Ihr Urlaub in

Wählen Sie Ihren gewünschten Urlaubsort

Kitzbühel

Wilder Kaiser

Wählen Sie Ihr Anreisedatum

Wählen Sie Ihr Abreisedatum

  • 1 Nacht

  • 2 Nächte

  • 3 Nächte

  • 4 Nächte

  • 5 Nächte

  • 6 Nächte

  • 7 Nächte

  • 8 Nächte

  • 9 Nächte

  • 10 Nächte

  • 11 Nächte

  • 12 Nächte

  • 13 Nächte

  • 14 Nächte

Wählen Sie die gewünschten Zimmer / Appartements

1 Erwachsener
2 Erwachsene
Familie & mehr
Auswahl übernehmen

Anreisetag

Suchen

Der Pfarrer und sein Drache

Warum im kleinen Wallfahrtsort Mariastein ein Drache singt und die Glocken mal froh, mal traurig läuten.

Es war einmal eine Burg, die thronte auf einem Felsspitz und blickte über das Tal. Ganz oben in ihrem Turm befand sich eine Kirche, und auch funkelnde Schätze waren dort zu finden. Tag für Tag kamen viele Menschen aus nah und fern und erklommen die 150 Stufen, um oben im Turm zu beten, die Schätze zu bewundern und ein Lichtlein anzuzünden. Sie kamen um zu danken und zu bitten und der Mutter Gottes ihr Leid zu klagen, und viele von ihnen gingen getröstet wieder nach Hause.
Auf der Burg wohnte ein frommer Gottesdiener mit seinem Drachen. Es war ein hübscher Drache mit leuchtend grünen Augen. Er besorgte den Haushalt des Frommen und leistete ihm Gesellschaft. Außerdem pfiff und sang er den ganzen Tag. Nur wenn er traurig war, war alles still im Haus. Und selten, ganz selten, spie er ein wenig Feuer.

Einsamkeit gehört dazu

So trug es sich zu in Mariastein, und so ist es noch heute. Pfarrer Mag. Matthias Oberascher betreut die Wallfahrtskirche und die vielen Pilger, die jedes Jahr in den kleinen Ort kommen – um zu beten und die Tiroler Landesinsignien mit dem Erzherzogshut und dem Zepter zu bewundern, die in der Kirche ganz oben im Turm ausgestellt sind.
Ihm zur Seite steht Veronika, seine „Pfarrköchin“. Pfarrer „Hias“ oder „Matthias“, wie er in Mariastein genannt wird, stammt aus dem Salzkammergut. Er wuchs als einer von 6 Buben auf einem Bauernhof in Hof bei Salzburg auf. „Dahoam san ma recht åschadig g’legn“, erzählt er, „owa de kirchlichen Feste håbn Leben und Farbe bråcht.“ Sie legten auch den Grundstein für Matthias spätere Entscheidung, Pfarrer zu werden. Auch wenn nicht immer alles leicht war und ist: Er hat es nie bereut, dass er diesen Weg gegangen ist. Aber fühlt er sich auf seiner „Burg“ in Mariastein – allein, ohne eigene Familie – nicht oft auch einsam? „Sicher, a gewisse Einsamkeit gehört dazu,“ gesteht er. „Owa die aller einsamsten Leit sand oft de in da Ehe, då bin i draufkemma.“

Warum Vroni der Drache ist

Der heute 63jährige Matthias begann seinen Weg als Diakon-Praktikant in Strasswalchen, danach war er Kooperator in Hopfgarten und 14 Jahre lang Pfarrer in den beiden Gemeinden
St. Georgen im Pinzgau und Fusch an der Glocknerstraße. 1999 kam er nach Mariastein. In all den Jahren als Pfarrer standen ihm immer Frauen zur Seite, die den Haushalt für ihn erledigten, seine Sekretärin und auch Vertraute waren. Die erste war Fini, sie sorgte für den jungen Geistlichen wie eine Mutter. Die zweite, Loisi, war ihm wie eine Schwester. Vroni ist ihm nun wie eine Tochter. Zwischen den beiden herrscht eine liebevolle Verbindung. „Gibts heit går koa Schnapserl?“ fragt Matthias, als Veronika ein Glas Wasser einschenkt. Natürlich gibt es eines, gleich springt Vroni auf. Wir sitzen im Wohnzimmer des Pfarrers am großen runden Tisch. Die Wohnung ist sehr bescheiden aber gemütlich eingerichtet. Viel Licht haben die beiden nicht in den Räumen, aber Veronikas Gesicht strahlt umso mehr.
Warum soll sie in der Geschichte der Drache sein? Der Pfarrer klärt mich auf: Der Schutzpatron der Pfarrer ist der heilige
Georg. Meistens ist er mit einem Drachen dargestellt. Den Rest kann ich mir zusammen reimen.

