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Das Schicksals-Schloss

Litzlbauer Hans Fuchs erzählt von Glanz und Dramatik auf Schloss Itter

Hans

Mächtig thront es da oben am Eingang des Brixentales mit seinen dicken Mauern, den Zinnen und Türmen. Wir alle kennen das Schloss Itter vom Vorbeifahren, haben schon hinauf geschaut. Aber kaum jemand von uns hat es je betreten. Seit Jahrzehnten ist es in Privatbesitz und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Umso geheimnisvoller erscheint die Burg, um die sich viele Mythen, Legenden und Gerüchte ranken. Wir haben mit jemandem gesprochen, der dort vor vielen Jahren ganz selbstverständlich ein- und ausging.

Hans Fuchs, der „Litzlbauer“ in Itter, war damals Bürgermeister der kleinen Gemeinde. Mit Wilhelm Woldrich, dem Besitzer des Schlosses in diesen Tagen, hatte er immer wieder zu tun. Wir sitzen in der Bauernstube bei ihm zuhause, Hans hat Schriftstücke, Fotos und Zeitungsartikel vorbereitet und was noch wichtiger ist: Er hat den ganzen Kopf voller persönlicher Erlebnisse, die ihn mit Schloss Itter verbinden. Im Februar dieses Jahres wurde in Itter das Buch „Die letzte Schlacht“ von Andreas Wirthensohn präsentiert. Es schildert den Kampf um das Schloss in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges. Hans Fuchs war damals als Kind hautnah dabei. Er erzählt mir, wie er die dramatischen Szenen erlebt hat.

Aber zuvor schauen wir uns die ganze Geschichte des Schlosses an, und zwar von Anfang an.

Erbaut und wieder zerstört

ÄltesteAufnahmeca.1890

Niemand kann heute genau sagen, wann die Burg erbaut wurde. Sie diente als Grenzfeste des Hochstiftes Regensburg zur Überwachung des Eingangs des Brixentals gegen das Bistum Salzburg und wurde 1241 erstmals urkundlich erwähnt.
Im 14. Jahrhundert waren Gericht und Pflege Itter auf der Burg ansässig. Im 16. Jahrhundert wurde das Bauwerk in den Bauernaufständen von Pinzgauer Bauern zerstört und wieder aufgebaut.
Während der Besatzungszeit der Napoleonischen Kriege überließ die bayerische Regierung die Ruine der Gemeinde Itter für einen symbolischen Baupfennig von 15 Gulden. Diese erlaubte den heimischen Bauern, sie als Steinbruch zu verwenden und sich am Baumaterial zu bedienen.
1878 kaufte ein Unternehmer aus München das Areal. Er ließ das heutige Schloss auf den Grundmauern erbauen und machte daraus eine „Fremdenpension“ mit 50 Zimmern.
„1884 erwarb die Pianistin Sophie Menter das Anwesen. Neues Leben blühte aus den Ruinen. Es wurde gebaut, Freunde und Schüler kamen aus allen Weltteilen - Russische Großfürsten, Engländer, Peter I. Tschaikowsky, Sapelnikof, Chopin und viele andere. In den vielen Zimmern erklangen die Klaviere, und in den Gärten miauten die fünfzig Katzen, die sich die Menter hielt. Kaum hatte Sophie Menter das Schloss erworben, eilte Franz Liszt in das „Zauberschloss“ seiner Freundin und Schülerin und blieb dort viele Wochen. In den Gärten standen die Leute atemstill und andächtig, wenn die göttlichen Töne über das Land fluteten. Die Schlossherrin feierte rauschende Künstlerfeste, von denen die Itterer noch heute erzählen.“ (aus den Aufzeichnungen von Franz Gruener).
Aus finanziellen Gründen war die Künstlerin 1902 gezwungen, das Schloss zu verkaufen. Es ging an den Großindustriellen Eugen Mayer in Berlin. Er ließ das Bauwerk im neugotischen Stil mit Anklängen an den Tudorstil umbauen. Unter diesen Eigentümern wurde – mit großem Aufwand – der Bau zu einem Repräsentationssitz der Belle Epoque. Was war das für ein fürstliches Leben in den alten Mauern.

