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's Christkindl am Bauernhof

Die Bäuerin Katrin Schwaiger, ihre wunderbare Freundin "Bahnwärter-Lisei" und der Sinn von Weihnachten

Votzenthalhof Bockern
Im Kirchberger Bauernweiler Bockern liegt am Waldrand der wunderschöne Votzenthalhof. Das Friedenslicht flackert in der großen Heukrippe, die mit ihren lebensgroßen Figuren anmutet wie jene im einstigen Betlehem. Maria und Josef sind drin, Ochs und Esel, und in der kleinen Wiege liegt das Christkindl. Am Heiligen Abend, so gegen 18 Uhr treffen die Nachbarn aus der Umgebung mit Laternen ein. Am Balkon blasen Bäuerin Katrin Schweiger und der Thomas Lechner auf Flügelhörnern eine Weihnachtsweise. Katrin hat die Nachbarschaft zum „Christkindl am Bauernhof“ geladen, zum weihnachtlich-besinnlichen Beisammensein.

Von der Eckhäuslerin zur Hoamatkuh

Bethlehem in Bockern

Katrin genießt es, wenn Freunde und Nachbarn auf den Hof kommen. „I wollt scho als Kind amoi a Bäuerin werden“, erzählt sie. Früher war sie eine Eckhäuslerin, also eine, die nicht von einem Bauernhof stammt. „Und jetzt bin i a richtige Hoamkuah gwordn. Und damit i nit aus meinem Hof aussi muass, lad i alle, die was mir was bedeuten, zu ins ein“. Katrin will ihnen Freude schenken, und auch versuchen, ihren Glauben ein bissl weiterzugeben. Ist das nicht ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk? „Ma soll in der heutigen Zeit a amoi daweil haben, um einfach a bissl zu sich zu kommen und spüren zu können, um was es zu Weihnachten eigentlich wirklich geht“. Auf die Idee für diesen schönen Brauch brachte Katrin eine Nachbarin.

"Schick ihn ruhig her. Dann loig i eam scho was vor!"

Und mit dieser Frau verbindet mich auch selbst eine kleine, wenn auch eher subtile Freundschaft. Ich büxe von meinem Büro gern für eine Stunde mit dem Fahrrad aus. Dabei radle ich an einem Bahnhäusl vorbei, vor dem bei schönem Wetter immer gern eine ältere Dame am Stuhl hockte. Mit der Zeit haben wir zwei uns immer zugewinkt. Dann, irgendwann war sie plötzlich weg. Immerfort. Ich hab mich oft gefragt, was wohl aus ihr geworden ist, und erkundige mich bei Katrin. „Bahnwächter-Lisei?“, antwortet sie, „Die is jetzt im Wohn- und Pflegeheim“. Sie war früher die beste Freundin von Katrins geliebter, mittlerweile verstorbenen Oma. Und Lisei erzählte Katrin eben vom Brauch der Hauslehre, bei der früher benachbarte Bauern zusammenkamen, um ihr Verhältnis, auch im christlichen Gedanken, zu pflegen.

Lisei beweist einen trockenen Humor

Ich bitte Katrin, einzufädeln, dass ich Lisei treffen kann. Die wundert sich noch immer, warum der Kerl auf dem Rad nie bei ihr stehengeblieben ist. „Aber schick ihn ruhig her. Dann loig i eam scho was vor!“ So komme ich früher als erwartet ins neue Kirchberger Wohnheim. Ich versuch, mich zu erinnern, wie Lisei genau ausgeschaut hat. Eine ältere Dame rollt im Rollstuhl auf mich zu: „Bist du Lisei?“ Ich muss die Frage wiederholen, weil sie nicht gut hört. „Na, i bin Traudei! ‘s Lisei is da vorn rechts im Zimmer“. Und da drin hockt sie, die Frau vom Bahnhäusl. Ebenfalls im Rollstuhl. Und da ist es gleich wieder, unser gegenseitiges Anlächeln von früher. „Trink dein Kaffee, und fang glei u“, ist es nun sie, die es offenbar eilig hat. Erst am Ende unseres Gesprächs wird sie mir verraten, dass sie anfangs recht nervös war.

