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Für Wera ist alles nur ein Spiel

Stefan Fuchs aus Itter erzählt von seiner Rettungshündin.

Stefan und Wera@Stefan Fuchs

„Es wår bei einer Übung. I hob mi eingråbn und suachn låssn. Und wia i da drin gsteckt bin im Schnee, in da Dunkelheit und Kältn, und da Hund kemma is, wia er gschnauft und gråbn håt, und mi „grettet“ håt, då håb i gwusst: I mecht a so an Hund, des muass a gewaltiges Gfühl sein, auf die Art a Menschenleben zu rettn.“
So war das damals, als der Itterer Stefan Fuchs, ein 70er Jahrgang, auf den Hund oder zumindest auf die Idee dazu gekommen ist. 20 Jahre alt war er zu dieser Zeit. Jetzt liegt der Hund, genau genommen eine Hündin, nämlich Wera, eine schöne Deutsche Schäferhündin, ausgestreckt auf dem Küchenboden in der wärmenden Sonne. Zuhause in Stefans kleinem Bauernhäusl gegenüber der Salvista Bergbahn, das er gemeinsam mit seiner Frau Bianca hergerichtet hat.

Der Anfang war gar nicht einfach
Stefan ist dreifacher Installateur-Meister für Gas, Wasser und Heizung, seit Jahren aber Werkstättenlehrer an der HTL in Jenbach. Er ist Mitglied der Lawinenkommission Hopfgarten, Gemeinderat in Itter und seit 8 Jahren Bezirksleiter der Lawinenhundestaffel der Bergrettung Tirol. Und obwohl er schon sehr lange wusste, dass er mit Hunden arbeiten wollte, lief das nicht gleich reibungslos. Einen Lawinenhund schafft man sich offensichtlich nicht einfach so an, da muss schon alles passen.
Stefan war schließlich 28, als er sich seinen ersten tierischen Partner holte und ihn fleißig trainierte, viel Zeit und Liebe investierte . Der Traum vom gemeinsamen Einsatz platze jäh, als der Hund unter ein Auto geriet und getötet wurde. Der zweite Schäferhund, den Stefan zu sich holte, hatte einen Hüftschaden und war nicht einsetzbar – das stellte sich erst im Laufe der Zeit heraus. Aber dann, ja dann kam Samos. Stefans Augen leuchten auf. Hinterm Küchentisch, an dem wir sitzen, ist ein Foto von ihm aufgestellt. Stolz schaut er da in die Kamera, Stefans erster „richtiger“ Lawinenhund. Leider dauerte das gemeinsame Glück nicht lange. Als Samos 7 Jahre alt war, verletzte er sich bei einem Einsatz im Zillertal und erholte sich nie mehr ganz richtig davon. Dabei war Samos Einsatz, den er so teuer bezahlt hat, ganz umsonst: Die Truppe suchte damals auf der falschen Bergseite und damit vergeblich nach der vermissten Person. Zwei Jahre später trafen Stefan und Bianca die schmerzvolle Entscheidung, ihren Samos einschläfern zu lassen. „Des is auch Tierliebe“, meint er dazu, „diesen Schritt zu setzen, wenns nicht mehr geht und des Tier net leiden zu lassen.“
Noch zu Samos Lebzeiten kam Wera in die Familie. „14 Monate oit wårs, wia mas kriagt håbn.“ Ein zärtlicher Blick streift das schlafende Tier. Wera kam aus dem Zillertal, Stefan und Bianca übernahmen sie von ihrem früheren Besitzer, der mit ihr nicht zurecht kam. „Sie wår sehr stürmisch ånfångs, mia håbn uns scho erst zåmmraffn miassn.“
Aber mit viel Liebe und Training entwickelte sich Wera bald in die gewünschte Richtung. A propos Training. So ein Hund braucht ja viel Beschäftigung, und damit ist nicht nur Spazierengehen gemeint. Auch der Kopf muss gefordert werden. Trainiert Stefan jeden Tag mit ihr? „Eigentlich schon, wobei des net immer a Suchtraining is. Wenn i zum Beispiel in Stall einigeh, drängt sich die Wera natürlich vor und mecht z'erst eini. Des låss i ihr net durchgehen. Training hoasst für mi auch, die Regeln im Rudel täglich zu bestätigen. I bin da Chef, des muass ma sie jeden Tag wieder wissen låssn.“
Wera beim Suchen@Stefan Fuchs

„Richtiges Training“ ist natürlich das Wichtigste. Das bezirksweite Lawinentraining findet alle zwei bis drei Wochen statt, in kleineren Gruppen wird jede Woche trainiert. Das heißt: Im Winter geht es mit den Hunden auf den Berg, dort werden Schneelöcher gegraben, zwei bis vier Leute lassen sich „verschütten“, und einige Hunde suchen dann. Derzeit gibt es 6 Einsatzhunde im Bezirk und einen „Anwärter“.
Die Ausbildung eines Lawinenhundes dauert drei Jahre. Für den ersten Kurs, den A-Kurs, muss der Hund mindestens ein Jahr alt sein. Ein Jahr darauf folgt der B-Kurs mit der Prüfung, ab diesem Zeitpunkt kann der Hund auf Einsätzen mitgenommen werden.

