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Als Nikolaus, Postler und Friseur von Haus zu Haus

Am 6. Dezember lobt der Nikolo die guten Kinder, tadelt die bösen. Schauen wir mal nach, was im „Goldenen Buch“ über den Herbert geschrieben steht.

Geschichte zum Nikolaus
Der in Kirchberg lebende Herbert Janisch war jahrelang als Nikolo unterwegs. Und als Postler. Und als Friseur. Letztes Jahr traf ich ihn, als er sich gerade ärgerte, dass das Taxi, das ihn zum Arzt bringen sollte, nicht kam. Dafür kam ich zum Interview. Seine Frau Gretl sieht mein Diktiergerät am Tisch: „Was weascht des boid des fertig is?“. Ich sag es ihr, und schon geht die Zeitreise los. Herbert kam 1931 in Kitzbühel zur Welt. Die Mutter war Kellnerin, der Vater Maurer. Der musste 33 zur Legion nach Deutschland. Ein Jahr später folgten ihm Frau und Kinder, „weil auseinander leben, tuat ja nit“. So kommt Herbert bei Frankfurt in die Volksschule. Manchmal „hat‘s Prügel gegeben“, doch Herbert gibt zu, dass sie Lausbuben waren. Mal ist er in die Jauchengrube gefallen, mal wurde er beim Äpfel fladern erwischt. „G’stohlen war besser als gekauft“, meint er, „weil kaufen hast ohne Geld ja nix können“.

Mit 14 hätte Herbert zur ‚Flak‘ gehen sollen

Geschichte zum Nikolaus

Als Flakhelfer wurden Jugendliche bezeichnet, die in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges zum Einsatz in den Flakstellungen der Luftwaffe und Kriegsmarine herangezogen wurden. „Die Flak ist am Stand oben gestanden, und sie haben geschossen, wie die amerikanischen Flieger gekommen sind“. Herbert widersetzt sich dem Leutnant: „Da geh ich dir nit auffi! I lass mi ja nit owaschiaßen!“. Der Vorgesetzte brüllt: „Ich lasse dich erschießen!“. Und Klein-Herbert: „Des werd ma no sechn!“, antwortet er, obwohl er die Hosen gestrichen voll hat. „Revoluzzer war ich keiner“, aber bei der Hitler-Jugend war man damals gern dabei, hatte die Aussicht, Offizier zu werden.

„Ich lass dich erschießen!“

Wie weit kann ein so junger Mensch mit 13, 14 schon denken? „Für uns war es zuerst a Gaudi, Soldat zu spielen“. Dennoch hat sich in Herbert etwas verändert. „I wollt dann doch nimmer recht mitspielen“. So brennt er 14jährig vor Weihnachten durch und fährt mit dem Zug bis Wörgl. Was würde da der Nikolaus im Goldenen Buch stehen haben? Mit seinem Tornister, dem Rucksack samt Wolldecke und Uniform, steht er vor der Großmutter in Kitzbühel: „Manei, was soll i mit dir machen?“, sagt sie, „I hab nur mei Lebensmittelkarte. I kimm mit dem Halberten aus. Aber du nit!“. Doch Herbert beruhigt sie. „Mach da um mi koane Sorgen. I kimm schon draus“.

