übers Jahr kommen.

A fesche und takte Gsellin
Den Hans hat sie schon früh kennen gelernt. Er fand sie durchaus fesch und takt, doch er dachte sich: „Aufdatreiben wird die sich mit ihrem Sprachfehler keinen Loda“.
Und so war es auch, bis Annelies schon beinah fünfzig Jahre alt war. Einige Zeit zuvor hatte Hans seine Frau verloren. An Krebs. Und ein Jahr danach traf ihn der nächste Schicksalsschlag, als sein Sohn unter den Zug ging. Nach der Trauerzeit machte sich Hans auf die Suche nach einer neuen Frau, die ihm auch am Hof helfen konnte.
Das führte ihn auch in die hinterste Wildschönau, in den kleinen Ort Thierbach. Dort hockte er sich in den Sollererwirt. Und wartete, bis sie ihn vom Stammtisch ansprachen. „Was bist oft du fia ona?“. „Der Ruaper-Bauer“, erwiderte er. „Wisserts ma koa Frau nit?“. Schon, aber wås für eine? „Soids gråd legen? Oder goggitzn a no?“. Zweiteres wäre schon besser.

Mir is die Frau gstorbn. War da nix z’machen?
Doch es wurde nichts draus in der wilden, schönen Au. Bald drauf fiel dem Hans wieder die Annelies ein. Er erinnerte sich, dass er einmal beim Fest am hohen Frauentag mit ihr getanzt hat. Die Aufwartung hatte da andersrum zu laufen: „Du musst mi fragen ums Tanzen, Annelies“. Und sie fackelte nicht lange und packte die Chance am Schopf.

Einige Jahre später war wieder Hoher Frauentag. Und da passierte Folgendes:
Hans fährt kurzentschlossen am Moped über den Bichl hinauf zum Gruberberg. Barfuß! Er kommt zum Hof, setzt sich auf die Hausbank und wartet bis Annelies mit der Sense vom Heuen kommt. „Schee hast es da“, meint er. Und weil es die Zeit ist, lädt Annelies ihn zum Kaffee in die Kuchl.
Auch drin gefällt es dem Hans, und er denkt sich: „Ja, Herrschaft, hat’s die Annelies schea da. Extrig sauba alles“. Und dann dauert es nicht lang, bis es ihm über die Lippen kommt: „Du, Annelies, du woaßt ja, mir is die Frau gstorbn. Wär da gar nix z’machen mit dir?“.
Annelies reflektiert kurz. Sie hat gehört, dass der Ruapa kein Zwiderner sein soll. „Woi, Hans“, antwortet sie, „Probier ma’s halt“. Damit ist die Sache besiegelt und Hans muss wieder eilig heim.
Eine Woche drauf kommt er wieder, nützt die Enge des Esstischs unterm Herrgottwinkel und küsst sie. Und eine Woche drauf kommt er wieder, steigt traditionell über die Leiter zum Balkon hinauf. Und die Annelies öffnet ihm. Nicht nur das Fenster.
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Der Hans lässt nicht locker
Hans fragt Anneliese bald drauf, was denn mit ihrem Gehör los sei. „Da hilft nix“ – „Ja, habts einmal was gmacht?“ – „Na“ - „Ja, wenn’s nix gmacht habt’s, woher wissts dann, dass nix hilft?“ - „Na, da hilft nix!“, stellt sie noch mal klar. Doch das reicht dem Hans nicht. Er fährt mit ihr im VW Käfer in die Stadt hinunter, und der HNO-Arzt bescheinigt Annelies, dass ihr ein Hörgerät helfen könnte. Sie ist erst stur und will keines. Weil sie ein bissl zu eitel ist für so einen Stöpsel hinterm Ohr. Doch Hans lässt nicht locker. Und so nimmt sie den durchaus schwierigen Weg auf sich, das Hören zu lernen.

Und gleichzeitig muss Annelies in ihrem Alter auch noch die Liebe lernen. Fast so wie ein Teenager. Heute sind die beiden 20 Jahre verheiratet. Am selbstgestickten Polster ist zu lesen: „Gemeinsam alles tragen, die Freude und den Schmerz. Gemeinsam alles wagen, das bindet Herz an Herz!“. Und auch wenn über dem Hallerhof ab und an dunkle Wolken aufziehen können, die Annelies strahlt: „Wir haben den Himmi auf der Welt“.
Und dieser Himmel tut sich zu Weihnachten gern besonders weit auf. Da pflegen Hans und Annelies mit Freude die alten Bräuche. Annelies bäckt mit ihrer Enkelin Theresa das Klotzenbrot. Die Zutaten wie Kletzen und Feigen stammen alle vom Hof, weil das selbst produzierte am besten schmeckt. Höchstens ein paar Nüsse werden zugekauft. Am Thomastag lässt Hans den Holzboden mit Aschenlauge ein, weil er dann viel schöner wird. Am Hornschlitten holen die beiden den Christbaum aus ihrem Wald, und so wie man es aus alten Heimatfilmen kennt, geht’s damit in rasanter Fahrt zum Hof hinunter.
Am Heiligen Abend wird geräuchert. Annelies schwenkt das alte Bügeleisen und der Weihrauch steigt auf. Hans hält dem alten Glauben nach seinen Hut drüber. Dann macht er ihr je ein Kreuzerl auf Stirn, Mund und Brust. Und sie tut es bei ihm. Sie küssen sich und wünschen sich ein gutes, kommendes Jahr. „Hoffentlich dürfen wir gesund bleiben und alles passt weiter so wie bisher“. Annelies dankt für das Obst, den Garten, das Heu, die Wiesen, das Holz, den Wald und für ihrer beiden Leben. Dann gehen sie zu den Tieren.

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Weihnachten, das heißt helfen
„Weihnachten ist für uns Freude, Dankbarkeit, Bescheidenheit. Und ein bissl denken“. Denken an jene Menschen, denen es schlechter geht als ihnen. Das hat die Annelies von ihrer Mutter übernommen. Zu diesem Denken gesellt sich das Schenken.
Und nachdem sich Hans und Annelies schon das ganze Jahr über Gedanken machten, wen in der Umgebung das Schicksal am härtesten getroffen hat, wandern sie vor dem Heiligen Abend mit einem Geschenkskorb und einem Geldkuvert zu dem Betroffenen, egal ob sie ihn persönlich kennen oder nicht. Jemandem helfen, das ist für Hans und Annelies der Sinn von Weihnachten.

Mit dem Friedenslicht von Bethlehem, das sie vom Feuerwehrhaus geholt haben und das nun in ihren Petroleumlampen flackert, wandern sie hinauf zu ihrer Villa, ein kleines Holzhäuschen am Waldrand. Sie naschen noch von einer Buchtel und trinken ein Schluckerl Tee, als sie in den Sternenhimmel blicken. „Ah, so a Teel is owei eppas guats“. Und weil sie sich an dem Schluck erfreuen, in all ihrer Bescheidenheit und Dankbarkeit, sind sie glücklich.

Mit freundlicher Genehmigung von „Bei ins dahoam“; Text und Fotos: © Bei ins dahoam.

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