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Der Hengstinger und der Rossinger

Warum Bernhard Ettl und Pep Schiessl gerne die Zügel in der Hand halten.

Geschichte um den Hengstauftrieb

Wir sitzen in einem kleinen Stüberl über den Hengsten in dem auffälligen, runden Gebäude der Hengststation Weitau. Unten hören wir sie stampfen und wiehern, während wir gemütlich plaudern.
Bernhard Ettl ist der „Hengstinger“, er ist seit 7 Jahren zuständig für die imposanten Noriker Deckhengste des Tiroler Noriker Pferdezuchtverbandes, die hier gehalten werden. Natürlich ist er beim jährlichen Hengstauftrieb in Aschau mit dabei. Er ist es auch, der die Sommermonate mit seinen Schützlingen auf der Stallbachkaralm verbringt.
Der Hengstauftrieb auf der Hengstalm ist mittlerweile zu einem fixen „Event“ geworden, das über tausend Zuschauer anzieht. Es sind eindrucksvolle und unvergessliche Momente, wenn die mächtigen Tiere in dem eingezäunten Stück Weide aufeinander losgehen, um ihre Rangordnung festzulegen. Wenn sich der Tigerschecke aufbäumt, mit gefletschten Zähnen und rollenden Augen auf den Rappen stürzt. Und der Fuchshengst mit gewaltigen Tritten seiner mächtigen Hinterhand gegen den Mohrenkopf schlägt. Das Geräusch des dumpfen Aufpralls seiner Hufe auf seinem Widersacher ist schauerlich, das dunkle Grollen und Wiehern aus den Kehlen der kämpfenden Hengste angsteinflößend. Nein, da hinein zwischen diese Kolosse würde sich in diesen Momenten niemand wagen.
Es sind meist die Deckhengste des Verbandes, die ihre Kräfte beim Hengstauftrieb messen, manchmal sind auch private dabei. Die erste Rauferei dauert bis zu drei Stunden, dann sind die ersten Kräfte erschöpft, die Rangordnung ist fürs erste geklärt. Nach 5 Tagen kommen die Hengste dann auf ihr endgültiges Sommerdomizil, die Stallbachkaralm.

Pferd und Mensch auf der Alm

Geschichte um den Hengstauftrieb

Die Hengste sind Tag und Nacht draußen und haben keinen Unterstand. Schutz bietet der Wald. Dieser intensive Naturkontakt stärkt ihr Immunsystem. Auf der Alm trainieren sie zudem Gleichgewicht, Trittsicherheit und Motorik.

Bernhard wacht den ganzen Sommer lang über seine Kerle, füttert Heu zu und schaut, ob alle gesund und munter sind. Das ist aber nicht seine einzige Aufgabe. Er kümmert sich auch um 160 Stück Jungvieh ganz in der Nähe. Jeden Tag zählt er alle durch. Wie soll das gehen, frage ich nach, tragen die Nummern am Rücken? „Na“, lacht Bernhard, „de san gruppenweise unterwegs, då brauch i nur z’sammzählen.“
Auf der Alm gibt es keinen Handyempfang, keinen Strom, keinen Fernseher, nur Solarlicht. Und die Hengste. „Des is mei Auszeit, de genieß i“, gibt er zu.
So wild und ungestüm sich die Hengste beim Auftrieb präsentieren, so sanft können sie auch sein. Das ist es, was Bernhard Ettl und andere Norikerfreunde so fasziniert: Dass diese schwergewichtigen Pferde mit ihrer unheimlichen Kraft im Prinzip so freundlich und brav im Umgang sind. Wenn sie es darauf anlegen würden, könnten sie mit ihren 800 bis 900 Kilogramm Kampfgewicht jeden Zaun niederreißen und alles überrennen, was sich ihnen in den Weg stellt. Aber das tun sie nicht. Pferde sind Fluchttiere, die den Menschen als Rudelführer und Chef akzeptieren, wenn sie richtig behandelt werden. Aber: Schoßhündchen sind die Hengste nicht. „Då hoaßts scho immer aufpass’n und konsequent sein. Gråd in de Wintermonate staut sich bei de Kerle recht viel Energie auf“, erzählt er. Wie als Antwort darauf ist von unten ein lautes Wiehern zu hören.
Zum Energieabbau spannt Bernhard sie am liebsten vor die Kutsche. Nach zwei Stunden im Gelände sind die Hengste wieder ausgeglichen und ruhig. „Das Pferd is a Lauftier, so kånn ma am meisten g’winnen, mit Härte kimmst nit weit.“

Im März, wenn die Decksaison beginnt, werden die Jungs dann ohnehin wieder ruhiger. Ausgenommen natürlich in den Augenblicken, in denen ein Auto mit Anhänger in das Gelände einfährt. Dann wissen die Hengste sofort, dass „Arbeit“ kommt und machen lautstark ihre Ansprüche geltend. Natürlich reißen sich alle um die liebestollen, rossigen „Mädels“. Wie hält man 900 Kilogramm vor Aufregung und bebender Gier dampfende Muskelmasse zurück, wenn sie eine paarungsbereite Stute vor der Nase hat? Mit Training, Geduld, Konsequenz – und Mut. „Wichtig is a des G’fühl fürs Pferd, ma muass sich guat einfühlen können, an Grad finden zwischen Strenge und die Natur des Pferdes zu akzeptieren.“

„A guats G’fühl fürs Pferd is wichtig.“

Strenge Zuchtkriterien

Jährlich kommen in Tirol an die 300 Norikerfohlen, davon die Hälfte Hengstfohlen, zur Welt. Nur einer von ihnen wird später als Deckhengst eingesetzt werden, denn die Kriterien sind streng. Der Verband erwirbt seine Hengste wie jene, die sich unter uns wieder lautstark bemerkbar machen, auf den Körungen. Sechs der edlen Tiere stehen derzeit im Rondell. Sie bleiben für gewöhnlich drei Jahre in der Station und wechseln dann in eine andere innerhalb Tirols, damit immer wieder neue Blutlinien zur Verfügung stehen. An die 10.000 bis 16.000 Euro ist jeder dieser Kolosse mit der breiten Brust und den sanften Augen wert.

