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Blumencorso

Blumen zaubern ein Lächeln in die Welt

„I hab mit den Blumen a bissl einen Vogel“, sagt mir Edith Mayer am Telefon. Wir treffen uns im Kirchberger Hotel Sonnalp, das sie, wie auch das Parkhotel, als Direktorin führt. Auch da: ihr Mann Sepp. „Ohne den geht nix beim Blumencorso“, der alljährliche Höhepunkt der beiden. Nach kleinen Auftritten bauen sie 2006 erstmals selbst ein Wagenmotiv, einen Heißluftballon. Doch es kommt zur Panne. Bei der schweren Last des Gerüsts erlebt Edith ihre erste „Corso-Panik“: „Das geht sich nicht aus!“ Und auf der zweiten Runde durch das mit Menschenmassen gesäumte Dorf sackt der Bau durch die Schaukelei ein. Edith wirft die Nerven weg, gibt auf, schert aus. „I bin ja so ehrgeizig und i hab g’reat vor Zorn!“ Doch Sepp nimmt sie in den Arm: „Mach dir nix draus“. Und künftig will er sich selbst um die Statik der Wägen kümmern.

Man trifft sich in der Mitte

Blumencorso

Edith kommt 1959 in Landeck im Tiroler Oberland zur Welt und
erlebt eine bescheidene aber schöne Kindheit. Die Liebe für
Blumen erbt sie von der Mama. Bei den Großeltern hilft sie im
Garten, verliebt sich in Wiesenblumen. Den Sepp lernt sie in der
Gastronomie kennen, er ist im selben Betrieb Koch, „I war in den
Zimmern“, erzählt die damals knapp 17-jährige Handelsschulabsolventin.
„Er war meine zweite große Liebe, die erste war eine
große Enttäuschung“, lächelt sie. Nachdem Edith ihr den Liebsten
vorgestellt hat, „war meine Mama nit erfreut“, assoziiert mit
einem Koch gar einen „Saisonbock“. Doch schon bald ist Sepp
auch Mamas Liebling.
Das Paar geht auf Saison nach Ehrwald. Edith jobt in Zimmern,
im Service, der Rezeption. Davon profi tiert sie heute als Direktorin.
Sepp, nahe St. Pölten geboren, wächst auch bodenständig
auf. Landeck ist ihm zu schroff, ihr ist Niederösterreich zu
fl ach. „Dann treff ma uns in der Mitte“, und so kommen sie nach
Kirchberg, zum Kirchenwirt. Der Liebe zuliebe geben beide die
alte Heimat auf und heiraten. Das war vor 37 Jahren. Schließlich
führen sie in Hopfgarten 13 Jahre lang ein Restaurant und bauen
ein Haus. Nachdem Edith 1992 im Sonnalp ins Büro geht, folgt
ihr nach den Kindern schließlich auch Sepp dorthin, erledigt u.a.
den Einkauf.
Edith liebt den Brixentaler Dialekt: „I möcht, dass meine Kinder
a so reden wie die“, sagte sie schon früh. Sepp, heute 60, ist längst
glühender Tiroler. Auf seinem Handy-Klingelton trällert DJ Ötzi:

"I möcht, dass meine Kinder so reden wie die"

Blumencorso

„I kimm aus’m Landl Tirol“. Zum ersten
Kennenlern-Jahrestag, „hab i vom Sepp
meine ersten roten Rosen kriegt“. Klassisch,
sagt er, „Wie’s der Brauch ist“. Sie
symbolisieren entbrannte Liebe, vor
allem im erotischen Sinne. Oh ja! – ist
nachvollziehbar, denn Edith ist eine
sehr attraktive Dame.