Suche mit Sonde@Stefan Fuchs

Mit drei Jahren kann der vierbeinige Retter die C-Prüfung ablegen, bei dieser wird auch viel Wert auf die Taktik bei der Vorgehensweise des Rettungseinsatzes gelegt – es geht also um Teamwork.
Weitere Pflichttermine für jeden Hundeführer sind die Wintereinsatzüberprüfung, die Sommereinsatzüberprüfung, eine Woche Winterkurs im April in Kühtai und weitere 3 Tage Sommerkurs im Bergrettungsausbildungszentrum im Jamtal. Dass sich die Hundeführer untereinander treffen und noch weit mehr Übungseinheiten absolvieren, ist selbstverständlich. Das heißt: Einen Lawinenhund auszubilden und zu führen ist ein sehr, sehr zeitintensives Hobby. Aber vor allem: „Bei dem, wås mia då toan, da geht’s um a Menschenleben“, stellt Stefan klar. Und er zieht einen Vergleich mit einem Hundesportverein, ohne dessen Mitgliedern irgendwas wegzunehmen oder deren Leistungen zu schmälern, schließlich ist er selbst Mitglied und sogar Schriftführer beim Hundeverein Kössen. Doch: „Wenn's då an einem Tåg amoi nit so läuft, håt ma stått an Stockerlplatz oder 100 Punkten hoit nur 90 Punkte. Wenn mia an Einsatz fliagn und mit'n Hund laffts net so richtig, dann is des unter Umständen schwerwiegend.“
Das ist auch das, was Stefan seiner Gruppe immer wieder vor Augen hält: „Wir Hundeführer miassn absolut ehrlich sein. Jeda von uns is schårf auf an Einsatz, wir arbeiten ja des gånze Jahr dafür. Ehrlichkeit is owa des Wichtigste. Wenn mi da Hubschrauber åbhoit und da Hund is net fit, dann steig i net ein. Då gibt’s koa „Probiern mas hoit amoi“. Då steht zu viel aufm Spiel.“

Stefan mit Wera_Helikopter@Stefan Fuchs

Wir Tiroler sind top ausgerüstet
„Wenn mi da Hubschrauber åbhoit“ … Stefan redet so, als wär's a Taxi, das da zu ihm kommt, als gäb's nichts Selbstverständlicheres, als neben der Haustür vom Hubschrauber abgeholt zu werden. Ganz schön cool. „Jå, scho“, grinst er.
Die Einsatzabwicklung über die Leitstelle mit dem Alarmiersystem und Digitalfunk braucht den internationalen Vergleich nicht zu scheuen, da sind wir Tiroler in puncto Technik ganz vorne mit dabei. Stefan erklärt: „Wenn irgendwo a Lawine abgeht und i bin bereit, brauch i nur die Statusmeldung eins druckn, und die Leitstelle woaß, wo i mi aufhoit. Unter Umständ ist dånn in a paar Minuten da Hubschrauber då und nimmt uns mit.“
Im letzten extrem schneearmen Winter haben Stefan und Wera kaum Einsätze gehabt, das ist eher ungewöhnlich. Obwohl inzwischen im Sommer mehr Einsätze zu verzeichnen sind als im Winter – jene im Sommer sie sind meist schwieriger und gefährlicher.

Eine Lebendbergung – der „Übertraum“
Einen ganz bestimmten Einsatz im Winter wird Stefan nie wieder vergessen: In der Wildschönau meldete man eine Lawine, Stefan und Wera wurden geholt. Man vermutete den Verschütteten in einem gewissen Bereich, doch Wera zeigte ganz woanders an. Das heißt, sie buddelte dort wie wild im Schnee. Obwohl es nicht logisch schien, vertraute Stefan seiner Partnerin und seinem Bauchgefühl und wies die Sondiermannschaft an, gemäß Weras Anzeige zu sondieren. Mit Erfolg. Der junge Mann war 50 Minuten lang unter Schnee begraben gewesen, aber dank Wera fand man ihn rechtzeitig – lebend.
„Des ist des Schenste, wenn du a Leben retten kust, des is da Übertraum,“ formuliert es Stefan, „dafür nimmt ma ja alles in Kauf, die gonzen Trainingseinheiten und die viele Zeit, die es braucht.“

Wenn Menschen von euch gerettet werden, dann ist die Dankbarkeit bestimmt riesengroß, frage ich. „Des mecht ma moana, owa so iss net imma“, antwortet Bianca. Sie weiß von Fällen, in denen es die Geretteten kaum der Mühe wert fanden, wenigstens persönlich DANKE zu sagen. Bei anderen entwickeln sich zwischen Retter und Geretteten hingegen echte Freundschaften. Ja, Happy Ends gibt’s auch.
Suche bei Lawinenverschüttung@Stefan Fuchs