Traumjob Pfarrhaushälterin?

Veronika Mayr, 42 Jahre alt, hat ihre Stelle vor gut einem Jahr angetreten. Der Grund dafür war ein trauriger: Loisi, die bisherige Pfarrhaushälterin, erkrankte schwer und ging in Pension. Wer sollte ihre Nachfolgerin werden? Der entscheidende Tipp kam vom Bürgermeister, er fädelte die ganze Sache ein. Denn Vroni ist seine Nachbarin und er wusste, dass sie eventuell für die Stelle in Frage kommen könnte. Ein „ganz normaler“ Job ist die Position der Pfarrköchin ja nicht. Kaum jemand hat eine Vorstellung davon, was die Stelle ausmacht, was man mitbringen sollte. Muss man sehr gläubig sein oder reicht normal gläubig aus? „An Bezug sollte ma håbn, owa månchmoi iss a nit schlecht, wenn jemand gånz unbekümmert is. Es gibt Haushälterinnen, de san ärger wia da Pfarrer, also bei da Frömmigkeit. Des ku schwierig sein.“
Wie ist es, so eng mit dem Pfarrer zusammen zu arbeiten – einer Person mit einer doch besonderen Stellung in der Gesellschaft. Wird sie den ganzen Anforderungen gerecht sein? Vroni quälte sich mit diesen und vielen anderen Fragen. Nach schlaflosen Nächten und gutem Zureden der Nachbarin getraute sie sich schließlich, es zumindest zu versuchen. Und es klappte. Sie kam in die Burg und brachte viel Jugendlichkeit und Fröhlichkeit mit. Wie eine gute Tochter. Dazu hat Matthias gleich auch noch Schwiegersohn Manfred und drei Enkelkinder bekommen:
Sophia, Simon und Elisabeth.
Wenn Vroni in der Früh zur Arbeit geht und in den Pilgerhof kommt, läutet sie kurz an der großen Herz Maria Glocke. Der Pfarrer weiß dann, dass sie da ist.
„Då håt er an Vorsprung,“ lacht sie und ihre grünen Augen blinken schelmisch. Bei der Arbeit singt und pfeift sie. Je nach Lust und Laune. Oft genügt ein Stichwort, und Vroni hat das passende Lied dazu auf den Lippen. „Mågst a Stückerl Kuchen?“ fragt sie und trällert gleich darauf: „Hätt ich gewusst, dass du kommst, dann hätt ich Kuchen da…“
Nur wenn Vroni traurig ist, erklingen keine Lieder. Still war es im Haus, als Loisi, ihre Vorgängerin, gestorben ist. Und als der Pfarrer ins Krankenhaus musste, auch. Sie ist inzwischen in ihre Rolle hineingewachsen. Am Anfang war schon alles etwas ungewohnt für die lebenslustige „Thierbeckerin“, die seit 20 Jahren in Mariastein lebt. Letztes Jahr beispielsweise war sie auf einer Ausflugsfahrt so ausgelassen und „gut drauf“, dass sie vorne beim Busfahrer mit ihren Witzen und Schwänken den ganzen Bus unterhielt. Der eine oder andere Pfarrer-Witz war auch dabei. Das wurde ihr aber erst im Nachhinein richtig bewusst. Kaum zu Hause angekommen, legte sie deshalb Beichte ab bei ihrem Chef. „Nur dass d’es woasst, wenn dir wås zu Ohren kimmt – des stimmt ois.“ „Jetzt bin i seriöser word’n“, lacht sie.