Hier im Heim, ist sie da zufrieden? „Woi, woi!“. Die Betreuerinnen sind sehr nett, „Und der Fernseher is mei bester Freund“. Auch mit Zimmerkollegin Nani passt sie sehr gut zusammen. „Des is a Glück. Mir ham an guaten Draht. I red nit viel und sie red nit viel“, scherzt sie. „I bin nit alloa und sie is nit alloa. Aber dahoam war hoit decht dahoam“. Dort zu bleiben, das ging mit einem Oberschenkelbruch allerdings nicht mehr. „Vor meinem Häusl bin i gern ghockt. Hu nix übersechn, die Leut haben mi begrüßt, sind a diam amoi a ghockt bei mir. Schee gwesen, wunderbar“. Ich liebe Liseis fast permanentes Lächeln. „Sie haben amoi gsagt: Lisei, wenn du des rean miassast, was du lachst, dann geht’s dir nit guat!“ Aber auch sie hatte Zeiten, in denen sie verzagt ist. Wie jeder mal im Leben. „Aber das geht neamden nix an“.

Und welche Kindheitserinnerungen hat Lisei an Weihnachten? „Die waren nie schee. I bin als kloans Kind scho wegkommen von der Mam. Dann bin i allwei umanand, oamal doscht, oamal da, immer unter fremde Leut. Mit 18 Jahr bin i zu die Bauern kemmen“. Tragisch, die Mutter konnte sie nicht haben, der Vater kam nur ab und an zu Besuch, lebte in Innsbruck. Besonders schmerzte das die Lisei auch deshalb, weil ihre Schwestern bei der Mutter bleiben durften. „Die oan sind allwei bevorzugt worden und für mi hat niemand Zeit ghabt“. Die Schwestern haben einen anderen Vater. Aber in jener Zeit durfte man sich nicht beschweren. „Schnabeln, da hätt i eh scho oane picken ghabt“.

"I bin eher a Wilde gwesen"

Geschnabelt hat Liseis jüngere Freundin Katrin in jungen Jahren wohl auch des Öfteren. „Meine Mama hat sehr viele graue Haare wegen mir gekriegt“, sagt sie. „I bin Motorradl gfahren, mit jedem Ross geritten, bin eher a Wilde gwesen“. Dabei war sie am liebsten bei den Bauern, und bei den Tieren im Stall und auf der Weide. Wenn sie täglich bis 7 Uhr früh ‚ausgruckt‘ ist, gab’s ein paar Schmusereien zwischendurch. „Und glei nach der Hauptschul hu i ma selber a Spaßbremse gholt, hab ganz lang an Freund ghabt. Auch a wilder Hund“. Und mit 20 hat sie ihren heutigen Mann, den Lois kennengelernt.

Vor der Hochzeit hatte Bahnwächter-Lisei wieder mal ihren trockenen Humor ausgepackt, und deshalb bezeichnet Katrin ihre Freundin als sehr warmherzige, aber roggerne Frau. „I bin da einmal mit meinem zweiten Kind im Kinderwagerl zu ihr oichi spaziert. Sagt Lisei: Na, Katrin, du bist a wohl wieder schwanger!“ Allerdings, da weiß die Katrin selbst noch nichts davon! „Schaust ja aus wie a gspiebene Geascht! Da is woi wieder eppas an Busch!“ Lisei hatte Recht.