Die Schlacht um Schloss Itter

Doch dann kam der erste Weltkrieg, der zweite folgte, und damit wurde alles anders auf Schloss Itter. Die Nazis enteigneten den Besitzer und funktionierten das Schloss – damals Luxushotel –zu einer Außenstelle des Konzentrationslagers Dachau um.
Man hielt hier sogenannte „Ehrenhäftlinge“ fest - als Geiseln, mit denen man nach Bedarf Druck auf Frankreich ausüben wollte. Denn unter den Gefangenen waren vor allem Mitglieder der französischen Exilregierung zu finden: Édouard Daladier und Paul Reynaud (beide ehemalige Staatschefs Frankreichs), Marie-Agnès de Gaulle (Schwester von Charles de Gaulle), der Politiker und Tennisstar Jean Borotra, die Generäle Maurice Gamelin und Maxime Weygand und der ehemalige Ministerpräsident von Italien, Francesco Saverio Nitti.

Hans Fuchs hat die Namen alle notiert, so wie er die ganzen Geschehnisse, die er persönlich erlebt hat, schriftlich auf ein paar Blättern für sich festgehalten hat. Es sind wichtige Zeitdokumente. Denn Hans Fuchs war damals, in diesen dramatischen Tagen 1945, als der Krieg zu Ende ging und es zur berühmten Schlacht um das Schloss Itter kam, 14 Jahre alt. Und was er damals alles erlebt hat, ist heute fast unvorstellbar.

Am 2. Mai 1945 bekam Lagerkommandant Hauptsturmführer Wimmer von Heinrich Himmler den Auftrag, alle Insassen auf Schloss Itter zu liquidieren. „Des håt er net tu. Er håt seiner Mannschaft gsågt, so, jetzt toats die Waffn abgeben, und zwår a de Franzosn.“ Aber die wollten sie nicht annehmen, sich nicht selbst verteidigen. Sie hofften auf die Befreiung. Und baten den Koch, mit dem Fahrrad den Amerikanern entgegen zu fahren und Hilfe zu holen. Besagter Koch erzählte dies selbst dem Hans, als er 1972 Urlaub in Itter machte. Er war Dachauer Häftling gewesen und von 1943 bis 45 als Koch und Hausmeister auf Schloss Itter eingesetzt worden.

Da die Häftlinge keine Waffen wollten, brachte man sie nach Wörgl und übergab sie der Wider-standsbewegung, die sich dort formiert hatte. Die Garde der Wachen zerstreute sich in alle Winde. „De håbn de Uniformen vasteckt und håbn gschaut, dass davu kemman“.
Am 4. Mai marschierten Regimenter weise notausgebildete, blutjunge SS-Garden nach Itter. „Wås geids då eppa“, wunderte sich Hans, als er sie vom Fenster aus sah. Sie kamen, um das zu tun, was Wimmer nicht getan hatte.
An diesem Tag, es war ein Samstag, erinnert sich Hans, wurde Schloss Itter beschossen. „Es håt ugfång schnoin, Kanonen håbn gschossn, a pår hundert Mann hättn des Schloss Itter gestürmt.“ Hans war da gerade ganz in der Nähe des Schlosses beim „Rossdung utoa“ und brachte sich schleunigst in Deckung, als er die Kugeln pfeifen hörte.
„Då san dann da Major Gangl und die Widerstandbewegung von Wörgl zu Hilfe kemman, weils gmerkt håbn, dass do obn so schiach zuageht, und sie håbn sich auf die Seit vo de Inhaftierten gstellt, hobn des abgewehrt und in die Kämpfe Ruhe bråcht.“ Gangl verlor dabei sein Leben.
Als um ca. 15 Uhr kaum mehr was zu hören war, musste Hans, neugierig wie er war, doch nachschauen gehen. Zwischen dem Gasthof Itter und dem Dörfl beobachtete er, wie die Amerikaner die SS-Soldaten entwaffnet haben.