Ein Steirer steht auf schwere Jungs

Geschichte um den Hengstauftrieb

Bernhard Ettl kommt aus der Südoststeiermark und ist mit den Pferden im elterlichen Reitstall aufgewachsen. Mit 9 Jahren zertrümmerte ihm ein übermütiges Fohlen das Gesicht. Jochbein und Nasenbein gebrochen, Kiefer ebenso. „Eigentlich hätt i mi darauf vo de Pferd fernhoitn solln.“ Das konnte und wollte er nicht. Sein Vater brachte ihn zum Kutschenfahren. Mit dem Einspänner ist Bernhard noch heute auf Turnieren sehr erfolgreich unterwegs. Sein Ziel für 2015 ist der Landesmeister und eine Top-Drei-Platzierung bei den Staatsmeisterschaften.
Der Pferde wegen kam Bernhard einst nach Kitzbühel, der Liebe wegen ist er geblieben. Bernhards Sohn ist jetzt 12 Jahre alt, aber bei der Liebe gab es Veränderungen. Im Mai hat Bernhard seiner Birgit das Jawort gegeben, natürlich standesgemäß mit einer Kutsche, gezogen von vier rabenschwarzen Norikern.
Bernhards schönstes Erlebnis mit „seinen“ Norikern spielte sich auch auf einer Alm ab: Die Bergrettung Kirchberg fragte ihn vor 5 Jahren, ob es nicht möglich wäre, mit dem Pferd das neue Gipfelkreuz auf die Westrachalm zu transportieren. So packte Bernhard die Balken und einiges Material, insgesamt 140 kg, auf „Tango Vulkans“ Rücken und war mit ihm schneller als die übrigen am Ziel…

Pep Schiessl ist der „Rossinger“

Rossinger Pep

Die Tür geht auf. „Servus“, begrüßt Bernhard den Eintretenden. Es ist der „Rossinger“ Pep Schiessl. Er ist Obmann des Norikervereins Kirchberg und züchtet schon seit Jahrzehnten selbst Noriker auf seinem Erlenhof in Kirchberg. Pep ist bei der Organisation des Hengstauftriebes natürlich maßgeblich beteiligt.
Bereits als Bub war der Pep „rossnarisch“. „Hargott, so a Pony wars hoit“, sagte er zum Vater. „Ja wennst ois oanser und zwoarer im Zeignis håst, dann passt des“, meint dieser. „Des is natürlich a Ding da Unmöglichkeit gwesn“, lacht Pep. Also hat er warten müssen. Aber mit dem Geld, das ihm nach dem „Barass“ noch übrig blieb, kauft er sich seine erste Stute, erzählt der heute 58jährige. Einmal hatte er sogar Zwillinge im Stall, eine absolute Rarität.
Pep Schiessl ist Zimmerer, die Pferde sind sein Hobby, seine Leidenschaft. Warum ausgerechnet Pferde? Pep zuckt ratlos die Schultern. „Des is hoit so.“ Wie soll man jemanden die „Faszination Pferd“ erklären? Dieses Glücksgefühl, das einen allein beim Anblick eines schönen Tieres durchströmt, die Zufriedenheit und Freude, die man empfindet, wenn die eigenen, herausgeputzten Pferde vor die Kutsche gespannt sind…
Pep steckt viel Geld in seine Pferde. Und bekommt eigentlich nicht viel raus. „So a Låpp“, muass ma sågn“, lacht Pep über sich selbst. Erklären kann auch er den „Pferdevirus“ nicht.
Früher fuhr Pep Fiaker, „heit is ma oiwei z’koit“, sagt er. Aber aufgeben will er das Kutschenfahren nicht, auch wenn es nicht ungefährlich ist. „De Pferd, de wås i jetzt hu, de sand a bissl elektrisch,“ meint er. Er hatte immer vor, sich zum 70er zwei brave Wallache „herzurichten“, die er dann bis 90 fährt. „Jetzt warats friara g’recht,“ sagt er augenzwinkernd. „Mechst jetzt liawa Ståndgas fohn?“ witzelt Bernhard.
Nein, denn auch Pep fuhr noch letztes Jahr mit seiner „Samira“ bei der „Tirol Trophy“ mit.

Die Hengste unter uns schlagen und wiehern ungeduldig. Bernhard muss sich an die Arbeit machen, seine Schützlinge warten auf ihre tägliche Ration. Bald geht es wieder auf die Alm. Hugo Vulkan war in den letzten beiden Jahren der „Hågmoa“, der Sieger aus den Kämpfen. Wird er sich auch heuer durchsetzen? Am 21. Juni wissen wir mehr.

„Erklären kann man den „Pferdevirus“ nicht."

TEXT: DORIS MARTINZ
FOTOS: KERSTIN JOENSSON, FOTO BERNHARD, FRITZ SODER, PRIVAT

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