Heiligabend sind keine Gäste mehr am Hof

Lisei und Katrin

Ans Christkindl hat Katrin schöne Erinnerungen. Auch weil da stets ihr echter, von der Familie getrennt lebender Stiefvater dabei war. Und ihre geliebte Oma. „Es war geheimnisvoll, wir haben immer gewartet, bis das Glockei läutet“. Und in der Kindheit von ihrem Lois war es: „Spannend, neugierig, viwitzig. Vor uns drei Brüdern war kein Schlüsselloch sicher“. Allerdings, damals kamen noch Touristen von der Straße her, um nach einem Zimmer zu fragen. “Das war doscht die labeste Zeit“. Denn die Gäste waren auch am Heiligabend zu versorgen. Und das sollte schnell gehen, weil es sonst ja noch länger dauerte, bis das Christkind endlich kommt. Dafür gab‘s aber dann auch von den Fremden ein Packerl. „Heute nehmen wir am Heiligen Abend keine Gäste mehr!“ Davon profitieren auch ihre drei Kinder Alois, Lisa und Stefan. Dem bleibt ein Christkindl unvergessen: „Da sind koane Gschenke unterm Christbaum glegen. Alles leer!“ Die Mama hat sich einen Spaß erlaubt. “Da hätt i bald an Herzkasperl kriegt“, erinnert sich Lois. Sowas geht, wenn die Jungen nicht mehr ans Christkind glauben. „Es muss nicht allzu feierlich und höflich sein“, sagt Katrin, „Wichtig nur, dass wir das Lukas-Evangelium lesen“. Außerdem gibt’s Katrins Brief vom Christkindl. „Da stehen die familiären Auf und Abs des abgelaufenen Jahres drin. Es ist sehr intim, und da rearn wir dann immer alle miteinander“. Als Lisa mit acht Jahren versehentlich erfahren hat, dass es das Christkindl gar nicht gibt, da heulten sie auch. Doch solang wir es in unserem Herzen tragen, wird es das Christkindl ja immer geben, nicht wahr?

Ein Heim, ein guter Mensch. Mehr nicht

Katrins Oma Kathl und Lisei

Zurück ins Wohnheim: Viel geheult hat auch die Bahnwächter-Lisei. Weil sie keine Familie hatte. Und wann ist auch mal zu ihr das Glück gekommen? „Wie i meinen Peter kennenglernt hab“, sagt sie. „Dann hat‘s schnell einen Buam abgeben“. Auch noch kurz vor der Heirat. Lisei ist zwanzig, als sie und Peter schließlich eine kleine Kellerwohnung beziehen. „Jetzt hu i gwisst, i hu a Hoam und an guaten Menschen. Mehr brauch i nimmer!“ Trotzdem bekam Lisei fünf Kinder. Und wenigstens die sollten immer schöne Weihnachten haben. „Geht’s amoi aussi!“, forderte Lisei sie auf, damit sie ungestört alles arrangieren konnte. Mit ihren Kindern hat Lisei heute noch ein sehr gutes Verhältnis. Einer ihrer beiden Töchter sagte mal zu ihr: „Zuerst bist du für uns da gwesen, Mama. Und jetzt sind mia für di da!“ Den Satz vergisst Lisei nie.

"Die Viecher hab i als Kind lieber mögen als wia die Menschen"

Früher, als Straßenarbeiter Peter zur Bahn gewechselt ist, bezog die ganze Familie das Bahnhäusl in Bockern. „Der Zug war am Anfang scho Scheiße. Aber das wirst du gwöhnt“. Bevor eine Brücke den alten Schranken ersetzte, wartete Lisei mit den Bauern und deren Vieh, bis der Zug vorbei war. „Die Viecher hab i schon als Kind lieber mögen als wia die Menschen“.

Bahnwärter-Lisei bleibt nicht am Abstellgleis

Katrin

Manchmal dürfen Katrins Firmlinge Lisei im Wohnheim zu ihren schönsten und traurigsten Momenten im Leben befragen. „Mei schönstes Erlebnis war’s Heiraten“, erzählt sie dann. Das Schlimmste war der Tag, an dem ihr geliebter Peter viel zu früh gehen musste. Der Arzt schickt ihn zuvor wieder mal ins Krankenhaus. Lisei fährt mit ihrem Sohn Hans nach St. Johann nach. Alle Kinder sind da. „Dem Peter hat‘s an der Lunge gefehlt, am Herz. Alles mitnand“. Lisei ahnt, was es geschlagen hat. „Da hu i mi verabschiedet von ihm“. Wieder daheim, fragt sie sich: „Was tua i, boid i ganz alloa bin?“ Wenige Stunden später muss sie vom Sohn hören: „Der Dad is g’storbn“. Lisei bringt keinen Ton mehr über die Lippen. „Des war, wie wenn a Brettl oichafallert. Aus. Bin i alloa im Haus“. Lisei muss die schwerste Zeit ihres Lebens durchstehen. „Aber meine Kinder haben mi getröstet und sind allwei da gwesen für mi. Das ist das Schönste, wenn du woaßt, wer hinter dir ist“. Hinter ihr stand oft auch die Katrin. „Lisei hat mir schrecka dabarmt, wie der Peda gstorbn is. Da hab i sie oft mitgnommen, wenn wir mit meiner Oma Kathl gen‘ Alm aufig’fahren sind“, erzählt sie. „Zu Lisei hab i gsagt: Ge, Lisei, kinz ma decht a bissl d’Oma! Jetzt haben alle zwoa gmoant, sie tut der andern an Gfalln!“ So haben sich Lisei und Oma gegenseitig ein bissl unterhalten und waren beide zufrieden. Abends sagte Kathl dann: „Na, jetzt hama’s wieder kinzt, s‘Lisei“. Und Lisei frohlockte: „Weaschts zfriedn sein, d’Kathl!“