Nach dem Kampf

AlteAnsichtSchloss

Eine Woche nach Schlossbefreiung bat der Totengräber, Hans Onkel, der alte Schneider Sepp, den Hans, ihm beim Abtransport von drei Leichen vom Bergbauernhof Barml zum Friedhof zu helfen. Hans staunte nicht schlecht, als er den Toten erkannte. Es war Hitlers Leibstandartenführer der SS, John Miller, der sich auf dem Bauernhof über eine Woche lang versteckt hatte. Er hatte Frau und Kind erschossen und sich selbst die Pulsadern aufgeschnitten. „Des Zimmer håt schrecklich ausgschaut.“ Nachdem Hans die drei Särge im Friedhof vom Leiterwagen abgeladen hatte, kam der Pfarrer und wies ihn an, den Sarg des Mörders und Selbstmörders wieder mitzunehmen und woanders zu vergraben. Er wollte ihn nicht am christlichen Friedhof haben. Also nahm Hans ihn wieder mit und half seinem Onkel später, den Sarg des hochrangigen SS-Offiziers neben dem alten Sauangergatter zu verscharren. Hans kann es nicht mit Bestimmtheit sagen, aber er denkt, John Miller war verwandt mit dem berühmten Musiker Glen Miller.
Die Leichen wurden Jahre später exhumiert und nach Deutschland überführt.

Was wurde aus Wimmer?
Keiner weiß das so gut wie Hans: „Der Wimmer Wast“ ließ sich vor der Befreiung von den Häftlingen eine schriftliche Bescheinigung seines Wohlverhaltens geben und gab seinen 25 Wachsoldaten noch 2 Tage vor der amerikanischen Befreiung den Rat, das Weite zu suchen. Er selbst konnte sich durch seine guten Kontakte zum Mühltalwirt auf dessen Alm Grundried unter einem Heustock verstecken. Er wollte sich nicht den Amerikanern ausliefern, sondern wartete, bis die Franzosen als Besatzer kamen. Er musste sich dann wohl vorstellen, wurde aber nicht inhaftiert und konnte sich frei bewegen.

Er nahm später eine Arbeitsstelle bei der Biochemie in Kundl an. Hans half ihm, sein restliches Hab und Gut mit einem Leiterwagen, vor den er das brave Pferd Lora spannte, nach Kundl zu chauffieren, wo er eine Wohnung gefunden hatte. Zwei Jahre später nahm sich Wimmer das Leben. Seine Dachauer Vergangenheit hatte ihn wohl eingeholt.

Das alles spielte sich vor 70 Jahren ab. Für Hans ist es, als wäre es gestern gewesen.
Nach dem Krieg kaufte ein Amerikaner das zerschossene Schloss. 1950 erwarb es Willi Woldrich und machte daraus ein Luxus-Hotel. Später übernahm es eine Aktionärsgesellschaft, der auch Niki Lauda angehörte. 1985 schließlich ging es in Privatbesitz über.

Hans Fuchs, der von 1968 an 20 Jahre lang Bürgermeister von Itter war, hatte immer eine enge Beziehung zu Schloss Itter. Vielleicht auch deshalb, weil er in seiner Jugend so unmittelbar mit den Ereignissen verbunden war.
Er denkt an die dramatischen Tage von damals, wenn er vom Dorf hinüberschaut zum Schloss, an die vielen menschlichen Schicksale, die sich hier entschieden, aber auch an die glanzvollen Zeiten, die das Schloss erlebte, als noch die Künstlerfeste gefeiert wurden und die Katzen der Menta im Garten zur Klaviermusik miauten.

Mit freundlicher Genehmigung von „Bei ins dahoam“; Text und Fotos: © Bei ins dahoam.

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