Der „Gloggn-Hias“ und seine Leidenschaft

Der Pfarrer singt auch leidenschaftlich gerne und gut. Er liebt die feierlichen Gesänge der Ostkirche, ist Ostkirchenreferent der Erzdiözese. Als 13jähriger kam Matthias einmal heim vom sonntäglichen Kirchgang und hörte gemeinsam mit dem Vater zufällig die Übertragung eines ostkirchlichen Gottesdienstes im Radio. Beide waren fasziniert, klebten mit den Ohren am Gerät. In den nächsten Wochen ging Matthias nach dem Gottesdienst immer gleich nach Hause, in der Hoffnung, die wunderbaren Gesänge, die ihn so sehr berührt hatten, wieder zu hören. Leider vergeblich. Doch später entdeckte er sie wieder.
So manch einer kennt Matthias als den „Gloggen-Hias“. Sein Faible für Glocken hängt mit der Liebe zur Musik zusammen. Bis zu 50 Töne schwingen in einem Glockenschlag mit. „Je nachdem, wias uns gråd geht, hean ma mehr de tiaferen oder die höheren Töne, amoi mehr Dur-Töne, dånn wieder mehr Moll“, weiß er. So kann es sein, dass ein und dasselbe Geläute bei einer Hochzeit in unseren Ohren hell und freudig klingt, bei einem Begräbnis aber tiefer und trauriger.
Und weil wir beim Thema Glocken bleiben, erzählt Matthias die folgende Geschichte: Als junger Praktikant traf er in den Sommerferien einen Soldaten. Jener war, wie der ganze Jahrgang in seinem Dorf, in den ersten Kriegsjahren des zweiten Weltkrieges „dem Führer zum Geschenk“ gemacht worden. Die jungen Soldaten kamen nach Frankreich an die Front und lagerten auf einem großen Feld. Ganz in der Nähe stand eine große Wallfahrtskirche, deren Glocken jeden Abend einige Minuten lang
läuteten. Eines Tages bekamen sie den Befehl, den Motor der Glocken auszubauen. Der Grund: Das Geläute weckte in den Männern das Heimweh. Manche weinten. Andere beteten mit ihrem Rosenkranz, den ihnen die Mutter in die Taschen gesteckt hatte. Die Glocken erfüllten ihr Herz mit Frieden – mitten im Kriegsgebiet.
„Schaug, is mei Glockenvogl jå doch nit so schlecht“, dachte Matthias bei sich. Heute ist er der Überzeugung: „Immer wenn Glocken nit läuten haben dürfen, waren es schlechte Zeiten. Mia gemma koana guat’n Zeit entgegen, wenn die Glockn nit leit’n derfn.“

Familienanschluss

Jetzt läutet die Glocke an der Haustüre. Es ist Gabi, die Volksschullehrerin. Die Erstkommunionkinder kommen an diesem Tag zum ersten Mal zur Beichte. „Mei, des is Engl åstab’n“, lächelt Matthias.
Kindern den Glauben näher zu bringen, ist besonders schön. Schmunzelnd erinnert er sich an eine Begebenheit in der Schule: Als Kooperator erzählte er den Kindern von der Fußwaschung und wollte sie mit ihnen nachspielen. Alle waren begeistert von der Idee. Als er jedoch das Wasser in eine Waschschüssel laufen ließ, hörte er die Buben hinter seinem Rücken flüstern: „Ziagst du de Socken aus? Na, und du? I a nit.“ So wurde untereinander getuschelt und hin und her diskutiert. Als das Wasser bereitet war, platzte ein Bub mit hochrotem Kopf schließlich heraus: „Herr Kooperator, spü mas next’ Woch.“

Vroni lacht herzlich über das Erzählte. Und Matthias streicht sich über den Rauschebart. Es wird jetzt Zeit, er muss „Engl åstab’n“ gehen. Veronika schenkt uns noch einen Kaffee ein. In den kommenden Tagen hat ihre Jüngste, Elisabeth, Geburtstag. Natürlich wird der Pfarrer mitfeiern. Wenn Matthias an so manchem Sonntag bei ihr zuhause mit am Tisch sitzt, ist das für ihre Lieben mittlerweile ganz normal. „Da Pfårra g’hört jetzt zu unserer Familie“, meinte Elisabeth vor kurzem. Und Simon, ihr Bruder, hat dem Matthias sogar schon einmal sein Bett angeboten. Das will etwas heißen. Es heißt, dass sich da zwei gefunden haben, der Pfarrer und sein Drache.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
Mit freundlicher Genehmigung von „Bei ins dahoam“; Text und Fotos: © Bei ins dahoam.

Bitte warten

Informationen werden geladen...