Schlüsselblumen des Lebens

Die nächsten Schlüsselblumen, nicht gelbe Primeln, sondern die zu besonderen Anlässen im Leben, gibt’s zur Verlobung. Sepp sagt Edith, dass seine Elternnach Tirol kommen. „Da kunt ma uns eigentlich verloben“. Edith findet das sehr unromantisch. Doch auch ihre Freundinnen hatten keineromantischen Anträge, die gibt’s wohl nur im Film. Bekam sie wenigstens schöne Blumen? „Ja, sicher!“, beteuert Sepp. Nur welche, weiß er nicht mehr. Und der Brautstrauß? „Der war aus gelben und roten Rosen“, erinnert sie sich. Rosen, die einst schon als Attribut den Liebesgöttinnen Aphrodite und Venus zugeordnet wurden. Vom Hausbau nehmen die Mayers viel für die Blumencorsos mit, weltbekannte Sehenswürdigkeiten werden ihr Steckenpferd. Edith bastelt, Sepp handwerkelt gern. Der Hund liegt anderswo begraben. Welches Gebäude werden sie heuer beim Corso präsentieren? „Wissen wir nit!“, sagt Sepp. Das Spiel beginnt immer direkt nach dem Corso, da verkündet Edith um 16 Uhr, was sie nächstes Jahr bauen möchte. Doch Sepp und Tochter Carina rebellieren: „Hast an Vogel? Na, wir toan nächstes Jahr nimmer mit“. So wird der Jahreshöhepunkt der Mayers auch immer zur Bewährungsprobe für
ihre Beziehung. Schließlich öffnen sich die Gegner doch etwas, und es wird über Monate hin- und herüberlegt. Bis Ediths Ur-Idee wieder aufkommt:
„Wieso geht das nit?“ Und so beginnt Sepp doch mit einem Planungsversuch. „Man macht ja dann doch, was die Frauen wollen“. Es werden 3-D-Puzzles der Sehenswürdigkeit gekauft, aus dem Internet Fotos und Baupläne gefischt. Nach einem Venedig-Motiv baut Sepp 2008 das Kolosseum Roms,schließlich das Wiener Riesenrad. Doch das wird erneut kniffelig, wiegt das Konstrukt schon ohne Blumen 500 Kilo. „Mit 16 freischwebenden Gondeln“, und der Angst, dass die Spannplatten aufweichen. Doch diesmal geht’s gut. „Hat er super g’macht“, lobt sie ihn. Nach dem Fred-Feuerstein-Motiv ist 2011 die Tower Bridge aus London fordernd, nicht nur, was den Bau betrifft, bei dem Sepp die Brücke freitragend konstruiert: „Wir sind sehr harmonisch, aber während der Blumencorso-Zeit haben wir relativ viel Streit“. Weil Edith detailversessen ist und ihren Willen erst gegen seinen Widerstand durchsetzen muss.

Der Tadsch Mahal in Kirchberg

„Hast scho was?“, will der Erfinder des Kirchberger Blumenzaubers,
Pepi Jenewein, am Ende des Corsos von Edith wissen. „Ja.
Der Tadsch Mahal, das indische Mausoleum“. Pepi ist Feuer und
Flamme, Carina will einen Teich dabei haben, für Edith wäre
ein Springbrunnen das Nonplusultra, sie traut es sich Sepp aber
nicht sagen. Doch: „Da fehlt a Springbrunnen!“, sprudelt es aus
ihm. Sie ist happy, er tüftelt an einer Wasserpumpe, ein fast 80
Kilo schwerer Turm muss zu zweit auf den Wagen gehievt werden.