Üben für den Ernstfall
Wie viele Jahre kann ein Hund eigentlich im Einsatz bleiben?
Früher wurden Hunde mit 10 Jahren automatisch ausgeschieden, heute obliegt es dem Hundeführer, zu entscheiden, ob sein Tier noch fit genug für Einsätze ist. „Då zählt eben die Ehrlichkeit, då miassn alle – Hunde und Hundeführer – fit sein. Denn oas is klår: Mia woin helfen und måchn Såchn, die andere vielleicht nimma tatn. Wenn då a steile Felswand is, in der a Verunglückter hängt, und es gibt a nur oan Funken von Chånce, dass man dort lebend aussabringen, dann probiern mas.“ Auch wenn es für die Retter Lebensgefahr bedeutet? „Ja, a dånn.“ Puh. Wie geht es Bianca da zuhause, wenn sie auf ihren Stefan wartet? „Då darf i gar net zviel überlegn. Da Stefan håt scho so viel extreme Såchn gmacht, dass i denk, er werd des schon einschätzen können. Wenn's sein will, kann eam jå auch mit'n Auto wås passiern, des håt ma nia in da Taschn.“

Rettungs- und Familienhund
Hunde wie Wera werden auf ihre Einsatzbereitschaft trainiert, sie retten Menschenleben. Das klingt dramatisch, aber nicht lustig. Bleibt auch Raum für Spaß mit dem Vierbeiner? Kann man mit einem Lawinenhund auch kuscheln und spielen wie mit einem „normalen“ Familienhund? „Ja natürlich. Es muass nur immer klar sein, dass der Hundeführer der Rudelchef ist, und der Hund muass unterscheiden lernen, wann Spiel und wann Ernst ist.“ Stefan behauptet seine absolute Chefrolle täglich aufs Neue. Die stellt Wera dann auch nicht in Frage, wenn es heißt, innerhalb von Sekunden von Spiel- auf Einsatzmodus umzustellen.
Bei der Arbeit mit den Hunden geht alles spielerisch, die Arbeit orientiert sich am Rudelverhalten der Tiere. Für Wera ist das Suchen ein Spiel – sie unterscheidet das Suchenspielen daheim nicht von einer Übung oder von einem Einsatz, bei dem es um Menschenleben geht. Herrchen hat „Spielen“ signalisiert, also wird gesucht. Als Belohnung bekommt Wera die „Beißwurst“, denn sie ist auf „Beute“ trainiert. Die Beißwurst liegt gerade ganz unbeachtet auf der Küchenbank. Die wird erst interessant, wenn sie Stefan in die Hand nimmt.
Wera räkelt sich indessen behaglich, gähnt herzhaft und schläft dann weiter. Als ginge sie das alles überhaupt nichts an.
Stefan mit Wera_Gipfelkreuz@Stefan Fuchs

Am Hund allein liegt es nicht
Gute Suchhunde gibt es gar nicht wenige. Allerdings haben nicht alle Herrln so eine gute Ausbildung wie Bergrettungsmann Stefan. Und das ist mitunter ein Problem. Nicht nur einmal ist es vorgekommen, dass ein anderer Hundeführer, der zum Einsatzort kam, nicht mit den Bedingungen am Berg zurecht kam und schließlich selbst von der Bergrettung geborgen werden musste. Nicht umsonst müssen die Hundeführer der Bergrettung ihre Fitness regelmäßig und in unerbittlichen Tests unter Beweis stellen. Wenn der Anruf kommt, Tag oder Nacht, müssen beide in optimaler Form sein: Hund und Herr.
Leider gibt es Menschen, die so überhaupt keinen „Gwåhrer“ haben für das, was die Bergrettung leistet. Menschen, die leichtsinnig gefährliche Situationen heraufbeschwören; die gedankenlos Suchaktionen am Berg auslösen, weil sie sich überschätzen, schlecht ausgerüstet sind, bei ihren Angehörigen oder Vermietern nicht melden. Stefan meint nur: „Des is hoit so“, Bianca regt das mehr auf. Denn immer wieder kommt es vor, dass ihr Mann von einer Minute auf die andere weg muss, zu teils gefährlichen Einsätzen, die leichtfertig ausgelöst wurden.

Zum Glück ist Stefan nicht allein unterwegs, meist ist Wera mit dabei. Die beiden passen gut aufeinander auf. Und jetzt spitzt Wera auch ein Ohr. Hat Herrchen da gerade zur Beißwurst gegriffen? Mit einem Satz ist sie auf den Beinen, bereit, gleich wie wild nach ihrer „Beute“ zu suchen. Jetzt ist es nur ein Spiel. Aber schon in der nächsten Sekunde könnte ein Funkspruch eintreffen, der Ernst daraus macht. Stefan und Wera sind bereit.

Mit freundlicher Genehmigung von „Bei ins dahoam“; Text und Fotos: © Bei ins dahoam.

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