Auf Wanderschaft zu Friseuren bis in die Schweiz

Geschichte zum Nikolaus

Anstatt Offizier will Herbert nun Friseur werden. Als Lehrling ergattert er von Italienern Zigaretten gegen Brot. Das hätte er besser gegessen, denn „einmal bin i unterernährt zusammengebrochen“. Der Arzt aber benötigt die Sonderrationen Medizin für seine Patienten, die ihn mit Butter versorgen. So lief das damals. Erst das Gebräu von Dr. Hengl nimmt Herbert den Schwindel. Dann die Gesellenprüfung in Innsbruck. Aus dem Kloster holt Herbert sich einen Padre. „Seinen verfilzten Bart hab i mit Ach und Krach herdaricht! Und wie ich dem zweiten Modell mit dem Eisenstab eine Lockenwelle machen wollt, hab ich ihm den Kopf verbrennt vor lauter nervös!“. Aber Herbert besteht mit „genügend“. Bei der knappen Arbeitsmöglichkeit geht Herbert auf Wanderschaft zu Friseuren in St. Johann, Fieberbrunn und gar in die Schweiz. „Bring di amoi selber durch in schweren Zeiten“. Aber weil er im Frisierladen was mit einer Kollegin anfängt, wird er gefeuert. Sein Wunschtraum heute noch wäre einmal in die Schweiz zurückkehren. „Aber es fehlt da Pfnetsch“, das nötige Kleingeld.
Damals, 1955 besitzt er ein Fahrrad, eine Umhängtasche und einen Trenchcoat, arbeitet bei einem Coiffeur in Westendorf. Dort taucht eines Tages Gretl auf, weil sie eine Musi für die Silberne Hochzeit ihrer Eltern sucht. „Bist du der Musiker?“. Ja! Und: „Am Heimweg bin i bei ihr in Kirchberg aufs Fenster gangen“. Der Casanova, der auch ins Kitzbüheler Gerichtsgebäude bestellt wird, wenn Inhaftierten die Haare zu schneiden sind, wechselt wegen Gretl zum Kirchberger Friseur Knauer. „Aber da hat’s mit einer Angestellten wieder a bissl a Eifersucht geben“. Was würde da der Nikolaus im „Goldenen Buch“ stehen haben?
Einem Beamten soll man nichts nachsagen können
In jenen Tagen sucht die Post dringend Mitarbeiter. Herbert stellt sich vor und wird Briefträger. Für Aschau. Dorthin ist es von Kirchberg damals zu Fuß ein Tagestrip. Kein Fahrrad, kein Fahrzeug, auch im Winter nicht. Bepackt mit Tasche und Rucksack, muss er auch Pakete abgeben und aufnehmen. Und Geld. Oft 10 bis 15.000,- Schilling. Nicht nur, wenn er Bares brachte, war der gesprächige Postinger gern gesehen. „I hab ihnen schon oft an Schwefl verzählt. Und i hab überall eine Jause gekriegt und was zu trinken“, sagt der, der nebenbei auch noch gern und oft als Musikant unterwegs ist.

Frauen und ein Mann in Uniform

Einmal klebt ein Kontrolleur an Herberts Fersen. Während der sich im Gasthof laben darf, nimmt Herbert gern das vom Bauern offerierte Bier an. Die Wirtin bei der nächsten Adresse meint: „Ah, Herbert, a Schnapsei trinkst scho, wennst zum Essen nit daweil hast“. Auch im Hotel tut’s ein kleiner Klarer. Und als Herbert trotz Verbot mit dem Postbus nach Kirchberg heimfährt, ist der Prüfer im Amt gnadenlos: „I glaub, der Herr Janisch is a Feuchter!“. Wie bitte? „Wegen de zwei Schnapsl!?“ Sollen sie ihn feuern! Doch dazu ist Herbert bei den Leuten zu beliebt. Aber sein Chef will ihn an den Schalter versetzen. „Damit er mich besser unter Kontrolle hat“. Aber nein! „Drin arbeiten wär’ mei Untergang!“ Draußen hat man Schöneres erlebt: „Oamoi hab i durchs Fenster gsehn, wie die Frau in der Waschschüssel g’standen ist und er sie owig’waschen hat“. Frauen sind oft allein Zuhause. Und dann ein Mann in Uniform? „Da musst aufpassen als Beamter, dass sie dir nix nachsagen können“. Was die Damen ihm anvertrauen, etwa wenn sie wie ein Rohrspatz über ihre Männer schimpfen, soll er für sich behalten. Sonst hört er: „Dir ku ma ah nix sagen, sonst woaß es glei die Nachbarin!“ Was würde da der Nikolaus im „Goldenen Buch“ stehen haben?