396 Arbeitsstunden und 90.000 Blumen

„Hoffentlich hebt enk des!“, hört Edith, und ihre Panik folgt auf den Fuß. „Hat aber super g’hebt“, und so wird ihr Tadsch Mahal der Hit des Corsos 2012. Allein bis dahin stecken im Bau 396 Arbeitsstunden und auf ihm knapp 90.000 Blumen, meist Dahlien. Für zwei Stunden im Kreis fahren! „Steigerung gibt’s koane mehr!“, meint Pepi, doch im Jahr drauf überraschen Edith und Sepp mit dem Moskauer Kreml samt 12 Zwiebeltürmen. Voller Türme dann auch ihr Schloss Neuschwanstein, „Und letztes Jahr haben wir nit oamoi g’stritten. Premiere!“, lächelt Edith – beim Brandenburger Tor, das nach 1990 auch Symbol einer Wiedervereinigung ist. Wie im Großen so im Kleinen. Edith geht es nicht drum, den größten Wagen zu haben, es entwickelte sich so. Sie schätzt stets auch die Arbeit der anderen Blumen-Corsler. Zurück zu Schlüsselblumen ihres Lebens. Sie stehen oft auch mit Trauer in Verbindung. „Wie mein Papa gestorben ist“, erzählt Edith, „haben wir ihm für den Sarg Almrosen und Enzian g’holt und ihm Edelweiß aufs Grab g’setzt“, weil er so gern in die Berge
ging. Dann die Blumen, die man nicht bekommt. „I hab zum 40iger von dir keine Blumen gekriegt“, sagt Edith dem Sepp. „Da war i ihm ganz bös“. Szenen einer Ehe. Ihre Liebe hüten die Mayers aber, wie auch ihre Freundschaften. Für die gilt ja dasselbe wie für Blumen: sollen sie gedeihen, muss man sie pflegen. Ob mit Kulturausflügen, Kegeln, Grillen oder Berggehen. Die Pflege soll freilich liebevoll sein, bei Mensch und Blume. „Da musst a bissl a G’fühl haben“, so sie. „Die Blumen spüren vielleicht, wenn du dich viel mit ihnen abgibst“, so er. Die empfindliche Anthurie, „die lasst oft alles hängen, so richtig traurig“. Zu ihr sagt Edith morgens: „Auf d’Nacht giaß i dich wieder“. Dahingehend kann ihr die Blume sogar ein schlechtes Gewissen machen.
Doch wenn Edith sie dann wieder wässert, richtet sie sich stolz auf.

„Vielleicht bin i wie die Sonnenblume“

Und welche Blume ist ähnlich wie
Edith? „Vielleicht bin i a bissl wie die
Sonnenblume? Die strahlt, wirkt aber
oft auch trocken“. Sie steht für Fröhlichkeit
und Wärme, aber auch für
Stolz und Unnahbarkeit. „I bin a fröhlicher Mensch, und unnahbar
– das haben viele zu mir g’sagt“, kommt vielleicht daher, dass
sie Oberlandlerin ist. Die sind erst eher unnahbar, können aber
dann ein Leben lang ein guter Freund sein. Und welche Blume
wäre Sepp? Edith schenkte ihm mal weiße Rosen. Die stehen
für Reinheit und Unschuld. „Unschuld? Des passt nit“, lacht sie.
Aber falls Sepp das nun ungerecht findet, könnte er sich mit gelben
Rosen revanchieren, die bedeuten „Ich vergebe dir“.

Zufrieden wie die Primel

Blumencorso

Und dann wird er mit ihr wieder stundenlang im Garten Blumen
zupfen und sich an der Farbenpracht der Natur erfreuen. Vielleicht
ist er so gesehen wie die Primel, die steht für „Zufriedenheit
ist das größte Glück“. „Aber man muss es sich bewusst machen“,
so Edith. Sich bewusst machen, wie schön wir’s bei uns haben,
oder was es bedeutet, frei zu sein. Apropos frei. Dem Ritual gemäß
sagte Edith am 15. August 2015 um 16 Uhr: „Nächstes Jahr
mach’ ma die Freiheitsstatue!“ Reaktion Sepp bekannt: „Kannst
vergessen. Wir toan nimmer mit!“ Neugierig jetzt? - Dann ab
zum Kirchberger Blumencorso am 15.8.2016 und schauen, ob
Ediths unwiderstehlicher Augenaufschlag auch diesmal wieder
bei ihm zum Ziel geführt hat.
Eins noch: bei aller Liebe für Blumen, eine „Blumen-Ehe“ werden
Edith und Sepp wohl nicht führen. Da heißt es nämlich:
„Wenn sie verwelkt, verduftet er“. Und das ist bei den beiden
nicht zu erwarten.

TEXT:
EDUARD EHRLICH

FOTOS: JOHANNES KOGLER,
PRIVAT,
JOSEF MAYER,
OFP KOMMUNIKATION

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