"Sie dürfen immer zu uns zurück, wie a Vögei das aus dem Nest fallt"

Katrin hat Lisei nicht beim Bahnhäusl unten am Abstellgleis gelassen. Und später hat Lisei ihr geholfen, den Tod der Oma zu überwinden. Von jemandem Geliebten loslassen, ist für den Menschen eins vom Schwierigsten. Oft geht Katrin auch noch zum leeren Bahnwächterhäusl hinunter, „Weil ich mir’s erst oichirichten muss, dass Lisei nimmer da ist“. Und wenn Katrin sich von ihren Kindern verabschiedet, egal ob Stefan in die Schule, Lisa in die Lehre oder Alois zur Freundin fährt, macht sie ihnen ein Kreuzl auf die Stirn. „Weil wer weiß, ob man sich nochmal wiedersieht?“ Überhaupt wenn das Kind ‚so a wilder Pinkl“ ist, wie man selbst mal einer war! „Der Alois hat a scho mit 15 a Freundin, fahrt a Motorradl“. Er besucht in Rotholz die landwirtschaftliche Landeslehranstalt. Katrin tat sich mit der Abnabelung verdammt schwer. „Ihr müsst eure Kinder loslassen“, sagte ein Kaplan zu ihr, „aber ihr dürft sie nicht entlassen“. Diesen Spruch hütet Katrin wie einen kleinen Schatz. „Sie werden vielleicht einmal wegziehen oder heiraten, aber sie dürfen dann immer zu uns zurückkehren, wia a Vögei, des aus dem Nest ausifallt“.

Jetzt lässt Lisei sich mal chauffieren

Zurückkommen zum Votzenthalhof kann auch Bahnwächter-Lisei jederzeit. Vielleicht schafft sie es sogar zum nächsten „Christkindl am Bauernhof“? Das mit dem Rollstuhl wird wohl zu lösen sein, weiß Katrin: „Lisei geht keinen Meter mehr zu Fuß, obwohl sie’s könnte. Aber sie hat im Leben immer alles selber gemanagt, und jetzt lasst sie sich amoi bedienen und chauffieren. Und das passt a so!“

Als ich mich im Wohnheim daweil amoi bei Lisei für den netten Ratscher bedanke, meint sie: „Was hoaßt daweil? Sag ja nit, du kimmst no amoi!“ Doch! Werd ich, um ihr vorzulesen, was sie mir vorgelogen hat. Ich will noch wissen, womit ich ihr eine Freude machen kann. „Dass du da gwesen bist, freit mi!“ Und da zipft es sie immer noch ein bissl an, dass ich beim Radfahren nie stehen geblieben bin. Ich will sie wieder besuchen. Sich für andere Zeit nehmen, ihnen eine Freude machen, das ist wohl mit das Wichtigste an Weihnachten. Und Lisei wird sich vielleicht heimlich vom Christkindl wünschen, dass auch übers Jahr ab und zu jemand bei ihr vorbeischaut auf einen Ratscher.


TEXT:
EDUARD EHRLICH
FOTOS:
CHRISTIAN MÜHLBACHER
GERALD LOBENWEIN
PRIVAT

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