„Ah, Herbert, a Schnapsei trinkst scho no!“

Kindern Freude bereiten, war das Schönste

Geschichte zum Nikolaus

Der Nikolaus ist dem Herbert schließlich selbst zugefallen. „Den Kindern a Freude machen, war das Schönste!“. Und wenn er ihnen aus dem Buch vorgelesen hat, war von Vorteil, dass er die meisten schon als Postler kannte. Wenn er etwa im Kindergarten als Heiliger Nikolaus ein Kind tadeln musste, „Da sind oft die Tränen geronnen, sodass i selber a diam hinter der Larven greart hab. Aber i ku ja nix dafür, wenn i was g‘lesen hab, was sie mir vorgeschrieben haben“. Manchmal war auch der Papa nicht der Bravste. „Wenn einer zu viel g’suffen hat, hab i g’sagt, er soll das Geld besser der Mami hoambringen!“. Da hat sein furchterregender Begleiter besonders stark mit der Kette gerasselt. Oft hat dem Herbert sein Sohn den Krampus gemacht. Doch noch lieber war ihm, „Wenn i a paar Engerl dabei g’habt hab“.

„Da hab i a diam great hinter der Larven“

Genossen hat Herbert als Nikolaus, „dass man jemand ganz anderer sein kann. Ohne, dass ich wen beleidige, kann ich sagen: Der Nikolaus hat das und das gehört“. Den Bart hat er sich meist selbst gemacht. Allerdings: „Nach zehn Jahren hat mir die Frau den Bart und das G’wand verkauft!“ Gretl wirft ein: „Er war ja immer weiß Gott wo überall. Und i bin oiwei alloa g’wesen“. Und Herbert: „Ja mei, i hab Geld für die Wohnung aufnehmen müssen. Der Post-Verdienst, 900,- Schilling am Anfang, das is eh in die Familie gegangen“. Wie auch immer, vor einigen Jahren wurde Herbert erneut gebeten, den Nikolaus zu geben. Und bekam gleich 200,- Euro zugeschoben: „Kauf dir ein neues Gewand! Weil Kirchberg ohne Nikolaus, das tuat nit!“. So hat Herbert noch einige Jahre angehängt. „Die Leut sagen immer no: So wie i hat‘s no koana zambracht“.

Ein leichtes Schlagl über Nacht

Vor gut einem Jahr war’s für Herbert kurz vorbei mit der Gaudi. Da hat ihn über Nacht ein leichtes Schlagl heimgesucht: „Wie i im Spital die Augen auftua, a Mords Kreuz über mir. Hab i ma dacht: jetzt bin i im Totenkammerl“. Inzwischen hat er sich wieder ganz gut erfangen, muss halt Tabletten nehmen und in der Nacht die Hand warmhalten. Gretl unterbricht und fragt mich: „Und was sagt dei Frau, wenn du dauernd dahin bist?“. So viel wie ihr Mann bin ich nicht unterwegs, sag ich. Und will wissen, ob es Liebe auf den ersten Blick war, als sie den Herbert zum ersten Mal gesehen hat. „I ku’s nit sagen“, meint sie. „Er war oiwei schon a Mensch, der nit bös ist, so wie andere oft bös toan! Da geht er lieber. Aber so viel hinteranand, wie er heit erzählt hat, hab i ihn no nia g’hört!“ Gretl macht mein Diktiergerät noch immer Sorgen: „Aber so wichtig sind wir a nit! Das würdn ja dann alle in der Zeitung sehn.
Werden‘s sagen: Schau, die Janisch, da!“. Aber was die Leut reden, „des is ins ja wurscht, oder?“, meint Herbert. Dann klingelt es, und Gretl öffnet dem Postinger. „Und? Is was dabei?“. Nichts Wichtiges, aber der Postler weiß jetzt, dass der Ehrlich bei den Janisch war. Und würde bald der Nikolaus zu den beiden kommen, er würde im „Goldenen Buch“ wohl stehen haben: „Lieber Herbert, gut, dass du wenigstens jetzt öfter bei deiner Gretl dahoam bist“.

„Jetzt bin i im Totenkammerl “


TEXT:
EDUARD EHRLICH

FOTOS:
PRIVAT

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